Alle Macht dem Neuen. Das Milliardenspiel der Software- Cowboys
Michael Lewis
Eigentlich hätte Michael Lewis ja ein Buch darüber schreiben sollen, wie Jim Clark, Gründer von Silicon Graphics und Netscape, das amerikanische Gesundheitssystem mit der Schaffung des "Healtheon"-Projektes, das den überwiegenden Teil aller Transaktionen dieses Sektors online bringen würde, auf den Kopf stellen wollte. Weshalb aber verbrachte Lewis dann so viel Zeit auf einer computerisierten Yacht voller technischer Finessen, die in den Worten eines Technikers nur gebaut wurde, "weil irgend jemand zu viele Star-Trek-Folgen gesehen haben muss?"< P> Alle Macht dem Neuen — das muss fairerweise gesagt werden — befasst sich tatsächlich überwiegend mit der Geschichte von Healtheon. Das Problem ist einfach, dass Jim Clark seine Projekte eben nicht so wie die meisten anderen Unternehmer durchführt. "Aus dem Geschäftsmann Jim Clark", so Lewis in seinem Buch, "war ein Ideenkünstler geworden". Nachdem Clark die grundlegende Idee für Healtheon entwickelt, das Startkapital beschafft und die Leute zur Durchführung seiner Idee engagiert hatte, konzentrierte er sich auf den Bau von Hyperion, einem Segelboot mit einem 60 Meter hohen Mast, dessen Funktionen von 25 SGI Workstations gesteuert werden (ein Boot, das Clark auf Wunsch von jedem beliebigen Punkt der Erde aus steuern könnte). Mit den Gedanken von Clark Schritt zu halten bedeutet eine gewaltige Herausforderung: "Anstatt eines Austauschs von Gedanken hatte ich das Gefühl bei einer Fahrt auf dem Rücken seines Lebens dabei zu sein", bemerkt Lewis an gegebener Stelle. Eine Fahrt jedoch, der der Autor mit frenetischer Energie und viel Humor begegnet.
Alle Macht dem Neuen zeigt, wie man bei der Suche nach Macht auf höchster Ebene an die Grenze des Surrealen gelangen kann: Als Clark ein Investitionsformular bei einer Schweizer Bank ausfüllen will, bei der er weniger als 0,05 Prozent seiner Vermögenswerte anlegen will, wird er nach seinem finanziellen Risikoverhalten gefragt. Vergebens sucht Clark ein Feld für "Personen, die versucht haben, aus 10 Millionen Dollar in ein paar Monaten 1 Milliarde zu machen" und sagt dem Bankangestellten schließlich: "Ich glaube, das hier ist das falsche Formular". Es gibt bereits viele Beschreibungen von Silicon-Valley-Unternehmen, die die Wirtschaft in den Neunzigern umgekrempelt haben — Alle Macht dem Neuen ist aber eines der ersten Bücher, das die Art von Mensch umfassend beschreibt, die solche Firmen ermöglicht haben. —Ron Hogan
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Business Think - Denken Sie um!
Dave Marcum, Steve Smith, Mahan Khalsa
Manchmal kostet eine einzige Fehlentscheidung Unternehmen die Marktführerschaft. Umso riskanter, dass viele Entscheidungen überhastet und schlecht durchdacht gefällt werden. Dave Marcum und seine Koautoren setzen in ihrem äußerst lesenswerten Buch auf Erfolg durch diszipliniertes und gründliches Denken. Ihr Versprechen: Kultiviert man BusinessThink im Unternehmen, optimiere das die Entscheidungsprozesse auf wundersame Weise und steigere so die Effektivität der Wissensarbeit.
Zum Glück sind ihre acht Denkregeln nicht so tayloristisch, wie die Einleitung befürchten lässt, sondern sehr sinnvoll: Als Erstes ist beispielsweise der Ego-Check fällig. Sucht man ständig Zustimmung und Anerkennung, stellt man gerne seine Brillanz zur Schau, zeigt man bei Kritik sofort defensives Verhalten? Alles schädlich, denn es hindert andere daran, einem ehrliches Feedback zu geben, Kritik wird abgeblockt. Als Nächstes gilt es, Neugier zu entwickeln, mehr Fragen zu stellen, und sich von Verallgemeinerungen zu verabschieden. Dann den Kopf wieder frei zu machen für Neues und im Unternehmen überholtes Wissen auszumisten.
