gelesen: Little Brother – Cory Doctorow


Da habe ich durch Zufall ein Buch erwischt, welches wohl eine Standard-Lektüre für Mitglieder und Sympathisanten der Piratenpartei ist, oder noch werden dürfte.Doctorow ist ein kanadischer Blogger, der laut Forbes zu den 25 einflussreichsten Menschen im Internet zählt. Er ist außerdem Aktivist für die Liberalisierung des Urheberrechts, Datenschutz und gegen Digitale Rechteverwaltung.

Er hat meiner Meinung nach hiermit einen sehr bedeutenden und unglaublich lehrreichen Roman abgeliefert, welcher nicht nur Nachhilfe in technischen Fragen der Verschlüsselungs- und IT-Sicherheitstechnik liefert, sondern auch beeindruckend klar macht, was passieren kann, wenn der Staat im Kampf gegen den Terror glaubt, die Verfassung und die damit verbundenen Grund- und Menschenrechte außer Kraft setzen zu dürfen. Gnadenlos werden hier alle damit verbundenen Denkfehler der Sicherheitspolitiker im Rahmen einer äußerst fesselnden Erzählung aufgedeckt. Doctorow lässt so gut wie nichts aus der aktuellen Debatte aus. Foltermethoden, wie Waterboarding kommen genauso, wie Missbrauch von RFIDS oder sonstigen Missbräuchen privater Daten vor.

Nebenbei lernt man noch eine Menge darüber, wie man sich bereits heute vor zu intensiver Schnüffelei des Staates schützen kann. Ich hatte vorher noch nichts über TOR (The Onion Router) gehört und kaum habe ich in dem Buch davon gelesen, kam heute gleich mal was zu dem Thema bei netzpolitik.org. Man kann diese Technik bereits heute für mehr Anonymität beim Surfen im Internet nutzen.

Die Geschichte: Ein 17-jähriger Hacker gerät bei einem hybriden Online/Offline-Spiel in die Nähe eines Attentats in San Franzisko, das ähnliche Ausmaße wie 9/11 hat. Er wird zufällig festgenommen und auf eine Insel in der Bucht von San Franzisko mit Foltermethoden verhört. Als er endlich wieder freikommt, gründet er eine Widerstandsbewegung, welche sich hauptsächlich im Netz organisiert. Er wird damit zur meistgesuchten Person der USA. Wenn er erwischt wird, muss er damit rechnen, in ein geheimes Folter- und Internierungslager außerhalb der USA verschleppt zu werden.

Die Überhöhungen sind so minimal, dass einem beim Lesen immer wieder das Entsetzen packt, wie nah man in den USA aber auch in Deutschland bereits an den beschriebenen Zuständen ist.

Die Piratenparteil spielt in der Geschichte übrigens eine beachtliche Nebenrolle.

Bewertung: *****

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gelesen: Superfreakonomics – Levitt, Dubner


4 Jahre nach dem Knaller Freakonomics kommt nun der Nachfolger vom gleichen Autorenteam. Die Financial Times behauptet es wäre ganz ähnlich nur besser als sein Vorgänger geraten. Das kann ich so nicht bestätigen. Es ist ein würdiger Nachfolger und es ist genauso gut, wie sein Vorgänger und allein das ist eine beachtliche Leistung.

Es geht dieses Mal wieder überwigend um Mikroökonomie. Der Untertitel “Nichts ist so wie es scheint” zieht sich als Programm durch das ganze Buch. Bei der Untersuchung des Wirtschaftszweige Prostitition, Kindersitze und der Selbstmordattentäter kommen die beiden immer wieder zu sehr überraschenden Erkenntnissen.

Wie schon im ersten Buch wird auch hier wieder ein Klassiker der Literatur auseinandergenommen. Dieses Mal erwischt es den Klassiker des Mordes an Kitty Genovese, wo angeblich 38 Leute tatenlos zugesehen haben. Nicht nur, dass sie nicht eingeschritten sind, sie haben nicht einmal per Telefon die Polizei oder Rettungssanitäter gerufen. Dieser Fall erschütterte 1964 die gesamte Welt und fehlt seitdem in keinem Buch über Verhaltensforschung und Altruismus. Allein ich besitze 5 Bücher, in dem der Fall beschrieben wurde.

Der Fall wird hier neu aufgerollt und er stellt sich plötzlich völlig anders und auch leichter erklärbar dar. Ich verrate hier nicht die Auflösung, es ist zu spannend zu lesen.

Am meisten aufgewühlt hat mich das Kapitel über die “Klimakatastrophe”. Hier werden nicht nur alle Zweifel noch mal diskutiert, die man an der aktuellen Darstellung einer möglichen Klimaerwärmung haben kann. Was ich bislang nicht wusste, ist dass es schon seit längerem ein einfaches ungefährliches Mittel gibt, eine gefährlich werdende Klimaerwärmung wirksam zu verlangsamen, zu stoppen und sogar umzukehren. Nathan Myhrvold hat mit seinen bei Microsoft verdienten Milliarden ein Unternehmen geründet, welches ein Patent auf dieses Verfahren besitzt. Man weiß sicher, dass nach heftigen Vulkansausbrüchen Schwefeldioxid bis in die Stratosphäre geschleudert wird und dort zu einer signifikanten Abkühlung der Atmosphäre führt. Man braucht also nur gesteuert Schwefeldioxid in die Atmosphäre zu pumpen und die Erwärmung wäre beendet. Die Technologien dafür gibt es und das ganze Projekt würde weniger als 250 Mio USD kosten. Das sind ungefähr 50 Mio. USD weniger als Al Gore ausgibt, um die Menschheit in Angst und Schrecken wegen der “Klimakatastrophe” zu versetzen. Schwefeldioxid baut sich innerhalb weniger Monate wieder ab. Wir haben es also mit einem steuerbaren und reversiblen Effekt zu tun.

Ich hatte vor der Lektüre des Buches noch nie etwas davon gehört. Ich werde das Thema jedenfalls weiter verfolgen und recherchieren. Wenn das stimmt, was hier beschrieben wird, frage ich mich, warum man noch nicht häufiger davon gehört und gelesen hat.

Allein wegen dieses Kapitels bekommt das Buch von mir *****

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gelesen: Investment Punk – Gerald Hörhan


Wenn es einen klaren Retro Trend dieses Jahr gibt, dann ist es der Punk. Musikalisch erfährt er in einer modernisierten Form eine grandiose Rückkehr, wie man dieses Jahr auch auf dem Hurricane Festival klar sehen und hören konnte. Es gibt eine neue Wirtschaftszeitung mit dem schönen Namen Business Punk. Und nun gibt es auch noch ein Buch mit dem Titel “Investment Punk”. Mir als echtem alten Punkrockveteran (der Beweis ist hier) geht diese Einvernahme natürlich deutlich zu weit- Widerstehen konnte ich dem Buchtitel dann aber doch nicht.

Der Bezug zum Punk ist schon sehr konstruiert und bemüht. Eigentlich geht es um etwas anderes: Ein erfolgreicher Investor verhöhnt die Mittelschicht und beschreibt genüßlich ihr baldiges Ende und ihre vermeintlich kranken Lebensentwürfe.  Der Autor ist einem auf Anhieb unsympathisch mit seiner belehrenden Überheblichkeit.

Das ändert aber nichts daran, dass das meiste, was er dort in der Sache beschreibt richtig ist. Vielen Lesern dürfte das Buch erhebliches Unbehagen bereiten. Zu deutlich bekommen sie in vielen Dingen einen sehr unschönes Spiegelbild vorgehalten: Wie sie von ihren Arbeitgebern und  ihren Banken abgezockt werden. Wie sehr Konsumzwänge Freiheit nehmen und einen in eine Falle nach der anderen tappen lässt.

Hier wird auf unangenehme aber für viele sicher sehr lehrreiche Weise erklärt, wie man richtig investiert, nach welchen Prinzipien sich Vermögen aufbauen lässt und vor allem, wie es todsicher nicht funktioniert.

So banal das Meiste ist, so fürchte ich, so neu dürfte es für viele sein.

Bewertung ***

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gelesen: Milliardär per Zufall, Die Gründung von Facebook – Ben Mezrich


Facebook ist eine der spektakulärsten Gründungen des ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhundert. Noch nie ist ein Unternehmenswert so schnell gewachsen wie bei Facebook. 12 Monate nach Gründung war das Unternehmen nach Ansicht von Investoren bereits über 100 Mio. Dollar wert, nach wenigen weiteren Monaten bereits über eine Milliarde bevor die Bewertung 2007 weniger als 4 Jahre nach Gründung auf den bisherigen Höhepunkt von 13 Mrd. Dollar gestiegen ist. Auch wenn die Bewertung mittlerweile wieder auf 4-7 Mrd Dollar gesunken ist, bleibt es einfach der Wahnsinn. In 2010 wird Facebook das erste Mal schwarze Zahlen schreiben und über 500 Mio. registrierte Nutzer.

In diesem Buch wird die Gründungsgeschichte beschrieben. 2 echte Hardcore Nerds, welche alle Vorurteile bestätigen gründen in einem Havard Studentenwohnheim Facebook, um endlich an Frauen heranzukommen. Der eigentlich Kopf war von Anfang an Mark Zuckerberg. Er schrieb die Software, hatte die wesentlichen Ideen, die Facebook aus dem schon damals existierenden Meer der Social Networks herausragen ließ.

Das Buch ist sehr unterhaltsam, der Untertitel: “Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft, und Betrug” beschreibt ganz gut, was einen erwartet. Es hebt sich damit sehr wohltuend von den anderen Bücher dieses Metiers heraus, die versuchen, Lehren aus der Geschichte von Facebook zu ziehen. Man lernt dort nicht, was man tun muss, um selber so etwas wie Facebook zu erfinden und erfolgreich werden zu lassen.

Es ist einfach hervorragend gemachte Wirtschaftsunterhaltung.

Bewertung: ****

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Hurricane 2010


Musikalisch betrachtet fand ich das 2010er Hurricane deutlich besser als 2009 und das war schon nicht schlecht. Nach Veranstalterangaben waren dieses Jahr ca. 10.000 Besucher mehr da als 2009. Es fühlte sich allerdings an, als wären es mehr als doppelt so viele Besucher gewesen.

Das Festival war eindeutig überbesucht und das hat den Spaß stellenweise ganz schön geschmälert. Die Toiletten waren ab der Mitte des 2. Tages zur Hälfte nicht mehr zu gebrauchen. Während man 2009 ganz entspannt von einem Auftritt zum nächsten gehen konnte, war dies dieses Mal nicht möglich. Selbst wenn man teilweise eine halbe Stunde vor Beginn da war, konnte man nicht sicher sein, dass man beispielsweise noch ins Zelt kam. Das hat dann auch zu erheblichen Sicherheitsproblemen geführt. Bei Bonaparte war vor dem Zelt so viel Randale durch Besucher, die nicht mehr hereingekommen sind, das fast abgebrochen werden musste. Im weißen Zelt wurden nach dem Auftritt von Frittenbude alle weiteren Konzerte des Samstags gleich abgesagt, weil es zu gefährlich wurde. Auch bei den großen Bühnen im freien kam man ohne Gefahr bei einigen Bands nicht mehr wirklich in Hörweite.

