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gelesen: Staatsfeind Wikileaks – Rosenbach, Stark

Dieses Buch ist erstaunlich schnell auf den Markt gekommen. Das birgt die Gefahr, dass es sich um ein schnell runtergeschriebenes schlechtes Buch handelt, dass nur erschienen ist, um auf der hohen Aufmerksamkeitswelle um das Thema Wikileaks möglichst profitabel mitsurfen zu können.

Diese Gefahr hat sich nicht realisiert.

Zum einen wird die Geschichte von Wikileaks erzählt von der Gründung bis zum vorläufigen Höhepunkt der Veröffentlichung der internen Botschaftsdepeschen der USA. Und diese Geschichte ist spannend wie ein Krimi. Wikileaks ist so stark mit seinem Gründer verwoben, dass auch seine Geschichte von seiner Kindheit an kurz erzählt wird. Die Geschichte von Assange und Wikileaks bietet alle Elemente, die man einem spannenden Roman wünschen würde. Assange ist ein schwieriger Mensch. Er ist intelligent, hat Charisma, er ist verletzend, arrogant und sein Privatleben bringt ihn und Wikileaks in Schwierigkeiten. Es gibt mit Bradley Manning einen tragischen Helden. Er war derjenige, der die USA in die schwerste außenpolitische Krise ihrer Geschichte gebracht hat. Und er stolperte über seine eigene Geschwätzigkeit und muss nun mit üblen Haftbedingungen dafür büßen, eine so mächtige Nation herausgefordert und blamiert zu haben.

Zum anderen werfen die beiden Spiegel-Autoren die Fragen auf, ob das was Wikileaks macht wirklich richtig und was es für Demokratien und den Journalismus bedeutet. Auch dieser Teil des Buches ist gut gemacht und sehr lesenswert.

Assange verachtet den klassischen Journalismus zutiefst. Aber er musste auch das völlige Scheitern der Blogosphere in der Verbreitung und Aufarbeitung seiner Quellen feststellen. So richtig Wirkung bekam Wikileaks erst, als man sich zur intensiven Kooperation mit den klassischen Medien durchrang. Ohne Spiegel, Guardian und die NY Times wäre die Veröffentlichung der Kriegstagebücher und der Diplomatendepeschen wahrscheinlich genauso versickert, wie die vielen mindestens genauso skandaolösen Unterlagen, die Wikileaks schon vorher veröffentlicht hat.

Auch die Frage, ob es richtig ist ohne Rücksicht auf Gefährdung von vielen Menschen Unterlagen unredigiert ins Netz zu stellen wird diskutiert. Sie ist wirklich nicht leicht zu beantworten. Wikileaks fährt hier einen radikalen Kurs, der zumindest latent geeignet ist, Leben zu gefährden.

Die Geschichte von Wikileaks ist wahrscheinlich noch am Anfang. Zur Einsortierung dieses Phänomens ist dieses Buch zum richtigen Zeitpunkt erschienen.

Bewertung: *****

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2 Kommentare

  • PC-Blog sagt:

    Es ist schon befremdlich ruhig geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Background einge Deals abgelaufen sind. Finanzielle Mittel, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Länder verleihen können, wer weiss? Zumindest fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, mittlerweile gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin

  • oder die hecken was Neues aus

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