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gelesen: Überflieger – Malcom Gladwell

Das Buch wurde mir von meinem Kollegen Mark Schröder empfohlen. Ich fand von Gladwell „Tipping Point“ schon ziemlich gut und das waren 2 Gründe, warum ich zugegriffen habe. Bei der Bestellung bei amazon habe ich mich dann verklickt und aus Versehen die Papierversion bestellt. Und so habe ich seit 6 Monaten zum ersten  Mal wieder ein Buch in der klassischen Variante gelesen. Gegenüber dem kindle Format bietet Papier meiner Meinung nach nur Nachteile. Auch die angeblich bessere Haptik von Büchern kann ich nicht mehr bestätigen. Ein kindle liegt deutlich besser in der Hand.

Dieses Buch hebt sich inhaltlich sehr angenehm ab von den anderen Büchern zum gleichen Thema ab. Es wandelt eher auf den Pfaden von Freakonomics. Der Schwerpunkt liegt hier ebenfalls nicht auf der Frage, was für hervorragende Individualfähigkeiten Überflieger haben, sondern es wird genau hinterfragt, welche Rahmenbedingungen den Erfolg zusätzlich begünstigt haben. Gladwell macht sich auf die Suche nach statistischen Mustern und entdeckt einiges Überraschendes: Die meisten Top-Eishockeyspieler in Kanada wurden in den ersten 3 Monaten des Jahres geboren; die meisten Milliardäre aus dem Silicon Valley in den Jahren 1953-56. Die deutlich besseren Matheleistungen von Asiaten scheinen mit dem Reisanbau und dem einfacheren Zahlensystem in China zusammenzuhängen u.v.m.

Der Leser wird hier auf eine spannende Entdeckungsreise geschickt, die deutlich besser verstehen hilft, wie es immer wieder zu Überfliegern kommt.

Nicht alles ist neu, was Gladwell beschreibt. Das Co-Piloten lieber sterben als ihrem Kapitän zu widersprechen wurde schon oft woanders beschrieben und auch das 10.000 Stunden Phänomen ist nicht wirklich neu.

Insgesamt ist es ein Buch, das sich lohnt.

Bewertung: ****

Join the discussion 7 Comments

  • kofferleben sagt:

    Also wenn der Fakt „Der Copilot stirbt lieber, als dem Kapitän zu wiedersprechen“ aktuell und zeitgemäß ist, frage ich mich, ob das Buch nicht doch etwas veraltet ist.
    Davon ab, dass ich persönlich (unter anderem als Copilot) eher auf die Barrikaden gehe, als zu sterben ist das zumindest in unserer westlichen Kultur – über die das Buch ja schliesslich geht – seit langem ausgestorben.

  • Frank sagt:

    Ich wäre mir das nicht so sicher, dass das Problem wirklich nicht mehr existent ist. Es mag bei Piloten aus westlichen Kulturen weniger stark ausgeprägt sein. Aber ich kann mich noch gut an den Unfall in Wien Schwechat erinnern, wo ein Airbus ohne Sprit noch gerade so den Flughafen erreicht hat. Laut Unfallbericht hat der Co mehrfach zu vorsichtig darauf hingewiesen, dass der Treibstoff zur Neige geht und es besser wäre deutlich vor München zu landen. Das letzte Mal hat er einen Versuch über Zagreb gemacht. Statt masiv zu werden oder gar die Kontrolle zu übernehmen hat er zugelassen, dass die Kiste trocken geflogen wurde. Und das obwohl im völlig klar war, in welcher Situation sie sich befunden haben.

  • Peer sagt:

    Die Sache mit dem Copiloten zeigt einmal mehr: Es ist soo schwer, gutes Personal zu bekommen! 😉

  • kofferleben sagt:

    Naja..die Sache mit der Hapag ist auch schon 12 Jahre her…

  • kofferleben sagt:

    …sorry, zu früh abgeschickt (=Fingertrouble). Der Unfall hat zusätzlich nicht als Ursache schlechtes CRM, sondern Arbeitsfehler und schlechte Systemkenntnisse – hat also nichts mit extremen Authoritätsgefälle zu tun.

  • Frank Roebers sagt:

    das mit den 12 Jahren stimmt. Mit der Hauptursache hast Du auch Recht. Trotzdem hätte die Crew noch sehr komfortabel mit laufenden Triebwerken in Zagreb landen können. Der Co-Pilot hatte den Kapitän 2 Mal darauf hingewiesen, dass aufgrund von Treibstoffmangel eine Luftnotlage zu erklären sei. Dies blieb ohne Erfolg.

    Zitat aus dem Unfallbericht: „Der Copilot hatte eine Mindestkraftstoffmenge für Warteverfahren von 1,9 t kalkuliert. Als die Treibstoffanzeigen diesen Wert erreichten, wies er den Kapitän darauf hin, dass eine Notlage zu erklären wäre. Der Kapitän verschob dies auf einen späteren Zeitpunkt, was vom Copiloten ursprünglich auch akzeptiert wurde. Nach einiger Zeit wies er erneut auf die Notwendigkeit der Erklärung einer Notlage hin. Erneut wurde dies vom Kapitän aufgeschoben.“

    Wenn der Co-Pilot sich durchgesetzt hätte, wäre es vermutlich nicht zu dem Unfall gekommen. Also für mich sieht das schon wie ein Problem mit dem Autoritätsgefälle aus.

    Ich hätte an Deiner Stelle allerdings auch ein Problem damit, dass als Problem zu aktzeptieren. In dem Buch von Gladwell wird auch ausführlich beschrieben, wie intensiv die Luftfahrtgesellschaften versuchen, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Ich kann nur nicht glauben, dass es wirklich flächendeckend gelöst ist.

  • http://www./ sagt:

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