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Allgemein

Wir sind alle Isländer – Halldór Gudmundsson

Untertitel: Von Lust und Frust, in der Krise zu sein

Ich war bereits zwei Mal auf Island (2001 und 2004) und bin ein großer Fan dieser Insel. Die Landschaft ist einfach monumental und die Mentalität der Isländer hat mir auch sehr gefallen. Das sind im Prinzip Norddeutsche mit einer für usn merkwürdigen Sprache. Vor allem ist es im Sommer dort nicht zu warm.

Nächste Woche werde ich das dritte Mal Island besuchen und da kam mir dieses Buch zur Vorbereitung gerade recht. Ich hatte schon vor diesem Buch einiges zu der Krise auf Island gelesen, vor allem in der brandeins.

Es wird einem ziemlich mulmig bei der Lektüre. Es wird beschrieben, wie es zu der Krise kam und vor allem, was sie nun konkret für die Menschen auf Island bedeutet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in der Finanzkrise ist hier nicht eine einzelne Bank, sondern gleich das komplette Bankensystem kollabiert. Das betrifft dann eben nicht nur ein paar Spekulanten, sondern jeden in diesem Land. Die Arbeitslosigkeit ist genau so hoch geschnellt, wie der Kurs der isländischen Krone herunter gerauscht ist. Die privaten Ersparnisse sind flächig vernichtet, die Schulden durch eine in Island übliche Fremddevisenbindung förmlich explodiert. Die Ursachen für die Krise sind auf Island die gleichen, wie im Rest der Welt, hier sind sie auf Grund der geringen Größe der Volkswirtschaft nur viel ungebremster eingeschlagen.

Die Schilderung der Krise wird dadurch sehr viel fassbarer, weil sie auch anhand konkreter Lebenslaufbeispiele beschrieben wird. Dadurch verliert sich die Abstraktheit und schafft eine beklemmende Atmosphäre, obwohl die beschriebenen und interviewten Isländer kaum Selbstmitleid zeigen.

Mulmig wird einem auch deswegen, weil man ja nicht weiß, ob nicht Island nur ein Prototyp dessen ist, was auf die anderen westlichen Industrienationen noch wartet. Wenn das so wäre, kann es noch verdammt ungemütlich werden.

Bewertung: ****

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