Vom Wetter her gab es keine Hitzeprobleme. Es blieb bis auf 2-3 kurze Schauer die ganze Zeit trocken, es war aber bei starkem Wind mit 10-15 Grad ganz schön kalt.

Ich habe dieses Mal wieder ein paar Bands gesehen, die ich vorher noch nicht kannte und die eine echte Bereicherung meines Portfolios geworden sind.

Diese Konzerte habe ich gesehen:

Jennifer Rostock
Sie klang wie “Ideal” während der Neuen Deutschen Welle. Das war musikalisch gar nicht schlecht aber es fiel schwer sich bei ihr auf die Musik zu konzentrieren. Sie hatte an dem Tag den Preis für das furchtbarste Outfit sicher in der Tasche und man konnte trotzdem wie bei einem Verkehrsunfall nicht wegschauen. Man hörte Kommentare wie: Sieht aus wie eine englische Prostituierte und irgendwie war das eine treffende Beschreibung.

Paramore
Bewährt und gut. Starke Sängerin.

Kashmir
Eine Neuentdeckung für mich und der erste wirklich starke Auftritt des Tages.

The Temper Trap
Kannte ich auch noch nicht. Die Jungs aus Australien hatten dort 2009 ihr erstes starkes Jahr und man wird sicher auch in Deutschland noch eine Menge von ihnen hören.

Danko Jones
Grundsolides Handwerk aber wenig aufregend, gute Aufwärmübung für:

Beatsteaks
Die Meister der Livemusik. Keine andere Band hat an dem Tag das Publikum gleich von Anfang an so im Griff gehabt wie sie. Perfekter Sound, perfekte Show, die 90 Minuten vergingen wie im Fluge. Wenn man die mal live gesehen hat, ist man für die Alben verloren. Der Unterschied in der Energie ist einfach zu heftig. Der Auftritt war so gut, dass sich am nächsten Tag Billy Talent zu einer schon fast peinlichen Huldigung genötigt sah.

Florence& the Machine
Vertreterin einer relativ neuen Musikgattung aus England zu der auch Bat for Lashes gehört. elektroniklastig mit Anleihen aus den 80ern mit schönen Melodien.

Coheed & Cambria
Ich fand sie dieses Mal ein bisschen müde und farblos. Ganz im Gegensatz zu:

Deftones
Mannomann, haben die einen Druck gemacht. Die haben das Publikum so in Wallung gebracht, dass hier die erste Sicherheitsunterbrechung fällig wurde, um Tote und Verletzte zu vermeiden. Der Sänger war sichtlich geschockt von der Randale im Publikum. Trotzdem hat er nach der Unterbrechung nicht die Handbremse gezogen.

Skunk Anansie
Was für eine Stimme. Auch nach 15 Jahren immer noch in Topform. An dem Tag hat sie zwar das mit Abstand hässlichste Outfit geboten, das hat der Show aber dann doch nicht geschadet.

Porcupine Tree
Die beste Neuentdeckung für mich beim diesjährigen Hurricane. Die Musik ist schwer einzuordnen. Irgendwo zwischen Pink Floyd und Metallica. Der Sound hat überzeugt. Es waren sehr schöne melodische Lieder kombiniert mit Druck dabei. Ich habe mir sofort danach das aktuelle Album besorgt.

Bonaparte
Der Wahnsinn in Musik und Show gepackt. Bei Wikipedia wird das ganze als Visual Trash Punk bezeichnet. So ganz passt das nicht, aber mir fällt dazu auch nichts Passenderes ein. Von der ersten Sekunde an kochte das Zelt und hier wurde dann die zweite Sicherheitsunterbrechung fällig. Wer das noch nicht gesehen hat, kann sich nur schwer vorstellen, wie bizarr die Show ist. 4 Musiker und 6 Komparsen (oder Ausdruckstänzer) turnen in den absurdesten Verkleidungen auf der Bühne herum und hauen mit punkähnlicher Musik voll rein. Muss man einfach mal gesehen haben.

Billy Talent
Eine der wenigen Gruppen, deren Alben mir besser gefallen haben als dieser Liveauftritt. Das war alles ein bisschen zu bemüht und glatt. Vor allem die Schleimerei des Sängers ist mir gehörig auf den Keks gegangen. Technisch und vom Sound her perfekt. Mich hat diese Band hier als Fan verloren.

Massive Attack
Großes Kino, der beste Sound des Tages und alle Klassiker wurden gespielt. Einfach gut.

Dendemann
Nachdem Dendemann letztes Jahr hier den Auftritt richtig vergeigt hat, wollte er dieses Jahr zeigen, dass er es doch drauf hat. Erstaunlich fand ich, dass man ihn nach dieser Pleite in 2009 auf die große Bühne gelassen hat. Der Mann ist lernfähig. Er hat den längsten und gründlichsten Soundcheck des Tages hingelegt. Er kam mit einer vollständigen Band. Alle Bandmitglieder, Dendemann eingeschlossen, hatten schon ein sehr merkwürdiges Bühnenoutfit, wo man nicht so recht erkennen konnte, ob das ironisch gemeint war. Fakt ist, so schlimm sahen in den 80ern nicht mal Mofafahrer aus. Ich weiß nicht wo man heute solche Klamotten bekommen kann. Dazu passend die schlimmsten Verliererfrisuren, die man sich vorstellen kann. Mittelscheitel und Popelbremse!

Musikalisch war es dieses Mal erste Sahne und er hat das Publikum sofort voll im Griff gehabt. Dendemann ist zumindest musikalisch rehabilitiert. Optisch ist da nichts mehr zu retten. Ich schätze, die mussten schon sehr auf ihre Künstlerpässe hinweisen, um überhaupt auf die Bühne zu kommen.

Turbostaat
Mein persönlicher Höhepunkt des Festivals. Ich fand die Jungs schon vorher gut und vor allem die letzen Alben „Vormann Leiss“ und „Das Island Manöver“ laufen bei mir jede Woche mindestens einmal . Hier haben wir es mit einer sehr modernen Punkvariante zu tun, die musikalisch deutlich komplexer und präziser ist, als das was man sonst so aus dem Genre geboten bekommt. Der Sänger sieht aus wie Jogi Löw, benimmt sich glücklicherweise aber nicht so. Einer der Gitarristen steht so übel ab, dass man ihm lieber nicht alleine Nachts begegnen möchte und hat einen ganz klassischen Ramones Körperbau. Das sieht man auch nicht mehr oft.

Vollalarm ab der ersten Sekunde und das Publikum kannte erstaunlicherweise alle Texte und ging sofort mit. Die Jungs sind also definitiv ein nicht mehr so elitärer Geheimtipp, wie ich dachte. Auch der Sänger war sichtlich überrascht über die Textsicherheit der Zuschauer und wirkte immer wieder so, als wenn er es gar nicht fassen konnte, dass so viele Menschen sie so gut finden.

Was ich bemerkenswert fand, war mit welcher unglaublichen Geschwindigkeit das ganze Konzert über die Gitarren bearbeitet wurden. Ich hätte auch in meinen besten Tagen das Tempo keine zwei Lieder gehalten, dann wäre mit der rechte Arm abgefallen. Da wurde nicht nach Metallica Art mit Minimalhub aus dem Handgelenk gearbeitet, sondern die Anschläge kamen aus dem ganzen Unterarm mit großer Amplitude. Das war schon körperlich beeindruckend. Was noch erstaunlicher war: Das ganze erzeugte nicht den punktypischen Lärmbrei, sonder war so präzise auf den Punkt gespielt, dass alles schön klanglich ausdifferenziert blieb. Das war einfach großartig.

Deichkind
Die Jungs waren der Headliner am Sonntag und es war klar, dass hier die Steppe toben würde. Wir wurden nicht enttäuscht, alle Deichkinder waren in großer Form, obwohl sie ganz schön rundlich geworden sind. Selbst Ferris MC sah zwar fertig wie immer aus, zeigte aber keine Konditionsschwächen. Die Show und die Kostüme waren bizarr wie immer und sie haben kein Lied ausgelassen, das ich gerne gehört hätte. Es ging gleich mit „Arbeit nervt“ los. Gefreut hat mich, dass sie auch aus der vorbizarren Ära noch „Bon Voyage“ gespielt haben. Traditionell kam als letztes „Remmi Demmi“ und damit war die Stimmung auch treffend beschrieben.

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gelesen: Die Fahndung nach dem Ich – Georg Northoff


Neurophilosophie ist ein relativ neues Forschungsgebiet, welches versucht, die philosophischen Konzepte mit den neuesten neurobiologischen Erkenntnisse der Hirnforschung in Einklang zu bringen.

Der Autor ist ein renommierter Wissenschaftler mit einem eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl für Geist, Gehirn und Neuroethik an der Universität in Ottawa. Dieses ist sein erstes populärwissenschaftliches Buch und es ist ihm meiner Meinung nach nicht vollständig gelungen. Er bettet diese doch sehr anspruchsvolle Materie in ein völlig misslungenes Krimikonstrukt, welches immer wieder sehr bemüht wirkt und dem Buch wirklich kein Stück weiter hilft. Glücklicherweise macht der “Krimiteil” max 5% des Buches aus, der Rest ist dann ein eher normales Sachbuch.

Northoff fordert seinen Lesern deutlich mehr Konzentration und Aufmerksamkeit ab, als seine amerikanischen Kollegen. Das Buch ist streckenweise sehr anstrengend.

Letztlich finde ich das allerdings Buch sehr gelungen. Es führt einen durch den Stand der aktuellen Forschung zum Thema Gehirn und Bewusstsein und macht eine Tour durch die für diesen Forschungsgegenstand relevanten Wissenschaftsgebiete wie: Neuro-Pychologie, Immunologie, Psychoanalyse, Psychiatrie, Kognitionspsychologie, Kulturanthropologie u.a.

Für mich war das Buch eine Vertiefung des Stoffes aus “Wer bin ich und wenn ja, wie viele” von Precht und hat sich deswegen für mich gelohnt.

Bewertung:***

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gelesen: Shakespeare, wie ich ihn sehe – Bill Bryson


Mir hatte bereits “Eine kurze Geschichte von fast allem” von Bryson sehr gut gefallen. Bryson ist ein genialer Sachbuchautor, der auch sehr trockene Inhalte unterhaltsam und lehrreich beschreiben kann.

Shakespeare hat mich im Laufe der Jahre immer mal wieder fasziniert. Es gibt einige sehr gute Verfilmungen seiner Stoffe, die ich teilweise mehrfach gesehen habe. Vor allem die heftig umstrittene Verfilmung von “Romeo und Julia” mit Leonardo di Caprio hatte es mir angetan.

Ich hatte immer mal wieder am Rande mitbekommen, dass es eine Diskussion darüber gibt, ob es William Shakespeare wirklich gegeben hat. Da trifft es sich gut, dass einer meiner Lieblingsautoren sich dieses Themas angenommen hat.

Ich finde das Buch richtig gut. Man wird auf den aktuellen Stand der Shakespeare Forschung gebracht. Es ist erstaunlich, wie wenig man über diesen Schauspieler und Schriftsteller weiß, dessen Werke bis heute eine so herausragende Rolle spielen. Es gibt kein einziges sicheres Portrait von ihm, man kennt nicht seinen genauen Geburtstag. Ausgerechnet über seine kreativste Schaffensperiode weiß man weder, wo er war, was er ansonsten so getrieben hat. Trotzdem ist heute sicherer wissenschaftlicher Stand, dass es ihn gegeben hat und dass er sicher der Autor der ihm zugerechneten Werke ist.

