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Allgemein

Meine Eindrücke vom Tesla Model S

Ich beobachte schon seit einigen Jahren fasziniert den neuen amerikanischen Automobilhersteller Tesla. Das Unternehmen wurde von Elon Musk gegründet. Musk ist meiner Meinung nach ein noch bedeutenderer Unternehmer als Steve Jobs. Er wurde mit diversen Internet-Gründungen (u.a. paypal) reich und widmete sich dann weniger virtuellen Produkten, wie Autos, Solaranlagen und Raketen. Was ich besonders faszinierend finde, ist dass selbst sein Weltraumunternehmen Space X mit Auftragsflügen für die NASA mittlerweile schwarze Zahlen schreibt.

Im Jahr 2003 gründete er Tesla Motors. Dieses Unternehmen will das Autofahren mit Elektroautos revolutionieren. Tesla kam 2008 mit dem Tesla Roadster auf den Markt.

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Das war ein rein elektrisch angetriebener 2-Sitzer auf der Karosseriebasis vom Lotus Elise. Der Roadster erreicht eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,7 Sekunden und eine Reichweite von 400km (501 km maximal). Von dem Roadster wurden 2.500 Stück gebaut und er wird heute nicht mehr produziert.

Auch Tesla schreibt seit dem 1. Quartal 2013 schwarze Zahlen. Daimer hat sich mit ca. 10% an Tesla beteiligt. Das hat u.a. dazu geführt, dass man im Model S ein paar bekannte Bauteil von Mercedes wieder findet (Blinker, Tempomat, Fahrmoduswahlschalter, elektrische Spiegeleinstellung)

Seit ein paar Wochen ist in Deutschland das neue Model S für Probefahrten verfügbar und auch lieferbar. Ich durfte ihn letzte Woche in Hamburg  Probe fahren.

Der von mit getestete Wagen war ein Model S  Perfomance. Die Motorleistung beträgt  416 PS. Er sieht ein bisschen aus, wie ein Jaguar.

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Was mir auf Anhieb an dem Wagen nicht gefallen hat, war das Design des Interieurs. Das mir ein bisschen zu sehr amerikanisch geraten.

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Allerdings kann man das merkwürdige Furnier auch gegen Piano-Lack oder Carbon-Design tauschen und dann geht es wieder. Auf dem Bild sieht man aber auch, was mich auf Anhieb schwer begeistert hat. Das 17″ Touch-Display ist der Hammer. Es ist Mehrfinger-Gesten-fähig, macht ein brillantes Bild und ersetzt so gut wie alle Knöpfe im Auto. Da hat Tesla etwas hinbekommen, was ich so noch in keinem anderen Auto gesehen habe. Alle Funktionen sind selbst erklärend. Die Bedienung ist kinderleicht und sieht auch super aus. Das ist so viel besser als die Menü-Orgien bei deutschen Hersteller, wo man kompliziert Knöpfe drücken, Drehräder bedienen und irrsinnigen Menüstrukturen folgen muss.

Die Internetanbindung funktioniert tadellos. Navigiert wird mit Google Maps. Zusätzlich gibt es noch Offline-Kartenmaterial von der Festplatte, falls man mal keine Internetverbindung bekommt. Bei der Displaygröße kann man sich erstklassig orientieren. Das Display ist so groß, dass man beim Navigieren locker den Bildschirm splitten kann und hat trotzdem noch einen viel besseren Überblick als bei den mir bekannten Displays deutscher Hersteller. Auch die Anbindung von Smartphones funktioniert viel besser als in meinem Mercedes C-Coupé. Der Zugriff auf Kontaktdaten und Musik klappte einwandfrei. Weitere Funktionen hatte ich nicht ausprobiert. Der Klang der Musikanlage ist übrigens super. Auch hier wird meine Anlage im Mercedes klar geschlagen.

Der Internetbrowser ist das Beste, was ich je in einem Auto vorgefunden habe.

Auch der völlige Verzicht von mechanischen analogen Anzeigen im Fahrerdisplay finde ich sehr gelungen. Das Display ist sehr frei konfigurierbar. Auf den ersten Kilometern wurde ich von der Informationsmenge ein bisschen erschlagen. Man gewöhnt sich aber mit der Zeit daran.

Der Wagen erkennt seinen Fahrer bei Annäherung durch einen Transponder und fährt dann automatisch die Türgriffe aus und entriegelt die Schlösser. Man braucht sich dann nur noch reinsetzen, den Fahrmodushebel auf D legen und es kann los gehen.

Man kann den Wagen so konfigurieren, dass er beim lösen der Bremse, wie ein Benziner-Automatik leicht los rollt oder aber dass man Gas geben muss, bevor es losgeht. Ich hatte die erste Variante gewählt. Außerdem kann man einstellen, ob eine verschärfte Form der Motorbremse zur Energierückgewinnung greift, wenn man vom Gas geht oder er normal ausrollt, wie ein Benziner. Hier habe ich mich für die Energierückgewinnung entschieden.