Mit mildem Spott ziehen die Autoren ihre Lehren aus dem alltäglichen Wahnsinn, der vor allem in den großen Konzernen herrscht. Im Zeitalter von Geschwindigkeit und Beschleunigung raten sie zum "Ruhe bewahren, kürzer treten, Spaß haben". Sich die Zeit zu nehmen, die Auswirkungen einer Entscheidung zu überdenken oder zu entscheiden, ob das Problem, um das man sich kümmern soll, überhaupt einer Lösung bedarf. "Oft sind vermeindliche Lösungen nur durch Aktionismus verursachte Events oder die Lösung ist teurer als das Problem", spotten die Autoren. So manche Reorganisationen und so mancher Personalabbau stellte sich als glattes Eigentor heraus.
Wer BusinessThink folgt, der definiert erst einmal genau, worum es geht, damit alle das Gleiche meinen. Dann stellt er viele Fragen und sammelt Beweise, um nicht die eigene Gewissheit mit der Realität zu verwechseln oder die Symptome zu bekämpfen statt die Ursache. Hat er am Schluss einen knallharten Business-Fall, kann er vermutlich die Tipps der Autoren, wie man Entscheidungsprozesse im Unternehmen behutsam beeinflusst, gut gebrauchen. Denn wenn die firmenpolitische Ampel auf Gelb steht, dann bringt es auch mit den besten Argumenten nichts, aufs Gas zu treten. —Sylvia Englert
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Das ZukunftsRadar. Die wichtigsten Trends, Technologien und Themen für die Zukunft
Pero Micic
Für Pero Micic gibt es eine aktive und eine passive Sicht auf die Zukunft. Letztere ist dadurch gekennzeichnet, dass es irgendeinen Experten, Guru, Zukunftsforscher gibt, der sagen kann, wie die Zukunft wird oder eine Methode kennt, mit der sich dies bestimmen lässt. „In dieser passiven Sicht auf die Zukunft geht es um die Wahrscheinlichkeit dessen, was da vor uns liegt“, sagt Micic. Diese Zukunftsannahmen helfen uns, längerfristige Entscheidungen zu treffen.
Die aktive Sicht auf die Zukunft wiederum kümmert sich nicht um Vorhersagen, sondern um die Gestaltung der Zukunft, also kurz, wie man möchte, dass sie wird. Der wesentliche Zusammenhang dabei ist: „Je stärker die Zukunft vorhersagbar ist, desto weniger können wir etwas an ihr ändern, desto weniger können wir sie gestalten. Das aber will kaum jemand. Wir alle wollen unsere Zukunft gestalten, wollen sie besser machen können, als wir sie intuitiv erwarten. Je mehr sie dann aber gestaltbar ist - und in dieser sich schnell verändernden Welt ist eben immer mehr gestaltbar -, desto weniger kann sie vorhersagbar sein.“ Folglich müssen die Menschen froh sein, dass Zukunft nicht vorhersagbar ist, denn nur dann ist sie gestaltbar.
Für Micic spielt sich Zukunft deshalb in der Gegenwart ab. Sie ist immer schon da. Die meisten Erfindungen, die in Zukunft eine Rolle spielen werden, gibt es nämlich schon. Beispiel: Das erste Handy funktionierte bereits 1918. Nicht nur deshalb hebt sich sein Buch so wohltuend von vielen anderen seiner Zunft ab. Der Autor schwafelt nämlich nicht über irgendwelche technischen Zukünfte im dritten Jahrtausend, sondern beschäftigt sich mit dem Plastilin, mit dem wir die Zukunft kneten können. Wir, und nicht König Zufall oder höhere Mächte. Deshalb, so Micic, braucht man für die Zukunft auch die richtigen Kompetenzen - um unliebsamen Überraschungen vorzubeugen. Wir haben die Zukunft selbst in der Hand, so seine These.