Bryson zeichnet nebenbei ein sehr plakatives Bild der Elisabethanischen englischen Epoche und des Londoner Lebens zu dieser Zeit.

So kann auch humanistische Bildung Spaß machen.

Bewertung: ****

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gelesen: Der dunkle Wächter – Carlos Ruiz Zafón


Da bin ich mal reingefallen. Ich dachte, es handelt sich bei diesem Buch um das neueste Werk von Zafón, dessen Bücher Spiel des Engels und Schatten des Windes ich richtig gut fand. Sollte es einen Hinweis auf dem Buch gegeben haben, dass es sich um eine Zweitvermarktung eines Frühwerkes des Autors handelt, welches sich eher in der Kategorie naives Jugendbuch einsortieren lässt, habe ich ihn jedenfalls übersehen.

Dieses Buch kommt nicht mal ansatzweise an seine späteren Werke heran. Auch das gerade erschienene Buch von Zafón “Fürst des Nebels” ist ein Frühwerk und kein aktueller Titel von ihm. Ich warte dann jetzt mal lieber auf einen echten neuen Zafón.

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gelesen: Schrecklich amüsant- aber in Zukunft ohne mich; David Foster Wallace


Ich bin durch Felix Schwenzel in wirres.net auf das Buch aufmerksam geworden. Ich hatte letztes Jahr  “Unendlicher Spaß” von David Foster Wallace angefangen und musste nach 1.300 von 1.800 Seiten kapitulieren. So viel genialen Wahnsinn habe ich dann letztlich doch nicht ertragen. Ich kenne viele, die das Buch ebenfalls angefangen haben, ich habe aber noch niemanden getroffen, der es bis zum Ende geschafft hat. Vielleicht kann sich ja hier mal jemand melden, der hart genug gegen sich selber war und hier beschreiben, wie der Schluss des Buches so war und was es aus ihm gemacht hat.

Felix Schwenzels Beschreibung klang sehr danach, dass dieses Buch hier deutlich lesbarer sein soll und so bin ich wieder mal der Versuchung für diesen Autor erlegen.

Es handelt sich um eines der Frühwerke von Foster Wallace, wo sein Wahnsinn noch nicht so weit fortgeschritten war, der ihn letztlich in den Selbstmord trieb. Die Handlung ist sehr einfach. Foster-Wallace macht als Reisejournalist eine Fahrt auf einem Kreuzschiff in der Karibik und schreibt darüber.

Mein Vorstandskollege Andreas Wenniger hat direkt nach der Schule eine Zeit lang auf so einem Schiff gearbeitet, so dass mich aufgrund seiner Erzählungen nicht mehr vieles überraschen konnte, was in dem Buch beschrieben wird.

Foster Wallace hat eine schon fast übersteigerte Wahrnehmungsfähigkeit für menschliche Eigenarten und Schwächen, die er gekonnt niederschreibt. Er macht die Absurdität dieser Tourismusart sehr greifbar und schildert die unmöglichen Arbeitsbedingungen des Personals auf Kreuzfahrten. Dies geschieht allerdings auf eine eher subtile Art.

Mir hat dieses Buch sehr viel Spaß gemacht und ich habe mir mal gleich zwei weitere Bücher von Foster Wallace besorgt.

Bewertung ****

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gelesen: Feindesland – Oliver Uschmann


Dieses Buch hat es mir beim Lesen nicht leicht gemacht. Einerseits habe ich es ausdrücklich als leichte Urlaubslektüre gekauft, andererseits verflacht es doch an einigen Stellen so sehr, dass man unangenehm an die Seichtigkeit der Werke Tommy Jauds (u.a. Resturlaub, Vollidiot, Millionär) erinnert wird.

Eigentlich ist es eine sehr düstere Vision, die allerdings durch den speziellen Humor von Uschmann eine sehr eigenartige Stimmung erzeugt, die erst zum Schluss richtig ins Finstere abrutscht. Ich werde hier den Schluss nicht verraten. Mich jedenfalls hat er sehr überrascht.

Es geht um eine Mischung aus heute bereits realem Berlin und einer nur kurz in die Zukunft gesprungenen Fiktion. 4 akademisch geprägte Lebenskünstler kommen ziemlich pleite in Berlin an und versuchen Arbeit zu finden. Die aktuelle Regierung ist plötzlich schnell im Inkraftsetzen von erstmal völlig absurd klingenden Gesetzen geworden. Man versucht Nachhaltigeit, gesunde Lebensweise, Moral und Antidiskriminierung endlich in den Griff zu bekommen und greift nicht nur per Gesetz, sondern gleich mit Ausweitung der Exekutive durch. Wenn man genau hinsieht, merkt man allerdings, dass diese fiktiven Gesetze nur eine klitzekleine Steigerung des heute bereits bestehenden Rechts darstellen. Ich habe mich schon länger über die Qualität der aktuellen Gesetzgebeung geärgert. Hier wird dieser Wahnsinn der Show-Gesetzgebung literarisch verarbeitet.

Während man in diesem teilfiktivem Berlin einerseits massiv um die o.g. hehren Werte kümmert, ist man weiter tatenlos gegenüber der Abdankung des Rechtsstaates in ganzen Statdtteilen, die von mafiösen Organisation regiert werden und von allen Einwohnern Schutzgeld erpressen.

Es entsteht u.a. ein neuer Wirtschaftszweig von Agenturen, welche den auflagengeschüttelten Unternehmen die nun geforderten Quotenmarxisten, Homosexuellen und einarmige Mitarbeiter vermitteln. Wer die aktuellen Erweiterungsgesetze zum Antidiskriminierungsgesetz und die damit verbundene Diskussion in den Unternehmen vor allem zum Thema Pflichtdiversität mitverfolgt, bekommt spätestens beim Lesen dieses Buches eine Gänsehaut.

Die Unlust Mitarbeitern anständige Gehälter zu zahlen bekommt ebenso ihr Fett weg, wie Werbeagenturen u.v.m.
Es gibt auch eine schöne Beschreibung der Berliner Bloggerszene, in welcher Sascha Lobo beschrieben wird, ohne seinen Namen zu nennen. Er ist trotzdem gut erkennbar. Ohne diese Szene genau zu kennen, kann ich mir vorstellen, dass die Beschreibung einige Treffer enthält.

Letztlich ist das Buch eine Beschreibung einer dümmlichen faschistoiden Gutmenschendiktatur und zeigt die Folgen auf, wenn Demokratie auf versagende Bildungssysteme trifft.

Insgesamt finde ich das Buch ziemlich lesenswert.

Bewertung: ****

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Vom Fußgänger zum Piloten in 100 Tagen – Spannendes Projekt von Alex Kahl


Einer meiner ehemaligen Kollegen bei SYNAXON hat sich letztes Jahr selbständig gemacht. Er hat nun ein spannendes Projekt gestartet, bei dem ich ein bisschen mitmachen durfte.

Alex will innerhalb von 100 Tagen vom Fußgänger zum Piloten werden. Wenn ich bedenke, dass ich bis zum Erwerb meiner ersten Pilotenlizenz mehr als 1 Jahr gebaucht habe, ist das ambitionierter Zeitplan. Er ist aber trotzdem realistisch, weil er den Schein einerseits nicht in Deutschland macht und sich deswegen eine ganze Menge theoretischen Ballast erspart. Und er wird die Ausbildung Vollzeit absolvieren und nicht nur nebenbei, wenn mal gerade Zeit ist.

Und wenn man schon eine amerikanische Lizenz erwirbt, warum dann nicht gleich vor der traumhaften Kulisse Alaskas?

Die Lizenz soll so erworben werden, dass er danach gleich einen fliegerischen Höhepunkte absolvieren kann, von dem viele Piloten nur träumen können: Er wird von Alaska zum Oshkosh Airventure in Wisconsin fliegen. Das ist die Fliegermesse überhaupt. Wenn er nicht einen altgedienten Cargo Piloten dabei hätte, wäre das für einen Anfänger allerdings Wahnsinn. Allein der Gedanke an den Anflug auf diese Veranstaltung lässt auch erfahrene Piloten kribbelig werden.

Das Ganze Projekt wird von Alex per Blog begleitet und später soll daraus ein Buch und eine Vortragsreihe werden.

Den ersten wichtigen Meilensteinstein hat er zu meiner Überraschung gemeistert. Er hat trotz seiner Glasbausteine im Gesicht tatsächlich das Medical bekommen.

Ich hoffe jedenfalls, dass auch der Rest noch klappt und werde sicher einen seiner Vorträge besuchen. Als Teil seiner Vorbereitung hat er Pilotengesprräche geführt und eins davon war mit mir.

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Buchrezension: Limit – Frank Schätzing


Die Rezensionen, die ich mir über das aktuelle Buch von Frank Schätzing vor dem Kauf durchgelesen habe, fielen sehr gemischt aus. Einigen war das Buch zu langatmig. Vor allem die ausführlichen Beschreibungen der naturwissenschaftlichen Grundlagen seien zu lang ausgefallen. Gerade das hatte mich gereizt und so habe ich mich an die 1300 nicht allzu groß bedruckten Seiten gemacht.

Um es vorweg zu nehmen: Ich finde dieses Buch großartig. Es ist der beste Science Fiction Roman den ich bislang gelesen habe. Schätzing verbindet hier auf einmalige Weise eine relative komplexe Geschichte mit mehreren parallelen Handlungssträngen, einen sehr gelungenen Spannungsaufbau und eine Beschreibung der Zukunft, die nicht unrealistisch erscheint. Die Spannung bleibt bis zur letzten Seite erhalten und es komt gerade zum Schluss noch eine Wendung, die zumindest ich garnicht mehr erwartet hätte. Man legt dieses Buch nur sehr ungern zwischendurch wieder aus der Hand.

Er mischt reale Personen, wie David Bowie mit fiktiven Fuguren, deren reale Vorbilder allerdings deutlich erkennbar sind. So ist z.B. Richard Branson deutlich als Vorbild in der Figur Julian Orley zu erkennen.

So weit ich das beurteilen kann, ist das Buch hervorragend recherchiert. In den Danksagungen am Schluss bekommt man einen kleinen Eindruck, welche Quellen er genutzt hat hat, um möglichst viel Sachkunde in die Geschichte zu bekommen. Da kommen Astronauten, Physiker, Sinologen, Vorstände von Energieerzeugungsunternehmen, Informatiker, Kriminalisten u.v.m. vor.

Schätzing geht das Risiko ein, eine relativ nahe Zukunft zu beschreiben. Das macht die Geschichte einerseits fassbarer, andererseits, dürften die meisten seiner Leser den beschriebenen Zeitraum  (2025) noch erleben und damit seine Visionen einer Überprüfung unterziehen können. Aber es ist ja keine Prognose, sondern eine wissenschaftliche Fiktion.

