Politik

Dritter und letzter Teil meines Interviews mit Markus Beckedahl

Es ist vollbracht. Wir haben unser Interview für das Politik-Buch DNA Digital mit dem dritten Teil beendet. Mir hat es Spass gemach und ich freue mich auf das Buch.

1. Teil des Interviews

2. Teil des Interviews

FR: Welche Auswirkungen wird das auf die Art und Weise haben, wie künftig Politik gemacht wird?

MB: Das Netz hat große Auswirkungen auf die Art und Weise, wie zukünftig Politik gemacht wird. In der früheren analogen Welt hatte man eigentlich nur orts- und zeitabhängig die Möglichkeit, sich an politischen Prozessen zu beteiligen. Das war die klassische Ortsgruppe einer Partei oder einer Initaitive. Vielleicht fuhr man dazwischen mal zu einer Demonstration. Das ist einer der Gründe, warum wir eine repräsentative Demokratie haben. Für die Zeit war es die Beste Möglichkeit, die Situation zu managen.

Mit dem Netz verändert sich das. Man kann auf einmal politisch aktiv werden, indem man orts- und zeitunabhängig wird. Ein Internetanschluß reicht, um sich auch über Grenzen hinweg mit anderen zu vernetzen, sich zu informieren und zusammen politisch zu arbeiten. Dazu verändern sich die Öffentlichkeiten. Die traditionellen Medien fungier(t)en als Gatekeeper. Da kann nicht jeder zu Wort kommen, weil man einerseits die große Masse angesprochen hat, andererseits gab und gibt es zeitliche Begrenzungen in der Sendezeit oder dem Platz in der Zeitung. Im Netz kann sich jeder Politiker oder jeder mit einem Anliegen und den richtigen Werkzeugen die passenden Verbündeten suchen und gemeinsam für ein Ziel kämpfen. Gleichzeitig verändert das Netz auch den Wunsch von vielen, Politik zu öffnen. Wir können jetzt orts- und zeitunabhängig mitmischen, aber die Angebote fehlen in der Regeln noch.

Für Politiker, Medien und Netz-Unerfahrene ist es wohl noch schwer vorstellbar, welche Potentiale diese neuen Öffentlichkeiten entfalten können. Indem jeder theoretisch zum Sender werden und sich viele Menschen ad-hoc übers Netz zusammen schließen können um ihre Meinung zu artikulieren, wird das die öffentliche Meinungsbildung nachhaltig umkrempeln.

FR: Das nützt nicht viel, wenn nach Deiner eigenen Aussage die politische Klasse einfach nicht hinhört. Oder habe ich da jetzt was übersehen?

MB: Sie werden zukünftig mehr zuhören müssen, um junge Menschen erreichen zu können.  In den Parteien kommen auch langsam jüngere Menschen in höhere Positionen, die das Internet schon in ihr Leben integrieren. Auch verändert sich die Medienlandschaft rasant. Durch die steigende Berichterstattung in den traditionellen Medien über Entwicklungen im Netz erreichen die Netz-Themen auch ein älteres Publikum.

FR: Wie siehst Du Deine Rolle in diesem Veränderungsprozess, wie hast Du vor, gestaltend zu wirken?

MB:Mit netzpolitik.org haben wir in den letzten sieben Jahren eine Plattform aufgebaut, die diesen Veränderungsprozess aktiv begleitet. Einerseits aggregieren wir in einer klassisch redaktionellen Filter-Arbeit viele Informationen, linken auf entsprechende Angebote im Netz und kommentieren diese ggf. auch. Andererseits funktioniert netzpolitik.org mittlerweile auch als Kampagnenplattform für digitale Bürgerrechte. Damit experimentieren wir mit den neuen Möglichkeiten herum, finden neue Wege zur politischen Kommunikation im Netz und motivieren unsere Leser, aktiv in der Demokratie mitzuwirken und sich für ihre und unsere Rechte einzusetzen. Wichtig ist uns dabei, in Zeiten von Parteien-Verdrossenheit zu vermitteln, dass Demokratie und Politik Spaß machen können, wenn man das gemeinsam macht.

Gleichzeitig findet viel Arbeit hinter den Kulissen statt, die manchmal nicht so sichtbar wird. Wir gehen aktiv auf Politiker, Verbände und Journalisten auf nationaler und internationaler Ebene zu und suchen den Dialog. Dabei versuchen wir nach Kräften, mehr Verständnis für das Netz, den Medienwandel und die neuen Öffentlichkeiten zu schaffen, sowie für eine bessere Netzpolitik zu werben.

Es ist gut möglich, dass wir unsere Arbeit mittelfristig professionalisieren, d.h. Strukturen als NGO schaffen, um uns noch effektiver und mit mehr Ressourcen für digitale Bürgerrechte einsetzen zu können. Die Gestaltung der digitalen Gesellschaft steht immer noch am Anfang. Uns erwarten noch zahlreiche gesellschaftliche Debatten rund um die vielfältigen Themen der Netzpolitik.

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