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Enterprise 2.0Unternehmensorganisation

Ist Twitter die Geriatrie Abteilung des Internets? Ergebnis meiner kleinen Laienempirie

von 23.06.09Juni 25th, 20095 Kommentare

Ich bekomme immer zu hören, dass meine Generation (die ich jetzt mal willkürlich als die 35-45 jährigen definiere) im Gegensatz zu den sogenannten Digital Natives total rückständig bei der Nutzung von Web 2.0 sei. Diese jungen Menschen sind schließlich im Gegensatz zu uns mit dem Internet aufgewachsen und hätten deswegen einen total intuitiven und genialen Umgang mit den im Internet zur Verüfgung stehenden Werkzeugen.

Die ersten Zweifel schlichen sich bei mir ein, als ich ein wenig die Rap-Kapelle meines Cousins „Premium League“ unterstützt und beraten habe. Die Jungs sind zwischen 20-25 Jahre alt. Ich war schon nach kurzer Zeit ein wenig irritiert. Als ich vorgeschlagen habe, eine Bandseite gleich als Social Network bei ning einzurichten, erntete ich ziemliche Ratlosigkeit. Das Thema bloggen saß auch nicht so recht und ich konnte sie bis heute nicht so recht motivieren, dass als festes Kommunikationswerkzeug mit den Fans zu nutzen. Das ging immer genau so lange gut, wie ich druckvoll an die Segnungen der Bloggerei erinnert habe. Wenn ich auch nur 2 Wochen nix sage, wird auch nicht mehr gebloggt. Twitter habe ich einmal angesprochen und den erwiderten Gesichtsausdruck zum Anlass genommen, dass Thema nicht noch mal anzusprechen.

Die Fans sind da übrigens nicht deutlich anders. Die sind überwiegend noch jünger als die Band, nutzen aber nur widerwillig die Segnungen des Web 2.0.

Kurze Zeit später hatte ich die Ehre als Gastdozent an der FHM Bielefeld eine 9 stündige Vorlesungsreihe zum Thema Web 2.0 Enterprise 2.0 halten zu dürfen. Da saßen immer so um die 100 Studenten und ca. 20 Mitarbeiter der SYNAXON. Bei den Studenten handelt es sich ausschließlich un diese Digital Natives.

In der Vorlesung habe ich eine Menge Web 2.0 Werkzeuge vorgestellt, wie man hier sehen kann. Ich hatte schon die Befürchtung, dass ich die Studenten damit wahnsinnig langweilen würde und spätestens bei last.fm der Hinweis kommt: Ist schon gut, Meister, erzähl mal was Neues!

Ich habe dann bei jedem Werkzeug gefragt, wer das aktiv oder passiv nutzt. Die Ergebnisse sind erhellend (hier sind unsere Mitarbeiter jetzt wieder herausgerechnet, die kannten nämlich tatsächlich schon das Meiste). Hier ist eine kleine Stichprobe:

  • Wer hat schon mal einen Artikel bei Wikipedia editiert? Antwort: 3 Studenten
  • Wer kennt last.fm? (niemand)
  • Wer bloggt? (4 Studenten)
  • Wer nutzt Twitter (5 Studenten)

Nun kann man natürlich sagen, die Stichproben sind zu klein. Aber spätestens seit dem letzten Wochenende habe ich brauchbarere Stichprobengrößen. Ich war zusammen mit meinem Bruder (über 35 Jahre alt) und dem Meistermikroblogger LeSven (über 30 Jahre) auf dem Hurricane Festival in Scheeßel.

Dort waren 70.000 Besucher. Meine Schätzung der Altersverteilung:

  • Durchschnitt: 23 Jahre
  • Besucher über 30 Jahre :10%
  • Besucher über 40 Jahre: 5%

Da hatte ich gedacht, da wird gebloggt und getwittert, bis die nicht weit entfernte Heide wackelt. Aber: Fehlanzeige!

Die einzigen, die dort gewtittert haben waren LeSven und ich. Und wir haben mehrfach erfolglos Twitter abgesucht, weil wir dachten, da könnte man ja gleich ein fröhliches Twittertreffen spontan organisieren. Das hatte sich aber zügig erledigt.

Die zahlreich erschienene Jugend hatte dort deutlich Wichtigeres zu erledigen: Sex, Drugs & RocknRoll. Da musste Twitter zurückstecken. Ich habe übrigens auch keine Zuschauerblogbeiträge gefunden.

Twitter scheint, wie viele andere Web 2.0 Werkzeuge ein Refugium für rüstig gebliebene Mittelalte zu sein. Ich finde das ürbigens gar nicht schlecht. Irgendwas im Netz müssen wir auch besser können, als die Kiddies finde ich. Ees reicht schon, wenn die uns bei Counterstrike oder Battlefield immer schon nach 3/100 Sekunden raushauen.

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