Das Buch handelt von einem Großunternehmen (welches Orley gehört) , welches mithilfe von geostationären Raumstationen die Idee der Weltraumaufzüge realisiert hat und damit die wirtschaftliche Nutzung von Helium 3 Reserven auf dem Mond ermöglicht. Nebenbei hat das Unternehmen noch einen Fusionsreaktor für Helium 3 entwickelt und damit die Energieprobleme der Menscheit für die nächsten 400 Jahre gelöst. Das hat enorme Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft und natürlich auf die Ölindustrie.

Orley ist mit einer Gruppe von Milliardären und Meinungsmachern auf dem Weg zum Mond, um sie als Investoren zu gewinnen. Im Laufe der Geschichte wird immer klarer, dass irgendeine Katastrophe aufzieht.

Es gibt nur 2 Kleinigkeiten, die mich an dem Buch gestört haben. Schätzing kann hervorragend konfliktgeladene Dialoge schreiben. Solange aber noch alles in Ordnung ist, haben die Dialoge Rosamunde Pilcher Niveau und schmerzen ein wenig. Glücklicherweise ist nur die ersten 50 Seiten noch alles in Ordnung :-)

Und ich finde, etwas weniger Gewalt hätte der Geschichte eher genutzt als geschadet.

Bewertung: *****

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Buchbesprechung: AUFBRECHEN!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen – Dueck


Gunter Dueck hat einen neuen Job bei IBM. Er ist jetzt u.a. für Infrastrukturthemen zuständig. Da wundert es wenig, dass Infrastrukturen in seinem neuesten Buch eine wichtige Rolle spielen.


Er befasst sich schwerpunktmäßig mit der Frage, was es für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn durch die Automatisierung von Dienstleistungen durch Software in diesem Segement genausos viele Arbeitsplätze wegfallen, wie schon vorher in der Landwirtschaft und dann in der Industrie. Er bietet einen Ausweg aus der drohenden Massenverelendung: Alle müssen Abitur machen und alle müssen studieren!


Wir haben schon heute zu wenig Fachkräfte bei Mathematikern, Informatikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Dieser Engpass wird sich weiter verschärfen, wenn nicht bald etwas geschieht. Schließlich müssen noch so viele höchst anspruchsvolle Aufgaben erledigt werden und das geht nur mit top ausgebildetem Personal.


Das Ganze muss noch begleitet werden mit einem massiven flächendeckendem Ausbau der dafür wichtigsten Infrastruktur: dem Breitbandinternet. 1GB/s müssen es mindestens werden.


Im Laufe des Buches bekommt man immer mehr Lust auf die Zukunft und verspürt den Drang, diese in dem dort beschriebenen Sinne mit zu gestalten. Ich musste es jedenfalls beim Lesen immer mal wieder weglegen, weil es mich zu neuen Ideen für unser Geschäft inspiriert hat, die ich mir dann erst dringend aufschreiben musste.


Bewertung *****

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Buchrezension: Die Kosmonauten- Richard David Precht


Mir hat das Buch Wer bin ich und wenn ja wieviele von Precht sehr gut gefallen. Trotzdem war ich mir zunächst nicht sicher, ob ich dieses Buch lesen sollte. Die meisten guten Sachbuchautoren schreiben keine besonders gute Romane. Und dann gibt es in dieser Gattung der Roman, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls in Berlin spielen schon eine ganze Menge Bücher, von denen einige nicht schlecht sind. Ich fand zum Beispiel Herr Lehmann: Ein Roman von Sven Regener sowohl als Buch als auch als Film (Herr Lehmann) klasse.

Nachdem ich ein paar Seiten im Buchladen angelesen hatte, war ich aber überzeugt, dass dieses Buch einen Versuch wert sein könnte.

Ich wurde nicht enttäuscht. “Kosmonauten” ist einer der besten Romane, die ich bisher gelesen habe. Obwohl die Geschichte kaum etwas hergibt, reisst einen die sprachliche Wucht Prechts förmlich mit. Ohne ins Peinliche abzurutschen geht er mit sehr bildhafter Erzählung immer wieder bis an die Schmerzgrenze.

Ich finde, Precht gehört mit diesem Buch in die gleiche Liga wie Tellkamp mit “Der Turm” und Kehlmann (u.a. mit Ruhm).

Das Buch hat außerdem eine erstaunliche Tiefe, die einen immer wieder stark berührt. Ich hoffe Precht wird noch ein paar Romane schreiben. Mich hat er jedenfalls als Stammleser gewonnen.

Bewertung: *****

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Musiktip: After the Ending Dashboard Confessional


Dashboard ConfessionalW hatte schon 2003 mit A Mark, A Mission, A Brand, A Scar ein ziemliches Knalleralbum hingelegt, wo gleich das erste Stück Hands Down ein echter Ohrwurm war.

Sie spielten damals ein bisschen in der LowFi und Garage Welle mit, stachen aber schon erfreulich aus der Masse der anderen Bands heraus. Ich fand sie deutlich besser als die sehr verkopften StrokesW.

Nun haben sie endlich mal wieder ein neues Album abgeliefert:

Ich nehme mal an, dass viele Fans von damals dieses Album deutlich zu stark auf Kommerz ausgerichtet finden. Ich hingegen finde, dass dies eins der besten Alben dieses Jahres ist. Einige der Songs haben echtes Hitpotenzial. Der Starter Get Me Right jedenfalls dudelt bei mir gerade rauf und runter.

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Buchrezension: Der Musik-Instinkt: Die Wissenschaft einer menschlichen Leidenschaft – Levitin


Musik spielt bei den meisten Menschen eine wichtige Rolle. Fast jedes wichtige Ereignis wird irgendwie durch den Einsatz von Musik emotional verstärkt. Nicht einmal im Krieg wird auf Musik verzichtet. Ganze Heere zogen mit Musik in die todbringende Schlacht, heute haben Panzerbesatzungen im Irak iPods dabei, um sich in Kampfstimmung zu bringen. Was ist Musik und warum wirkt sie so stark auf uns?

Levitin geht auf viele wissenschaftliche Disziplinen ein, die sich mit diesen Fragen befassen. Der Leser erfährt einiges über die physikalischen Grundlagen, mathematische Zusammenhänge, Kognitionspsychologie, neuronale Aspekte, Genetik u.v.m.

Der Autor ist selber Wissenschaftler und Musiker. Ihm gelingt eine sehr verständliche aber trotzdem nicht zu oberflächliche Bearbeitung des Themas.

Bewertung: ****

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Buchrenzension: Die Insassen – Katharina Münk


Katharina Münk hat vor zwei Jahren mit “Und morgen bringe ich ihn um” ihren ersten Erfolg veröffentlicht. Sie schreibt unter einem Pseudonym, da sie angeblich immer noch als Chefsekretärin in einem Großunternehmen arbeitet. Das erste Buch war schon sehr lesenswert. Nun hat sie einen Roman abgeliefert.
Es geht um einen Finanzvorstand einer großen Versicherung, einen bekannten Investmentbanker, einen weiteren Topmanager und eine Chefsekretärin, die alle nach Zusammenbrüchen in eine geschlossene psychiatrische Anstalt in der Nähe von Frankfurt eingewiesen werden. Der ehemalige Finanzvorstand will einfach nicht wahrhaben, dass er dort als Patient ist und redet sich erfolgreich ein, dass er der neue Eigentümer der Klinik ist. Er überedet die andern, ihn dabei zu unterstützen, die Klinik ohne Wissen der tatsächlichen Eigentümer an die Börse zu bringen.
Wenn ich nicht schon selber einen Börsengang mitgemacht hätte, würde ich wahrscheinlich denken, dass es sich hier um eine völlig überzogene Satire handelt. Leider ist es nicht so. Genauso absurd, wie sich teilweise die Dialoge zwischen den Beteiligten abspielen, habe ich selber Gespräche in der Finanzwelt erlebt.
Für eine Chefsekretärin kennt sich Münk erstaunlich gut mit den Mechanismen des Kapitalmarktes und seinen aktuellen Sprachmoden aus. Möglicherweise deckt das Pseudonym nicht eine Sekretärin, sondern einen Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft. Wundern würde es mich nicht.
Da könnte einem schon der Gedanke kommen, dass ich durchaus auch selber genug sehr unterhaltsamen Wahnsinns erlebt habe…. vielleicht mal für später…

Bewertung: ****

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Buchrezension: Operation Kundus – Achim Wohlgetan


Dies ist das Nachfolgebuch von “Endstation Kabul” des gleichen Autors. Er schildert hier seinen 2. Aulsandseinsatz für die Bundeswehr, dieses  Mal geht es für ihn nach Kundus, wo er als Mitglied eines Vorauskommandos an der Übernahme eines Stützpunktes (PRT) von den Amerikanern mitwirkt.

Wie bereits im ersten Buch, kommt auch dieses Mal vor allem die politische Führung der Bundeswehr nicht gut weg. Neben schon fast surrealen Bürokratiepossen werden Soldaten immer wieder durch schwer nachzuvollziehende Entscheidungen in Gefahr gebracht. Was Wohlgetan über die Ausrüstung der Soldaten schreibt, kann man kaum glauben. Nicht nur, dass man sie in leichten Wüstenuniformen in den afghanischen Winter schickt, man lässt sie auch in schrottreifen angemieteten Zivilfahrzeugen ohne militärische Kennzeichnung Patrouillen fahren. Wenn man das mit Berichten vergleicht, wo vollkommen einsatzfähige Bundeswehrfahrzeuge in Kabul wegen fehlender Abgasuntersuchung stillgelegt wurden, ist man nur noch fassungslos.

Die sehr plastischen Beschreibungen des Einsatzalltags mit dem damit verbundenen Stress und zwischenmenschlichen Reibereien erklären ein bisschen, warum immer mehr Soldaten mit den Bedingungen nicht mehr klar kommen und frustriert den Dienst quittieren oder gar in psychologische Behandlung gehen müssen.

Ich hoffe, dass Bücher wie diese öffentlichen Druck auf die Politik erzeugen, damit sich sich sich endlich angemessen mit diesem Einsatz auseinandersetzen und entweder diesen Einsatz beenden oder ihn auf eine Basis stellen, die dazu führt, dass dort Soldaten nicht sinnlos verheizt werden.

Bewertung: ****

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Buchrezension: Von Menschen und Ratten – Lauren Slater


Lauren Slater beschreibt in diesem Buch die aus ihrer Sicht wichtigsten Experimente der Psychologie. Sie macht das auf eine ganz besondere Art. Sie beschreibt einerseits die Experimente wie in Filmdrehbüchern.

Man hat den Eindruck selber dabei zu sein, als beispielsweise das berühmte Milgram Experiment läuft. Damals ging es darum herauszufinden, wie leicht Menschen dazu zu bringen sind, jemanden zu Tode zu quälen. Über 60 Prozent der Probanden haben damals einen vermeindlich schlechten Schüler bei falschen Antworten bis zu einer tödlichen Stromstärke bestraft. Sie wussten nicht, dass der Schüler ein Schauspieler war und dass sie in Wirklichkeit gar keine Stromschläge bekommen haben. Slater beschreibt das mit einer erzählerischen Dichte, dass man beim Lesen körperlich gestresst wird. Natürlich fragt man sich sofort, wie man selber reagiert hätte und hofft insgeheim, dass man zu der Minderheit zählt, die sich letztlich weigert.

