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Die Netokraten. Die neue Leistungselite und das Leben nach dem Kapitalismus
Alexander Bard, Jan Söderqvist
Aufwachen, Brüder und Schwestern! Wir leben inmitten einer Revolution! Eine Revolution, die nichts mit „egalité“ oder „fraternité“ zu tun hat. Der Kapitalismus liegt in den letzten Zügen und wird bald von der neuen Informationsgesellschaft abgelöst. Wissen wird Macht, Macht besitzt nicht mehr der, der Macht über die Produktion hat. Die Produktion von Ideen verleiht von nun an Macht.
Der Kapitalismus stemmt sich noch einmal entgegen. Es scheint, als sei er ein letztes Mal auf Stimmenfang bei den Menschen. Deshalb wird der Stillstand zelebriert. Dank der Trägheit des Menschen. Die beiden schwedischen Wirtschaftswissenschaftler sprechen eine deutliche Sprache: Es mangelt uns nicht an technischen Möglichkeiten, es fehlt uns nicht an Wissen. Allein der konservative Geist, der lieber an Altbewährtem festhält, als die neue Chance beim Schopf zu packen, ist schuld an der momentanen Krise, von der alle Welt spricht. Diese Krise ist in Wirklichkeit ein Vakuum zwischen alten Wertvorstellungen und der Zukunft, die wir nicht zu füllen wissen. Wir hinken unserem exponential ansteigenden Wissen hinterher.
Nach Meinung der Autoren werden die Netokraten die neue herrschende Schicht in der Informationsgesellschaft bilden – neben einer Schicht der Verlierer. „Unübersehbar bildet sich nicht nur in Deutschland eine netokratische Elite heraus … im gleichen Tempo wächst aber auch das deutsche Konsumtariat … gefangen in staatlich bezuschussten Wohnungen fern der innerstädtischen Zentren, im betäubenden Milieu aus Junk Food, TV-Unterhaltung, Boulevardblättern und alltäglicher Straßengewalt, aber frei von jeder nennenswerten interaktiven Kommunikation mit der Außenwelt …“ Die Siegelbewahrer des alten Regimes werden zu den Verlieren der nächsten Jahre gehören, weil sie sich dem Wandel entziehen möchten. Sie hoffen immer noch auf die starke Hand des Staates, der sie von jeglicher Eigenverantwortung entbindet. Ganz im Gegensatz zu jungen Migranten, die an flexible Bewegung und Anpassung gewöhnt sind. Sie hören den Ruf nach kultureller Vielfalt und Kosmopolitismus.
Der Netokrat ist weltoffen, innovativ, nutzt neue Medien und Technologien, erkennt Trends früh und setzt selbst Impulse – und er ist anpassungsfähig. Er hat begriffen, dass Stillstand unweigerlich zum Tod führt und erkennt daher Veränderungen als etwas Positives an. Damit ist er dem Rest der Gesellschaft den entscheidenden Schritt voraus. Er wird zu den Gewinnern gehören. Er kontrolliert nicht nur seine eigenen Bedürfnisse, sondern auch die des Konsumtariats. In Schweden kam das Buch bereits im Jahr 2000 auf den Markt. Eigentlich kaum vorstellbar. Noch heute, Anfang 2006, ist es erfrischend neu und innovativ. Vieles daraus hat sich seither bewahrheitet und vieles wird noch für die nächsten Jahre Gültigkeit haben. Die Netokraten formuliert radikale Thesen und Ansätze. Absolut lesenswert. Emilia Cantello
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Billig. Wie die Lust am Discount Wirtschaft und Gesellschaft verändert
David Bosshart
Billig ist in, Geiz ist geil und wer zu viel bezahlt, ist blöd. Botschaften, die den Kunden von heute umhertreiben und Ausdruck sind eines "Discount-Phänomens", das als Vabanquespiel zwischen Lust und Frust unser Leben und unsere Gesellschaft verändert. David Bosshart gelingt es klar und nachvollziehbar, Hintergründe und Verflechtungen zu beleuchten, die diese Strömungen ermöglichen und forcieren. So stellt er beispielsweise die geringfügigen Möglichkeiten, politischen Einfluss auszuüben in Zusammenhang mit dem Kaufverhalten, kommt doch das Zücken des Portemonnaies oder der Kreditkarte einer Abstimmung in der Consumer-Democracy gleich direkt, unmittelbar und mit sofortiger Wirkung.
Doch wo Traditionen durch Trends ersetzt werden, wird Vielfalt mühsam und die Kundenkonfusion steigt. Mit der Kernfrage "Was ist was wert?" sind, so stellt der Autor klar, die meisten überfordert. Was liegt da näher, als auf das einfachste Unterscheidungskriterium zurückzugreifen, nämlich den Preis. Schließlich sind nicht nur Food und Fashion zu Dumpingpreisen inzwischen selbstverständlich, sondern auch Billig-Fliegen hat heute fast schon den Status eines Menschenrechtes. Dass die Billigwelle auch Bereiche wie Wissen oder Intimität mitreißt, wird in Kauf genommen, denn der Preis ist heiß! Noch schneller, besser, billiger ist der Leitspruch der Marktdemokratie.
Dabei legt Bosshart Wert darauf, dass billig nicht automatisch lausig schlecht bedeuten muss, sich gut und günstig nicht ausschließen müssen. Aber er betont auch, dass mehr denn je das Motto "Nur wer Geld hat, kann Zukunft horten!" im Mittelpunkt steht. Und wenn er von einer "Wal-Martisierung" der Gesellschaft spricht, leuchtet ein, wie kollektiv an einer Spirale gedreht wird, die die große Mehrheit nach unten drückt: "Wer ganz unten ist in der Lohnhierarchie, kann noch so schnell laufen, er wird nie auf ein respektables Auskommen kommen. Im Gegenteil: Er braucht die tiefen Preise, weil sein Lohn sinkt." Damit gelingt es Bosshart, den Billig-Hype als Ausdruck der Paradoxie einer sich globalisierenden Welt zu entlarven. Ein spannendes Thema, in Bossharts Buch durch solide Argumentation, Fallstudien und Hinweise auf weiterführende Literatur, Websites etc. gut aufbereitet. Petra Günzel
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