Ich habe schon einige Autos gefahren, die viel Kraft hatten, dazu gehörten AMGs genauso, wie M3s oder Porsche. Das was ich beim Tesla S erlebt habe, als ich ein bisschen aufs Gas drückte, habe ich so noch nie erlebt. Die Kraftentfaltung ist atemberaubend. Von der ersten Umdrehung bringt der Motor das volle Drehmoment. Der S wiegt immerhin 2,1 t (davon entfallen allein 600kg auf den Akku). Trotzdem benötigt er nur 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Wenn man dann allerdings mal zügig bremsen muss, wird man negativ überrascht. Auch die Bremsen sind offensichtlich für den amerikanischen Kunden abgestimmt. Sie sind zwar nominal stark genug aber die Bremskraftlinie ist für meinen Geschmack deutlich zu weich. Das kenne ich noch vom Grand Cherookee, den ich vor mehreren Jahren gefahren bin. Da machte sich bei der ersten scharfen Bremsung erst mal ein leichtes Gefühl der Panik breit. Wenn man das berücksichtigt, bekommt man den S aber durchaus schnell genug zum Stehen. Man muss nur viel beherzter in die Bremse treten als man das von deutschen Autos gewöhnt ist.

Ich hatte erwartet, dass der S so gut wie lautlos fährt. Das ist nicht der Fall. Es ist im ab 50 km/h im Innenraum genauso laut, wie bei einem Benziner. Das liegt daran, der der Lärmanteil der Motoren bei Autos heute minimal ist. Der Großteil der Geräusche kommt durch die Reifen und durch den Fahrtwind. Diese beiden Komponenten sind beim Tesla natürlich auch voll vorhanden.

Der S ist bei 210 km/h abgeriegelt. Mir reicht das. Die Reichweite beträgt je nach Fahrweise 300-500 km. Es gibt vielfältigste Anzeigen zum Energiemanagement. Mit meiner Fahrweise bei der Probefahrt wäre ich 470 km gekommen. Die Straßenlage und erreichbaren Kurvengeschwindigkeiten sind ebenfalls ziemlich überzeugend. Das wird auch daran liegen, dass die Bodenplatte aus dem Akku besteht. Das sorgt für einen ziemlich tiefen Schwerpunkt.

Nach einer Stunde Probefahrt war ich begeistert von dem S. Die o.b. Nachteile werden von dem Fahrspaß und natürlich von dem Display und Muldimedia-Konzept weit überwogen. Es gibt 5 vollwertige Sitze und man kann im Kofferraum noch 2 zusätzliche Kindersitze platzieren. Zusätzlich hat man vorne noch einen Kofferraum.

Man kann den S auf viele unterschiedliche Arten laden. Mit normalen Haushaltsstrom (22V/3 A)  dauert die Ladung bis zu 48h. Wenn man allerdings Starkstrom nimm, geht das auch in 5h. Mit einem Tesla Super-Charger kann man in 30 Minuten 250 km Reichweite laden. Tesla plant die Aufstellung von Super-Chargern an den wichtigsten deutschen Autobahnen.

Tesla gibt auf den Akku 8 Jahre Garantie. Ein Tauschakku kostet ca. 16 TEUR.

Der S Perfomance, den ich gefahren habe, würde 96 TEUR Brutto kosten. Das ist erst einmal viel Geld. Ich kenne allerdings kein anders Auto mit der Leistung und Ausstattung, das billiger wäre.

Wenn man einen kleinen Motor (306 PS) und einen kleineren Akku (ca. 30% weniger Reichweite) nimmt geht es mit 71  TEUR los. Es besteht keine Verpflichtung Wartungen durchzuführen, um die Garantieansprüche auf das gesamte Auto zu erhalten.

Fazit:

Tesla hat mit dem Model S ein voll alltagstaugliches Elektro-Auto entwickelt. Vor allem Displays, Multimedia-Funktionen und Fahrleistungen begeistern. Ich habe bislang nichts entdeckt, was mich so verstört, dass ich den Wagen ablehnen würde. Ich bin ein bisschen in Sorge, dass die deutschen Hersteller den Anschluss verlieren. Es wundert mich, dass es noch kein deutscher Hersteller geschafft hat, ein Elektroauto zu diesem Preis mit dieser Reichweite zu entwickeln. Das gleiche gilt für Displays, Multimedia und Bedienkonzepte im Cockpit. Als ich nach der Probefahrt wieder in meinem Mercedes C-Coupé gestiegen bin, war das erstmal ziemlich frustrierend. Noch liegen die Deutschen bei den Assistenzsystemen vorne. Aber Tesla wird schon nächstes Jahr einen Tempomaten mit Abstandshaltung bringen und damit auch diese Lücken nach und nach schließen.

 

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