Neben der Dichte der Erzählung macht sie sich immer noch zusätzlich auf die Suche nach den Menschen, die sich diese Experimente ausgedacht haben und zeichnet ein detailliertes Charakterbild, bei dem nicht alle der Berühmtheiten gut weg kommen. Schließlich lässt sie dann noch die Gegner der Experimente und der daraus gewonnenen Erkenntnisse zu Wort kommen und bringt die vermeintliche Gewissheit dann wieder ins Wanken. Letztlich überlässt sie dem Leser die Entscheidung, was man aus dem Gelesenen für Schlüsse zieht.

Es werden Experimente zur Autoritätshörigkeit, Sucht, Hilfsverhalten, Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen, Liebe und Psychochirurgie beschrieben.

Diese Buch ist meiner Meiunung nach völlig zu Recht 2005 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gekürt worden und hat zahlreiche weitere Preise gewonnen. Slater gehört in die Liga der besten lebenden populärwissenschaftlichen Schriftsteller der Welt, die viel dazu beitragen, dass wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse ihren Weg in die Bevölkerung finden.

Bewertung: *****

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Buch: Die Piratenpartei – Bartels


Dieses Buch gibt es als kostenlosen Download und in der Papierversion. Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, es mir in der Papierversion zu besorgen. Allerdings ist das pdf so angenehm auf meinem Notebook zu lesen gewesen, dass ich auf die Papiervariante verzichtet habe. Das spart Platz und Resourcen. Leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, wie ich dem Autor jetzt einfach Geld zukommen kann, ohne gleich ein Buch kaufen zu müssen. Da wäre ein paypal Button auf der Seite nicht verkehrt.

Dieses Buch ist schon fast ein Pflichtlehrbuch für jeden, der in der Piratenpartei ein Amt oder Mandat anstrebt. Wenn jeder, der wacker im Piratenwiki oder auf den Mailinglisten mitdiskutiert, dieses Buch gelesen hätte, würden alle viel Zeit sparen, weil man nicht immer wieder über das Gleiche diskutieren müsste.

Hier wird sehr anschaulich die Geschichte der Piratenpartei mit ihren Anfängen in Schweden und Deutschland beschrieben und man bekommt dadurch ein sehr gutes Gefühl dafür, wie die Positionen der Piraten zustandegekommen sind.

Die einzelnen Positionen werden ausführlich und leicht verständlich beschrieben, was aufgrund der Komplexität der von den Piraten behandelten Themen nicht einfach ist. Vor allem der Abschnitt zum Urheberrecht ist meiner Meinung nach besser gelungen, als bei Lessig. Weiterhin gibt es u.a. einen Vergleich der Positionen der etablierten Parteien zu den Pirateninhalten.

Es fehlt in dem Buch kein einziges Reizthema, mit dem sich Piraten in der öffentlichen Diskussion auseinandersetzen müssen: Tauss, Netzsperrendebatte, Einthemenpartei usw.

Man merkt dem Autor an, dass er versucht, eine neutrale beschreibende Distanz zu den Piraten zu wahren. Es schimmert aber immer wieder durch, dass er ein großer Fan der Piraten ist.

Bewertung: *****

Das Buch ist über amzon zurzeit nicht verfügbar, kann aber direkt über den Verlag bestellt werden.

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Free – Chris Anderson, meine Eindrücke


Sein Vorgängerbuch “The Longtail” gehört meiner Meinung nach zu den Klassikern der Bücher über das Internetgeschäft. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an sein neuestes Werk “Free”. Um es vorweg zu nehmen: Ich finde, “Free” ist nicht so stark und bahnbrechend, wie es “The Longtail” war.

Er befasst sich wieder mit den Auswirkungen abnehmender Grenzkosten in der digitalen Welt. Eine Wertschöpfungskette nach der anderen wird durch die Digitalisierung zerstört. Die Frage ist, ob und welche neuen Möglichkeiten sich ergeben, trotzdem auch in Zukunft mit digitalen Inhalten Geld zu verdienen. Man liest in dem Buch nichts wirklich Neues. Die von ihm beschriebenen Strategien, wie man auch in den neuen “Freeconomics” Geld verdienen kann, konnte man an vielen anderen Stellen schon nachlesen, nicht zuletzt auch im Piratenwiki.

Das Buch ist höchstens für die Leser noch interessant, die sich noch nie mit diesem Thema befasst haben.

Als Fazit bleibt, dass es zunehmend schwerer werden wird, mit Bits&Bytes allein Geld zu verdienen. Die Wertschöpfung wird sich immer stärker in Richtung der aus den Werken abgeleiteten Dienstleistungen bewegen. Ansonsten wird man auf Freemium Modelle oder Quersubventionen aus Werbeeinnahmen ausweichen müssen.

Das ist allerdings kein Grund zum Pessimismus. Dieser neue Markt ist schon heute riesig und er wird noch weiter wachsen. Bereits heute dürften beispielsweise im deutschen IT-Mittelstand Umsätze aus Lizenzeinnahmen für digitale Güter deutlich kleiner sein, als die Einnahmen die sich aus der Individualisierung, der Wartung und laufenden Betreuung von Software bewegen.

Richtig hart wird es wohl nur für die großen Unternehmen werden, die sich einfach nicht auf diese neuen Herausforderungen einlassen wollen und statt dessen nach dem Gesetzgeber rufen. Da sind Anderson und ich einer Meinung: Selbst die hartnäckigsten Kriminalisierungsbestrebungen werden den Trend nicht aufhalten können, dass die meisten digitalen Güter kostenlos im Netz verfügbar sein werden.

Bewertung: ***

Enterprise 2.0, Führung, Grundlagen Enterprise 2.0, Lesen für Kohle, Politik, Sachbuch, Unternehmensorganisation, Wirtschaft | 1 Kommentar »

Piraten entern die Bankenwelt


Habe gerade das Video von Frank Hamm entdeckt, in dem er erklärt, warum er die Piraten wählen wird und er seinen Parteibeitritt bekannt gibt:

Spätestens jetzt sind die Piraten in der Bankenwelt angekommen. Gebrauchen kann sie es in jedem Fall gut.

Und ich bilde mir ein, dass ich an diesem Beitritt nicht ganz unbeteiligt war :-)

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Buchbesprechung: So regiert die Kanzlerin – Heckel


Ich bin ein wenig unentschlossen, wie ich dieses Buch finden soll. Einerseits ist mir klar, dass Politik immer nur so lange einfach wirkt, wie man sie nicht selber machen muss. Andererseits wird mir schon ein wenig mulmig wenn ich lese, wie zum Teil Entscheidungen über unsere Zukunft zustande kommen. Da spielen in unserer heutigen Parteiendemokratie Faktoren eine Rolle, die nicht gerade zur Verbesserung der Entscheidungsqualität beitragen. Es geht allzuoft und allzusehr um Machterhalt einzelner Personen statt um die beste Entscheidung.

Das Buch beschreibt einzelne Situationen aus der jüngsten Vergangenheit. Man wird Zeuge, wie die Entscheidungen vorbereitet und getroffen wurden, als die Finanzkrise fast zum Kollaps des weltweiten Finanzsystems geführt hat. Unsere Demokratie hat in dieser Situation gezeigt, dass sie in Notsituationen trotz der föderalen Struktur sehr wohl in der Lage ist, auch sehr schnell zu handeln. Das gleiche gilt auch für die internationale Politikszene. Auch diese konnte erstaunlich schnell reagieren. Ob die Entscheidungen richtig waren, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen.

Die Autorin ist ganz offensichtlich ein großer Fan von Angela Merkel. Die Kanzlerin kommt nicht nur gut weg, das Buch liest sich eher wie eine Werbeschrift. Ich glaube allerdings, dass sie trotz dieser positiven Grundeinstellung ein einigermaßen treffendes Bild von Merkel zeichnet. Ich habe sie im Gegensatz zu ihrem Amtsvorgänger nie persönlich gesehen. Aber wer sie aus meinem Umfeld getroffen hat, berichtet mit ähnlicher Tendenz. Man erfährt in dem Buch nicht nur, wie sie arbeitet und ihre Position absichert, man kann hier auch dezidiert nachlesen, welche Idenn sie für die Zukuft hat und wie sie sie umsetzen will. Leider fehlen hier alle Aspekte, welche die Netzpolitik betreffen, aber dafür sind ja auch die Piraten da…

Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn sie weiter unser Land als Kanzlerin regieren würde. Sie genießt im Ausland ein außerordentliches Ansehen und ich wüsste momentan auch niemanden, den ich lieber an ihrer Position sehen würde.

Bewertung: ***

Geschichte, Lesen für Kohle, Politik, Sachbuch | 1 Kommentar »

Dritter und letzter Teil meines Interviews mit Markus Beckedahl


Es ist vollbracht. Wir haben unser Interview für das Politik-Buch DNA Digital mit dem dritten Teil beendet. Mir hat es Spass gemach und ich freue mich auf das Buch.

1. Teil des Interviews

2. Teil des Interviews

FR: Welche Auswirkungen wird das auf die Art und Weise haben, wie künftig Politik gemacht wird?

MB: Das Netz hat große Auswirkungen auf die Art und Weise, wie zukünftig Politik gemacht wird. In der früheren analogen Welt hatte man eigentlich nur orts- und zeitabhängig die Möglichkeit, sich an politischen Prozessen zu beteiligen. Das war die klassische Ortsgruppe einer Partei oder einer Initaitive. Vielleicht fuhr man dazwischen mal zu einer Demonstration. Das ist einer der Gründe, warum wir eine repräsentative Demokratie haben. Für die Zeit war es die Beste Möglichkeit, die Situation zu managen.

Mit dem Netz verändert sich das. Man kann auf einmal politisch aktiv werden, indem man orts- und zeitunabhängig wird. Ein Internetanschluß reicht, um sich auch über Grenzen hinweg mit anderen zu vernetzen, sich zu informieren und zusammen politisch zu arbeiten. Dazu verändern sich die Öffentlichkeiten. Die traditionellen Medien fungier(t)en als Gatekeeper. Da kann nicht jeder zu Wort kommen, weil man einerseits die große Masse angesprochen hat, andererseits gab und gibt es zeitliche Begrenzungen in der Sendezeit oder dem Platz in der Zeitung. Im Netz kann sich jeder Politiker oder jeder mit einem Anliegen und den richtigen Werkzeugen die passenden Verbündeten suchen und gemeinsam für ein Ziel kämpfen. Gleichzeitig verändert das Netz auch den Wunsch von vielen, Politik zu öffnen. Wir können jetzt orts- und zeitunabhängig mitmischen, aber die Angebote fehlen in der Regeln noch.

Für Politiker, Medien und Netz-Unerfahrene ist es wohl noch schwer vorstellbar, welche Potentiale diese neuen Öffentlichkeiten entfalten können. Indem jeder theoretisch zum Sender werden und sich viele Menschen ad-hoc übers Netz zusammen schließen können um ihre Meinung zu artikulieren, wird das die öffentliche Meinungsbildung nachhaltig umkrempeln.

FR: Das nützt nicht viel, wenn nach Deiner eigenen Aussage die politische Klasse einfach nicht hinhört. Oder habe ich da jetzt was übersehen?