Dieses Buch ist der Beweis, dass erstklassige Zukunftsforscher auch in diesem Land zu finden sind. Wir müssen nicht immer in die bisweilen kritiklosen, verharmlosenden, rosaroten Zukünfte der Amerikaner blicken. —Winfried Kretschmer
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Manager im Dialog. Coaching-Fälle aus der Praxis
Marc Minor
Lustig, wenn ein Buch über Coaching damit beginnt, dass "es kein Coaching-Buch sein will". Davon gibt es genügend, so der Autor. Es will nicht in die gleichen theoretischen Kerben schlagen, wie Coaching allgemein funktioniert, sondern praktische Lösungen für typische Probleme anbieten. Ein Praxisfallbuch also. Mit dem Ziel, "Rollenkompetenz und Selbstmanagementfähigkeiten des Gecoachten zu erhöhen". Für den Autor Marc Minor, einem Unternehmensberater und Managementtrainer, geht es in erster Linie darum, Ordnung in die verwirrende Vielfalt von Entscheidungen zu bringen. Also vor allem auch ein Orientierungsbuch. Gedacht ist es für Unternehmer, Manager und Mitarbeiter. Denn jeder steckt in einer Führungsbeziehung, ob oben oder unten in einer Hierarchie.
Der Aufbau des Buches ist klug gegliedert. Zunächst wird das jeweilige Ziel definiert, zum Beispiel "Ängste überwinden", "Druck ablassen" oder "Emotionen kontrollieren". Zu jedem Ziel werden dann einige Leitfragen formuliert. In ihnen steckt bereits der Kern der Antwort, wie etwa bei der Frage: "Wie kann ich freundlicher mit mir selbst umgehen." Daraufhin folgen die Einbettungen in die Realität, kurzum die knappe Darstellung der tatsächlichen Ausgangsposition eines Modellfalls. Highlights und die jeweiligen Ergebnisse werden unter der Rubrik "Ver-Dicht-ung" zusammengefasst. In der letzten Stufe, "Ver-Wert-ung" genannt, wird man mit gezielten Fragen zur persönlichen Auseinandersetzung angestiftet.
Behutsam zeigt Minor, dass Coaching ein höchst differenzierter und individueller Beratungsprozess ist und damit mehr ist als Psychogenquatsche oder Nachhilfe. Vor allem interessiert ihn die Gestaltung einer Führungsbeziehung zwischen Chef und Mitarbeiter — vertikales Coaching. Dass es zwischen Vorgesetzten und Geführten zu den schwerwiegendsten Missverständnissen kommen kann, müssende tausende jeden Tag im Arbeitsalltag feststellen. Dieses Buch gibt Einblicke in die Mechanismen dahinter, in Erwartungen, Vorurteile und Kritik und zeigt, wie man daraus eine professionelle, intakte Beziehung formt. —Peter Felixberger
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Die Kunst der Täuschung: Risikofaktor Mensch
Kevin D. Mitnick, William Simon
In Die Kunst der Täuschung dreht sich alles um die Möglichkeit, jemandes Vertrauen mit Lügen zu erschleichen, um dieses Vertrauen dann zum eigenen Spaß und Vorteil zu missbrauchen. Hacker beschönigen dieses Vorgehen mit der Bezeichnung "soziales hacken" und der wohl bekannteste Hacker, Kevin Mitnick, analysiert in seinem Buch diese Technik mit zahlreichen Beispielszenarien.
Schon die ersten Dutzend Beispiele eignen sich, Sicherheitsbeauftragten von Unternehmen jede Lebenslust zu nehmen. Oft behauptet und mit diesem Buch erneut bestätigt: Menschliches Verhalten und die Sicherheitsvorkehrungen widersprechen sich grundsätzlich. Unternehmen sind dazu da, ein Produkt oder einen Service anzubieten und sind dabei auf freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter angewiesen, um die Produkte oder Services an Frau und Mann zu bringen. Menschen sind sozial orientierte Tiere und brauchen Zuneigung und Anerkennung. Die menschliche Seite der Unternehmenssicherheit kontrollieren zu wollen, bedeutet, jemandem etwas vorzuenthalten. Das ist gleichbedeutend mit der versuchten Quadratur des Kreises.
