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Enterprise 2.0

Knol und Wikipedia – ein Selbstversuch

von 28.05.09Juni 25th, 2009Keine Kommentare

Seit einigen Monaten betreibt Google mit Knol eine Wettbewerbsplattform zu Wikipedia vorerst noch im Beta-Stadium. Die beiden Projekte haben durchaus ähnliche Ziele und deswegen lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Gemeinsamkeiten, die Unterschiede und vor allem auf die Vor- und Nachteile zu werfen.

Was sofort auffällt, ist dass Knol nicht mal ansatzweise so transparent ist, wie Wikipedia. Man kann nicht so ohne Weiteres einfach mal nachschauen, wieviele Nutzer Knol hat, was die letzten Bearbeitungen waren und wie viele Artikel es überhaupt auf Knol gibt. Beim Einstieg über die Themenportale findet man nur sehr fragementarisch Inhalte. Es scheint überhaupt so zu sein, dass eine systematische Einordnung des dort gespeicherten Wissens nicht so eine herausragende Rolle spielt.

Wikipedia hingegen ist sehr transparent. Über die Spezialseite „Statistik“ und über „Letze Änderungen“, sowie zahlreiche andere Seiten kann man sehr deutlich sehen, wie aktiv und dynamisch Wikipedia ist. Ich nehme mal an, dass Knol hier bei einem direktem Vergleich der Zahlen so schlecht abschneiden würde, dass man das lieber nicht veröffentlicht sehen möchte.

Im Gegensatz zu Wikipedia ist Knol sehr viel stärker auf die Autoren ausgerichtet. Diese bekommen nicht nur umfangreichere Möglichkeiten, sich darzustellen, sondern sie bekommen vor allem das Recht zu entscheiden, ob irgendjemand an dem Artikel mitarbeiten darf. Man wirbt hier wohl vor allem um Experten, die selber die Qualitätssicherung in die Hand nehmen möchten, als der Wikipedia-Gemeinde die Kontrolle zu übergeben. Das sind die Steuerungsmöglichkeiten der Autoren bei Knol, man kann wählen:

  • unter welcher Lizenz man den Artikel stellen möchte. Hierbei stehen alle Varianten der Creative Commons Lizenz zur Verfügung, man kann sich aber auch auf das Urheberrecht (Copyright) zurückziehen. Das dürfte vor allem für Buchautoren interessant sein, die von ihren Werken leben möchten.
  • man kann gleich Adsense zu seinen Artikel schalten lassen
  • ob der Artikel wie bei Wikipedia offen durch jeden zu barbeiten ist oder nur moderiert oder gar nicht durch Dritte
  • für ganz Ängstliche besteht sogar die Möglichkeit, Kommentare moderieren zu lassen.
  • Kommentare können gelöscht, gesperrt, oder gemeldet werden
  • sogar Kommentatoren kann man einzeln sperren

Knol gibt also seine Autoren eine Kontrolle, die man von Wikipedia nicht zugesprochen bekommt.

Es gibt einen weiteren ganz wesentlichen Unterschied. Man hat bei Knol deutlich weniger Einschränkungen, was die zu publizierenden Inhalte angeht. Natürlich ist auch auf knol strafrechtlich Relevantes ausgeschlossen. Aber Werbung für Unternehmen und Dienstleistungen sind ausdrücklich erlaubt. In den Inhaltsrichtlinien heißt es u.a:

KOMMERZIELLE AKTIVITÄTEN: Sie können Knol-Artikel verwenden, um Artikel für Ihr Unternehmen zu erstellen oder in Artikeln für legale Produkte oder Dienstleistungen zu werben, die nicht anderweitig gegen unsere Inhaltsrichtlinien oder Nutzungsbedingungen verstoßen.

Zitatende

Es kommen dann zwar noch einige schon fast selbstverständliche Einschränkungen, aber im Wesentlichen gibt es hier eine Werbeerlaubnis. Während bei Wikipedia schon mit schon fast religiös anmutendem Eifer um die Relevanzkriterien gerungen wird (siehe u.a. auf der Nutzerseite des Wikipedianers Wikipediamaster), herrscht in diesem Punkt bei Knol weitgehende Freiheit.

Nach meiner ersten Einschätzung führt dies überwiegend zu deutlich schlechterer Qualität. Die Autoren unterwerfen sich zum großen Teil nicht der Qualitätssicherung der großen Nutzergemeinde, sondern schützen ihre Werke vor Veränderungen. Und damit verhindern sie etwas, was bei Wikipedia zu außerordentlicher Qualität führt. Es hat kaum noch jemand Lust, um Erlaubnis zu fragen, bevor man Änderungen durchführen darf. Es unterbleibt dann einfach. Ich werde jetzt hier nicht auf einzelen Autoren oder Artikeln herumhacken, aber man sieht sehr schnell, dass es ein großer Teil der Artikel bei Knol so nicht bei Wikipedia geben würde. Und das ist ausdrücklich nicht als Vorteil gemeint. Bei vergleichbaren Themen schneiden die Inhalte bei Knol meiner Meinung nach deutlich schlechter ab. Es gibt natürlich schillernde Ausnahmen. Die Inhalte von Mario Fischer beispielsweise sind von gewohnter Qualität.

Ich würde deswegen behaupten, dass der Wettbewerb hinsichtlich der Qualität für Informationssuchende aufgrund dieser mechanischen Unterschiede für immer zu Gunsten Wikipedia entschieden sein dürfte.

Ich komme deswegen zu dem Ergebnis, dass man Knol nicht so sehr als Wettbewerber, sondern eher als personenfokussierte Ergänzug zu Wikipedia sehen sollte. Und als solche spielt Knol einige Stärken aus. Manchmal interesiert einen ja tatsächlich explizit die Meinung eines bestimmten Autors oder Autorenteams zu einem Thema und da ist Knol wirklich stark.

Was einem als Autor sehr viel Freude macht, ist der Editor. Der ist einfach Top. Auch wenn es für Wikipedia mittlerweile  WYSIWYG Editoren gibt, die sind der reinste Murks gegen das was Knol zu bieten hat.

Knol bietet einem eine sehr komfortable Schutzzone, in der man zwar öffentlich, aber nicht gleich dem manchmal rauen  Wind der Wikipedia-Gemeinde ausgesetzt, Meinungen, Modelle und Theorien ausprobieren kann. Ich habe Knol mit einem Artikel zu Enterprise 2.0 ausprobiert. Bevor ich die doch sehr stark von den gängigen Definitionen abweichende Meinung in Wikipedia poste, kann ich hier erstmal in einem kleineren und von mir angestoßenen Kreis moderiert arbeiten. Das Ergebnis kann dann später immer noch bei Wikipedia in die Diskussion geworfen werden.

Fazit:

Knol ist für Autoren besser geeignet, sich selber darzustellen und sehr stark die Ergebnisse ihrer Arbeit zu kontrollieren. Für Informationssuchende ist Wikipedia meiner Meinung nach das deutlich bessere Werkzeug, es sei denn man interessiert sich explizit für die Arbeiten eines bestimmten Autors und nicht so sehr für abgesichertes Wissen. Ich war und bleibe ein Riesenfreund von Wikipedia, Knol hat mich aber auch begeistert und ich werde es gelegentlich weiter verwenden.

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