MB: Sie werden zukünftig mehr zuhören müssen, um junge Menschen erreichen zu können.  In den Parteien kommen auch langsam jüngere Menschen in höhere Positionen, die das Internet schon in ihr Leben integrieren. Auch verändert sich die Medienlandschaft rasant. Durch die steigende Berichterstattung in den traditionellen Medien über Entwicklungen im Netz erreichen die Netz-Themen auch ein älteres Publikum.

FR: Wie siehst Du Deine Rolle in diesem Veränderungsprozess, wie hast Du vor, gestaltend zu wirken?

MB:Mit netzpolitik.org haben wir in den letzten sieben Jahren eine Plattform aufgebaut, die diesen Veränderungsprozess aktiv begleitet. Einerseits aggregieren wir in einer klassisch redaktionellen Filter-Arbeit viele Informationen, linken auf entsprechende Angebote im Netz und kommentieren diese ggf. auch. Andererseits funktioniert netzpolitik.org mittlerweile auch als Kampagnenplattform für digitale Bürgerrechte. Damit experimentieren wir mit den neuen Möglichkeiten herum, finden neue Wege zur politischen Kommunikation im Netz und motivieren unsere Leser, aktiv in der Demokratie mitzuwirken und sich für ihre und unsere Rechte einzusetzen. Wichtig ist uns dabei, in Zeiten von Parteien-Verdrossenheit zu vermitteln, dass Demokratie und Politik Spaß machen können, wenn man das gemeinsam macht.

Gleichzeitig findet viel Arbeit hinter den Kulissen statt, die manchmal nicht so sichtbar wird. Wir gehen aktiv auf Politiker, Verbände und Journalisten auf nationaler und internationaler Ebene zu und suchen den Dialog. Dabei versuchen wir nach Kräften, mehr Verständnis für das Netz, den Medienwandel und die neuen Öffentlichkeiten zu schaffen, sowie für eine bessere Netzpolitik zu werben.

Es ist gut möglich, dass wir unsere Arbeit mittelfristig professionalisieren, d.h. Strukturen als NGO schaffen, um uns noch effektiver und mit mehr Ressourcen für digitale Bürgerrechte einsetzen zu können. Die Gestaltung der digitalen Gesellschaft steht immer noch am Anfang. Uns erwarten noch zahlreiche gesellschaftliche Debatten rund um die vielfältigen Themen der Netzpolitik.

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Mein Vorschlag zur Novellierung des Urheberrechts


Einleitung
Einer der häufigsten Vorwürfe gegen die PIRATEN ist, dass wir einerseits die freie Privatkopie im Internet uneingeschränkt und damit auch für Tauschbörsen fordern, wir andererseits heute noch keine Lösung für das Problem anbieten, wovon Kreative künftig eigentlich leben sollen.

Mal davon abgesehen, dass sowohl im Partei- als auch im Wahlprogramm ausdrücklich festgeschrieben ist, dass ein fairer Ausgleich zwischen den Urhebern und den Nutzern geschaffen werden soll, ist es richtig, dass eine tragfähige wirtschaftliche Lösung für die künftige Vergütung noch keinen Eingang in ein offzielles Dokument der PIRATEN gefunden hat. Das ist einer der Gründe dafür, dass mittlerweile viele PIRATEN ein mehrstufiges Novellierungsprogramm vorschlagen. Die meisten schlagen vor, eine endgültige Freigabe aller Kopiermöglichkeiten im Internet erst zuzulassen, wenn neue funktionierende Vergütungsmodelle entwickelt sind und vor allem den Beweis der Tragfähigkeit erbracht haben.

Dieser Meinung schließe ich mich ausdrücklich an. Die AG Urheberrecht der PIRATEN ist angetreten, die in den Parteiprogrammen definierten Forderungen und Randbedingungen in konkrete Vorschläge umzusetzen. Ich möchte mich selber in der AG Urheberrecht mit Vorschlägen zur Konkretisierung einbringen. Ich werde diese erst hier in meinem Blog veröffentlichen, hoffentlich in einer Diskussion schon mal in einer ersten Überarbeitung unterziehen und dann im PIRATEN Wiki in die Diskussion einbringen. Ich halte das Urheberrecht für dermaßen komplex, dass eine Novellierung dur als Leistung eines größeren und sehr engagierten Teams gelingen kann. Deswegen bitte ich schon jetzt um Milde, falls mir gleich Fehler passieren sollten.

Meine Ideen und Vorschläge resultieren u.a. aus den Arbeiten von Lawrence Lessig und David O´Brien, sowie einer Vielzahl von PIRATEN-Quellen. Sie gehen teilweise deutlich über das hinaus, was die PIRATEN heute in ihren Programmen fordern.

Und los geht´s:

Renovierung des Urheberechts in 2 Stufen

Ich hatte schon mal darauf hingewiesen, dass ich es für gefährlich halte, die völlige Freigabe aller Kopien inklusive der Legalisierung der Tauschbörsen zu betreiben, bevor neue Vergütungsmodelle ihre Funktionsfähigkeit bewiesen haben. Ich fürchte, dass dies nicht nur zum Kollaps der Verwertungsindustrie führen wird, sondern auch die Künstler und andere Urheber so nachhaltig um ihre Einnahmen bringt, dass genau das Gegenteil dessen eintritt, was wir als PIRATEN eigentlich erreichen wollen. DieKultur würde dann erstmal verarmen, statt reicher zu werden.

Ich bin allerdings auch der Meinung, dass spätestens im letzten Schritt der Novelle das uneingeschränkte Recht auf Kopie eingeräumt werden sollte, da alles andere zu einer zu großen Einschränkung der Privatsphäre führen würde.

Ich habe mich mit den bisher vorliegenden Vorschlägen zu den alternativen Einnahmequellen intensiv auseinander gesetzt und ich bleibe dabei, dass wir primär nach Wegen suchen sollten, die es Urhebern möglich macht, mit den Werken selber Geld zu verdienen. Eine reine Konzentration auf abgeleitete Einnahmen halte ich für falsch. Ich werde später noch auf einen Vorschlag eingehen, der in Richtung Pauschalvergütung geht und möglichrweise die zu Recht heftig diskutierten Nachteile einer Kuturflatrate und anderer Pauschalvergütungen, wie Geräteabgaben vermeidet.

1. Stufe: kann sofort angegangen werden

Gerade hier gehe ich über die bestehenden Vorschläge der PIRATEN hinaus und lehne mich stärker an Lessig an.

Urheberrecht gibt es nur für die Werke, für die das Urheberrecht ausdrücklich beantragt wurde

Heute gilt, dass grundsätzlich erst mal für jedes Werk die Urheberrechte entstehen. Das ist meiner Meinung gerade dadurch problematisch geworden, dass durch Web 2.0 nicht nur eine Menge neuer Produzenten enstanden sind, die sich Tatsache gar nicht bewusst sind. Sie würden wahrscheinlich gar nicht so einen umfassenden Schutz begehren.
Wer allerdings den Schutz genießen möchte, sollte durch einen sehr einfachen formlosen Vorgang, der mit sehr geringen Gebühren belastet ist, den Schutz beantragen müssen. Das würde dazu führen, dass sich jeder Urheber, der den vollen Schutz haben möchte, überlegen muss, ob er wirklich damit rechnet, dass sich die Eintragung lohnt.

Kennzeichnungspflicht
Geschützte Werke müssen gekennzeichnet werden, um den vollumfänglichen Schutz zu bekommen. Auch dies schafft mehr Klarheit für andere Menschen, welche fremde Arbeiten nutzen wollen.

Abschaffung von DRM
Die Rechte der Urheber enden dort, wo die Vergütung geleistet wurde. Nutzer die eine Vergütung bezahlt haben, dürfen mit dem Werk machen, was sie wollen, solange sich das nicht kommerziell ist, außer:

unbegrenztes Filesharing bleibt erstmal verboten, begrenztes Tauschen wird aber wieder sofort legal
Es gibt eine lange Tradition des privaten Tauschens von Kultur. Filesharing-Plattformen gehen deutlich darüber hinaus und können erst in der 2. Stufe uneingeschränkt erlaubt werden. In der ersten Stufe muss diese Technologie noch beschränkt bleiben. Um dies überhaupt durchsetzen zu können, sollten sowohl die Betreiber, als auch die Nutzer haftbar gemacht werden können. Dies soll aber nur im Rahmen des heutigen Schadenersatzrecht des deutschen Zivilrechtes gesschehen und nicht nach amerikanischen Muster.
Mit einer kleinen Einschränkung sollte man aber schon in dieser Stufe Filesharing legalisieren: Solange die Anzahl der Tauschfreunde technisch begrenzt ist, halte ich das Tauschen von Dateien wieder für eine rechtmäßige Ausübung des Rechtes auf Privatkopie. Hier müsste man sich noch über die zulässige Anzahl von Freunden Gedanken machen. Mein Vorschlag wäre 100. Es gibt bereits ein kommerzielles Projekt, dass in diese Richtung geht: ciiju

Sehr stark verkürzte Schutzfristen mit einfacher Möglichkeit der Verlängerung auf max. 15 Jahre nach Tod des Urhebers
Ich würde die Schutzfrist auf 5 Jahre verkürzen. Diese kann dann immer wieder nach jeweils 5 Jahren mit einem einfachen Antrag mit niedriger Gebühr auf max. 15 Jahre nach dem Tod des Urhebers verlängert werden. Auch das würde dazu führen, dass nur noch für die Werke Schutz beantragt wird, bei denen die Urheber diesen überhaupt begehren.

sofortige Förderung neuer Lizenz- und Einnahmemodelle
Neben der Modernisierung der heutigen Pauschalabgaben in Richtung mehr Transparenz und mehr Verteilungsgerechtigkeit, schlage ich das System der freiwilligen kollektiven Lizenz vor die Danny O`Brien hier beim Elektrischen Reporter erklärt.
Diese hat im Vergleich der staatlichen Pauschalabgaben eine Menge Vorteile:


  • sie setzt auf eine marktwirtschaftliche, statt auf eine staatliche Lösung

  • Selbstbeobachtung der Nutzer nach dem Vorbild von last.fm oder pandora, statt staatlicher Schnüffelei

  • sie ist relativ stabil gegen Verteilungsmissbrauch

  • die Verwaltung wäre nicht so aufwändig, wie bei einer staatlichen Lösung


2. Stufe, völlige Freigabe der privaten Kopier und Tauschmöglichkeiten

Sobald entweder mein Vorschlag der Einnahmeerzielung oder ein anderes System stabil läuft, kann die eigentlich ersehnte völlige Legalisierung der heute schon technischen Möglichkeiten des privaten Tauschen, Kopierens und Weiterverarbeitens erfolgen.

Ich bin gepannt auf eure Rückmeldungen.

Politik | 11 Kommentare »

Wie mich ein kleiner Sturz beim Joggen zum Nachdenken über Privatsphäre brachte


Ich war Sonntag Nachmittag bei uns im Detmolder Wald ein bisschen Laufen. Ich weiß nicht woran es liegt, aber Laufen führt bei mir meist zu hefitgen Kreativitätsschüben. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, mir die besten 3 Ideen eines Laufs aufzuschreiben. Wenn ich sie 3 Tage später immer noch gut finde, setze ich sie um.