Angesichts Mitnicks Ruf als Hacker-Guru ist bei einem Angriff der kleinste gemeinsame Nenner für Hacker, die sich der Sozialmanipulation bedienen, der Computer. Die meisten Szenarien in Die Kunst der Täuschung funktionieren ebenso bei computerfreien Organisationen und waren wahrscheinlich schon den Phöniziern bekannt. Die heutige Technik macht es jedoch schlichtweg einfacher. Telefonieren ist schneller als Briefe schreiben und große Organisationen sind gleichbedeutend mit vielen organisationsfremden Kontakten.
Viele der von Mitnick vorgeschlagenen Sicherheitstipps hören sich erst sinnvoll an, bis man darüber nachdenkt, wie man sie denn praktisch umsetzen kann. Denn dann fällt auf, dass wirkungsvollere Sicherheitsvorkehrungen gleichzeitig die Effizienz einer Organisation reduziert. Eine Gleichung, die in der konkurrenzbasierten Wirtschaft nicht aufgeht. Ganz abgesehen davon, dass niemand in einer Organisation arbeiten will, in der das oberste Gesetz "Traue niemandem" heißt. Mitnick zeigt auf, wie leicht Sicherheitsvorkehrungen durch Vertrauen aufs Spiel gesetzt werden. Ohne Vertrauen können Menschen jedoch nicht zusammenleben und -arbeiten. In der Realität müssen sich effektiv arbeitende Organisationen damit abfinden, dass absolute Sicherheit ein Mythos ist und nur bessere Versicherungen einen Ausweg aus dem Dilemma darstellen. —Steve Patient
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Beherrsche den Markt! Wie sie von jeder Marktsituation profitieren können
Michael Parness
Michael Parness versorgt seine Leser auf unterhaltsame Weise mit Neuheiten aus der Welt von Bulle und Bär. Das ist bemerkenswert, denn die meisten Autoren wiederholen gängige Analysemethoden oder andere Börsenweisheiten. Der Tenor ist ein Plauderton, der jedoch mit fundiertem theoretischen und praktischen Wissen gespickt ist. Der Autor ist passionierter Day-Trader, der online handelt und eigene Erfahrungen mitbringt.
Die Zielgruppe des Ratgebers sind nicht unbedingt Day-Trader, aber Online-Banker werden sich bei Parness aufgehoben fühlen. Der amerikanische Finanzjournalist bezieht sich in erster Linie auf den amerikanischen Markt. Die meisten seiner Tipps lassen sich jedoch mühelos auf die einheimischen Börsentrends anwenden. Sich selbst versteht er als Trend-Trader, der wiederkehrenden Mustern an der Börse folgt, um zu kaufen und zu verkaufen. Trends lassen sich zwar nicht verändern, dienen jedoch als Hilfestellung für einen potenziellen Gewinn.
Vieles an der Börse ist Psychologie. Aus diesem Grund gibt es viele, die sich mehr von ihren Emotionen, vom Stolz oder Eigensinn denn vom gesunden Menschenverstand leiten lassen. Die häufigsten Fehler listet Parness schonungslos aber verständnisvoll auf. Gier und Angst prägen oft das Bild. Massenpanik oder Massenhysterie bei einem Hype sind ebenfalls anzutreffen. Doch nur ein sachlich-fundiertes, überlegtes und distanziertes Verhalten führt letztendlich zum Erfolg. Ein Risiko besteht immer, aber es lässt sich minimieren.
Dazu bedarf es der kontinuierlichen Beschäftigung mit Aktien und Analysen. So mal eben nebenbei irgendwelche Titel zu erwerben, macht keinen Sinn. Der Autor betont mehrfach, dass die Börse keine Lotterie oder ein Glücksspiel ist. Und niemand jeden Tag Gewinne mitnimmt. Der Markt reagiert übrigens sensibel auf Quartalsberichte, personelle Veränderungen und andere Neuigkeiten. Wie die Börse tickt und was es mit der Zehn-Uhr-Regel auf sich hat, liest sich spannend und sehr unterhaltsam. —Corinna S. Heyn
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