Nun verträgt sich scharfes Nachdenken und Waldlauf nicht so gut, wie ich bislang immer dachte. Ich war jedenfalls nicht so aufmerksam auf meine Umwelt konzentriert, wie ich es hätte sein sollen und habe deswegen einen aus dem Boden schräg auf mich gerichteten 20 cm hohen Baumstumpf übersehen. Der hat mich jedenfalls böse gefoult und ich habe einen filmreifen Sturz hingelegt. Glücklicherweise war an dieser Stelle weicher sandiger Waldboden, deswegen war es auch nicht so schlimm, dass ich sogar mit dem Kopf den Boden ein bisschen aufgelockert habe. Bis auf eine üble schmerzhafte Prellung 2er Zehen und kleinerer Abschürfungen ist mir nichts weiter passiert.

Als ich dann aus dem Wald gehumpelt bin, habe ich ein bisschen darüber nachgedacht, was eigentlich passiert wäre, wenn ich mich schlimmer verletzt hätte. Der Detmolder Wald hat u.a. eine Eigenschaft, die ich sehr an ihm schätze: er ist auch Sonntags so gut wie menschenleer. Und er ist groß. Man kann locker 30 km am Stück laufen, ohne auch nur einmal den Wald verlassen zu müssen. Der Nachteil ist, dass man Schwiergkeiten hat zubeschreiben, wo man gerade ist.

Und da ist mir eingefallen, dass ich seit längerem Google Latitude auf meinem Blackberry nutze. Den habe ich auch beim Laufen immer dabei, weil man damit sogar telefonieren könnte, im Notfall. Für die, die Google Latitude nicht kennen: man installiert Google Maps auf dem Handy und erlaubt dem Programm, seine aktuelle Position entweder öffentlich im Internet oder ausgewählten Personen anzuzeigen. Dabei wird sowohl der GPS-Empfänger als auch die aktive Mobilfunkzelle zur Positionsermittlung genutzt.

Obwohl ich sonst gar nicht so schüchtern bin, wenn es um die eigene Präsenz im Netz geht, habe ich mich bislang noch nicht dazu durchringen können, Google Latitude öffentlich zu stellen. Zurzeit kann nur mein Bruder sehen, wo ich mich so herumtreibe.Wenn der aber gerade nicht ans Handy geht, wenns nötig wäre, nützt das dann auch nichts.

Ich werde jedenfalls Latitude künftig deutlich häufiger und bewusster öffentlich schalten. Sollte ich dann mal einen Unfall haben, steht zumindest meine Position öffentlich im Netz. Wenn ich dann noch mit letzter Kraft telefonieren oder twittern kann, erhöht das wieder einmal die Überlebenschancen…

Bevor hier aber Politiker daraus messerscharf schließen, ich hätte nichts gegen staatliche Überwachung:  Ich entscheide gerne selber, was ich wem mitteile und ich werde Google Latitude auch nur so lange nutzen, wie sie weiter darauf verzichten, die Daten zu Bewegungsprofilen zusammen zu speichern.

Und weil ihr das einfach nicht raffen wollt, bin ich PIRAT geworden.

Politik, Sport | 4 Kommentare »

Was würde Google tun – Jeff Jarvis


Es gibt Bücher, die muss man beim Lesen immer mal wieder weg legen weil sie einen inspirieren, über neue Ideen fürs Geschäft nachzudenken. Dieses Buch gehört dazu. Meine Erwartungen waren nicht allzu hoch, was auch am Titel lag. Dieser klingt nach einem unsäglichem Wirtschaftsbuch, in dem allgemein Bekanntes lauwarm neu aufbereitet wird.

Zumindest in der ersten Hälfte des Buches war ich positiv überrascht. Es steht zwar nichts sensationell Neues drin. Fast alles was er dort beschreibt, kann man in anderen früheren Büchern, wie Wikinomics, The Longtail u.a. nachlesen. Aber die Art und Weise, wie Jarvis über die Prinzipien von Google schreibt, wühlte mich immer wieder auf. Ich hatte jedenfalls sofort Lust, die Strategie von SYNAXON mal auf den Kopf zu stellen. Auch, was er über den Einzelhandel schreibt ist hochinspierend und wird sicher nicht ohne Einfluss auf die künftige PC-SPEZIALIST Strategie bleiben.

In der 2. Hälfte flacht das Buch allerdings erheblich ab. Jarvis subsumiert Dinge unter die Google Strategie, die ich eher anderen Unternehmen zuschreiben würde. Er nutzt den Begriff Google synomym für Web 2.0 und Enterprise 2.0 und das halte ich für absolut nicht gerechtfertigt.

Er ist hoffnungslos verliebt in Google und seine beiden Gründer, und hält sie einfach für omnipotent. Dadurch ist sein Blick ziemlich vernebelt. Er glaubt, dass man quasi alle Probleme dieser Erde durch die Google Prinzipien lösen kann. Diese These halte ich für enorm gewagt. Auch seine Geschäftsideen, die er reihenweise generiert, halte ich überwiegend für zu naiv.

Richtig gut finde ich hingegen wieder seine Ausführungen zur Privatsphäre im Netz. Er ist noch deutlich weiter gegangen, als viele andere und hat sogar über seine Krankheiten gebloggt. Hier würden jetzt viele aufschreien. Bei ihm hatte das den positiven Effekt, dass er wertvolle Hinweise von seinen Lesern bekommen hat, wie man am Besten mit der Krankheit umgeht.

Insgesamt ein lesenswertes Buch.

meine Bewertung: ****

Grundlagen Enterprise 2.0, Lesen für Kohle, Wirtschaft | 1 Kommentar »

Meine persönliche Meinung zum Urheberrecht und der Position der PIRATEN dazu


Wir haben uns für den Detmolder PIRATEN-Stammtisch vorgenommen, wöchentlich ein Thema aus dem Partei- oder Wahlprogramm der PIRATEN zu vertiefen. Dies soll einerseits dazu dienen, dass Interessierte über den aktuellen Stand der Meinung der PIRATEN zu diesen Themen informiert werden. Andererseits soll aber auch eine Diskussion in Gang gesetzt werden, die der inhaltlichen Weiterentwicklung dienen soll.

Am nächsten Donnerstag befassen wir uns mit dem Thema Urheberrecht. Ich möchte auf diesem Wege noch einmal zu der Teilnahme an dem Stammtisch einladen. Es können hier alle Interessierten mitmachen. Die Teilnahme ist ausdrücklich nicht nur auf Parteimitglieder beschränkt.

Ich habe diese Schwerpunktsetzung für den nächsten Donnerstag zum Anlass genommen, mich selber noch einmal etwas tiefer mit dem Urheberrecht und der Position der PIRATEN zu befassen.

Es gibt eine Menge Material im Internet zu diesem Thema. Ich habe meine eigene Linksammlung auf delicous abgelegt.

Der aktuelle Stand des deutschen Urheberrechts war einer der Auslöser, mich mit den PIRATEN näher zu befassen und auch einer der Gründe, warum ich PIRAT geworden bin. Wir erleben seit Jahren eine immer weiter gehende Verschärfung des Urheberrechts und eine damit verbundene Einschränkung der Rechte der Internetnutzer.

Ich war immer der Meinung, dass Künstler und andere Werkschaffenden eine Vergütung für ihre Arbeit bekommen sollen. Ich teile hier die Position einiger PIRATEN nicht, dass man nicht mehr für das Werk, sondern nur noch für die daraus möglicherweise entstehenden Dienstleistung Geld bekommen soll (Liveautritte, Werbefinanzierung usw.). Es gibt eine Menge Künstler, die können oder wollen über die Werkerstellung hinaus keine weiteren Aktiviäten entfalten. Wie soll beispielsweise eine sprachbehinderter Buchautor eine Lesereise durchführen?

Ich habe in meinem Leben über 1.200 CDs und mehr als 1.000 Bücher gekauft. Auf meinem Rechner findet sich keine einzige Raubkopie einer Software. Da ich selber Musiker war und ein Unternehmen leite, was sich u.a. mit der Programmierung von Software und deren Vermarktung befasst, habe ich keine Sympathien für die Idee der Gratiskultur.

Das mag in einem gewissen Widerspruch zu meiner Begeisterung für offene Projekte wie Linux, Firefox, Open Office, Wikipedia usw. stehen. Ich finde aber, dass jeder Urheber das Recht haben sollte, selber zu entscheiden, ob er sein Werk offen, gratis, oder aber eben geschützt und kostenpflichtig gestalten möchte.  Ich nutze nicht nur offene Produkte, sondern auch eine ganze Menge nichtoffener Werke.

Die große Frage aber ist, wie weit darf ein Schutz gehen, wenn ich als Autor etwas geschützt und kostenpflichtig gestalten möchte. Und genau hier ist der Gesetzgeber und die Rechteindustrie in den letzten Jahren erheblich über das Ziel hinausgeschossen und hat die neuen Gegebenheiten durch die aufkommende Digitalisierung völlig verkannt.

Wenn ich schon für eine Musik CD bezahle, möchte ich nicht auch noch darin eingeschränkt werden, die bereits bezahlte Musik auch auf meinem iPod zu hören. Genau das wird aber immer wieder durch Kopierschutzmechanismen und  ausgefeilterem Digitalem Rechtemanagements (DRM) versucht zu verhindern. Das gleiche gilt für DVDs. Wenn ich für einen Film auf DVD bezahlt habe, möchte ich in der Lage sein, eine Privatkopie davon anzufertigen um sie auf einem Rechner von mir ansehehen zu können. Auch das wird versucht mit allen Mitteln zu verhindern.

Es wird dabei auch versucht, diejenigen zu kriminalisieren, die von ihrem im UrhG immer noch verbrieften Recht auf Privatkopie gebrauch machen. Dieses ist zwar eingeschränkt worden, wenn der Urheber oder Verbreiter eine technische Einrichtung zum Verhindern einer Kopie eingerichtet hat. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist das Umgehen oder knacken dieser Sperre nicht in jedem Fall strafbar. In § 108b UrhG steht, dass dies nur dann strafbar ist, wenn dieses Umgehen nicht ausschließlich zum privaten Gebrauch geschieht. Wenn ich mir also eine Privatkopie durch umgehen des DRM erstelle und diese nicht weiter verbreite, dann ist das nicht strafbar.

Eine andere Frage ist, ob das nicht zivilrechtlich verfolgbar ist. Und in der Tat, es dürfte sich um einen Vertragsbruch handeln, der eine Schadenersatzpflicht auslöst. Der dafür fällige Schadenersatz dürfte in dieser Fallgruppe in Deutschland kaum die astronomischen Höhen erreichen, wie sie aus den Urteilen aus den USA bekannt geworden sind.

Meiner Meinung nach muss ich für den Fall einer Privatkopie mich gar nicht auf die sogenannte analoge Lücke zurückziehen, um Strafbarkeit zu vermeiden.

Anders ist das ganze aber zu bewerten, wenn ich das DRM aushebele und die dann gewonnene Kopie ins Internet stelle. Das ist dann nicht nur schadenersatzpflichtig, sondern auch strafbar. Und der Schadenersatz kann dann auch in Deutschland schnell erschreckende Höhen erreichen.

Meine Meinung ist zu diesem Thema: Vergütungspflicht ja, wenn der Urheber das fordert.  Aber wenn vergütet wurde, muss eine deutlich freiere Verwendung als heute möglich sein. Das DRM-System gehört abgeschafft. Das Recht auf Privatkopie muss wieder auf den Stand vor der letzten Urheberrechtsnovelle zurückgeführt werden. Alle anderen und zusätzlichen Forderungen der PIRATEN zu diesem Thema unterstütze ich ebenfalls vollinhaltlich.

Die daraus resultierende spannende Frage ist, wie ein Vergütungsrecht der Urheber gestaltet werden soll, wenn digitale Inhalte frei kopierbar sein sollen.

Im Bundestagswahlprogrammäußern sich die PIRATEN so dazu:

Medien- oder Hardwareabgaben: Eine Neubewertung der Pauschalabgaben ist nötig. Bis zu dieser Neubewertung wird im Sinne des Transparenzgebotes angestrebt, sowohl das resultierende Aufkommen nach Medien/Geräteart als auch seine Verteilung nach Empfänger öffentlich zu machen.

Ich schließe daraus, dass man sich die Tür für Pauschalabgaben auf für das Internet nicht völlig verschließen möchte, auch wenn man eigentlich dagegen ist.

Es gibt nicht nur bei den PIRATEN  Sympathisanten von Pauschalabgaben auf Geräte und Internetzugängen genauso wie deren erbitterten Gegner. Die Sympathisanten der Pauschalabgaben zerfallen noch mal in die, welche eine Kulturflatrate für das kleinste Übel und damit das verfolgenswerteste System halten und die welche die Pauschalen nicht von den Nutzern, sondern von den Geräteherstellen beziehen möchten.

Ich finde die mir bekannten Argumente gegen die Kulturflatrate, sowie alle anderen Pauschalabgaben alle nachvollziehbar und auch richtig. Die ausführlichste und nachvollziehbarste Argumentation gegen Pauschalen habe ich bei netzwertig gefunden.

Was meiner Meinung nach aber überhaupt nicht geht ist, die freie Kopierbarkeit und die Abschaffung des DRM durchzusetzen und zu legitimieren ohne ein alternatives Vergütungssystem zu haben. Von der Idee, die Vergütung für Werke ganz abzuschaffen und nur noch verbundene Dienstleistungen zu honorieren, halte ich gar nichts. Andere brauchbare Ideen als über Pauschalabgaben zu vergüten, sind mir allerdings noch nicht in der Diskussion begegnet. Deswegen bin ich für eine Pauschalabgabe für  Internetanschlüsse, solange man kein besseres System gefunden hat. Diese Abagbe sollte für alle digitalen über das Internet verbreitetbaren Inhalte gelten.

Allerdings ist in dieser Sache nicht nur der Gesetzgeber gefordert. Es ist schon heute jedem Kulturschaffenden möglich, auf den viel zu weitgehenden Schutzmechanismus des heutigen Urheberrechts zu verzichten. Man muss ja nicht zwingend den ganzen Rahmen der Schutzmöglichkeiten nutzen. Man kann z.B. mit Hilfe der Creative Commons Lizenz unbhängig von Gesetzen ein Stück Kultur oder Wirtschaftsgut schaffen, welches die vielen Vorteile der Digitalisierung nutzbar mach und Kreativität nicht unnötig einschränkt.

Wenn immer mehr Kulturschaffende sich nur noch Verlage oder Musiklabels aussuchen, die mit Creative Commons arbeiten, statt ihre Kunden zu knebeln, kann es eine Lösung über den Markt statt über den Gesetzgeber geben.

Politik | 5 Kommentare »

Buchrezension Freie Kultur – Lawrence Lessig


Es dürfte wohl keinen Punkt des Partei- und auch des Wahlprogramms der PIRATEN geben, der so schwer zu vermitteln ist, wie die Frage nach der Neuregelung des Urhebenrrechts. Die PIRATEN stehen im Ruf, Kulturschaffende und Softwareentwickler wirtschaftlich ruinieren zu wollen, weil sie u.a. die völlige Beseitigung des digitalen Rechtemanangements (DRM) und die legale freie private Kopie im Internet fordern. Letztlich kommt auch der Name der Partei aus diesem wesentlichen Kern des Forderungskatalogs.

Das häufigste Missverständnis besteht darin, dass viele glauben, Urheber sollen mit ihrer Arbeit kein Geld mehr verdienen dürfen, da ja alles frei kopierbar sein soll.

Das Urheberrecht ist kein triviales Thema. Die Dokumente der PIRATEN zu den Hintergründen sind eher ungeeignet, den interessierten juristischen Laien in die Lage zu versetzen die Ideen der PIRATEN fundiert begründet zu verbreiten. Das Programm der PIRATEN basiert in diesem Punkt auf den Arbeiten des Stanford-Rechstsprofessors Lawrrence Lessig. Lessig ist einer der prominentesten Kritiker des aktuell geltenden Urheberrechts. Er ist u.a. Mitbegründer von Creative Commons. Sein populärstes Buch ist “Freie Kultur”.

Er vertritt dort u.a. die Meinung, dass die Verwertungsgesellschaften in den letzten Jahren durch massive Lobbyarbeit einen unzumutbaren Rechtszustand herbeigeführt haben, welcher dazu führen wird, dass Kreativität und Kultur nachhaltig verhindert wird, was letztlich wieder der Gesellschaft einen großen Schaden zufügt.

Er ist nicht der Meinung, dass Urheber nicht mehr vergütet werden sollen. Er stellt allerdings fest, dass das Internet eine Wirklichkeit geschaffen hat, mit der das geltende Recht nicht mehr fertig wird. Als Reaktion werden durch die Gesetzesnovellen Millionen eigentlich rechtschaffender Bürger kriminalisiert. Lessig vergleicht das mit den Problemen des Grundstückrechtes bei Aufkommen des Flugverkehrs. Als es noch keine Flugzeuge gegeben hat, reichte das Grundstücksrecht unbegrenzt in den Himmel hinein. Dies wurde mit Aufkommen des Flugverkehrs zu einem Problem. Jeder Flug hätte mit jedem Grundstückseigentümer einzeln bezüglich der Überflugsrechte verhandelt werden müssen. Das hätte zum sicheren Ende der Fliegerei geführt. Ähnlich ist es tatsächlich mit der heutigen digitalen Technologie. Das absolute geistige Eigentum kollidiert massiv mit den technischen Möglichkeiten des digitalen Raumes.

Diese Möglichkeiten wurden bei Schaffung des Urheberrechtes nicht vorhergesehen. Die Gesetzgeber gehen nun auf Druck der Lobbiisten den Weg der Verschärfung des Urheberrechtes zu Lasten der Nutzung der neuen technischen Möglichkeiten. Dies ist das Gleiche, als wenn man damals die Rechte der Grundstückseigentümer zu Lasten Flugzeuge durchgesetzt hätte. Ein ernstzunehmender Ausgleich der Interessen der Nutzer und der Urheber findet zurzeit jedenfalls nicht statt.

Lessig schlägt vor, nicht einen Weg des entweder oder zu gehen, sondern wenigstens den Versuch eines fairen Ausgleichs der Interessen zu unternehmen, weil die Gesellschaft als Ganzes dadurch massiv profitieren würde.

Seine konkreten Vorschläge:


  • Urheberrecht soll nicht mehr automatisch entstehen, sondern einen formalen Akt der Anmeldung erfordern. Dies schützt dann nur noch diejenigen, die den Schutz auch in Anspruch nehmen wollen und stellt nicht automatisch alles, was jemals produziert wurde unter Schutz. Es macht vor allem die Klärung der Recht für Nachbearbeitungen einfacher.

  • Urheberrecht soll nicht mehr einfach so für sehr lange Zeiten (zB 90 Jahre) gelten, sondern alle 5 Jahre mit einem sehr einfachen Antrag (verbunden mit einer symbolischen Gebühr) verlängerbar sein. Dadurch wird jeder Urheber dazu gebracht, regelmäßig darüber nachzudenken, ob er sein Werk nicht doch lieber gemeinfrei stellen möchte.

  • Kennzeichnungspflicht: Es soll klar erkennbar sein, was geschützt ist und was man einfach so verwenden kann. Was nicht gekennzeichnet ist, ist nicht geschützt.

  • Freie Nutzung: sicherlich die umstrittenste Forderung. Hier liegt aber auch das populärste Missverständnis zu diesem Thema. Hier ist nicht frei im Sinne von gratis gemeint. Lessig fordert ausdrücklich eine Vergütung für den Urheber. Allerdings sollte diese Pauschal und sehr einfach geregelt sein. Der Urheber soll nicht mehr bestimmen können, was nun genau mit seinem Werk geschieht. Er darf die Nutzung nicht mehr so ausführlich beschränken, wie das heute mit dem DRM geschieht. Wer sich die Lizenzbestimmungen von Napster oder iTunes ansieht, versteht was Lessig meint. Ein Napster Kunde zahlt, 9,99 Euro pro Monat für einen volumenmäßig unbegrenzten Download. Er muss aber bei der Nutzung hoch komplizierte Beschränkungen beachten, um sich nicht rechtswidrig zu verhalten. Er darf zB die Musik eigentlich nicht auf einem iPod abspielen. Hier verlangt Lessig klare Regeln. Wer nutzt, der soll zahlen, ist dann aber nicht mehr beschränkt in der Nutzung. Das ist was anderes als ein rechtsfreier Raum! Außerdem wären dann endlich auch Werke, wie “Lord of the Weeds” (zu sehen u.a. auf youtube) nicht mehr durch Filmgesellschaften verhinderbar. Das wäre durchaus ein Gewinn.


Ich halte die Vorschläge Lessig für wegweisend. Die aktuelle Rechtslage auch in Deutschland ist zu einseitig auf die Interessen der Verwertungsgesellschaften gerichtet. Die PIRATEN haben sich die Forderungen Lessigs zu eigen gemacht. Sie werden dafür immer wieder auf übelste und polemische Art in die Ecke gestellt und es wird ihnen vorgeworfen, den Ruin der Urheber im Sinn zu haben. Das Gegenteil ist richtig. Die Umsetzung der Forderungen der Piraten würden den Urhebern ziemlich sicher mehr Geld einbringen als der heutige Zustand der Kriminalisierung von Millionen von Menschen. Die immer noch eher schwache Nutzung der Möglichkeiten des legalen kostenpflichtigen Downloads hängen auch mit dem DRM-Wahnsinn zusammen.

Dieses Buch gehört jedenfalls in den Bücherschrank jedes PIRATENS (nachdem er es natürlich gelesen hat).

Bewertung: *****

Grundlagen Enterprise 2.0, Lesen für Kohle, Politik, Sachbuch, Wirtschaft, zeitlose Klassiker | 1 Kommentar »

Auch kleine zeitliche Beiträge können politisch wirken


Als Reaktion auf meine eigenen Berichte und die Berichterstattung in der Presse auf mein Engagement bei den PIRATEN habe ich immer wieder die Frage gestellt bekommen, ob ich eigentlich nicht als Vorstandsvorsitzender genug zu tun hätte, dass ich mich auch noch politisch engagieren müsste.

Diese Frage ist natürlich berechtigt.

Mein Job bindet mich zwischen 50-70 Stunden in der Woche. Das ist seit 17 Jahren so und ich denke nicht, dass sich das künftig ändern wird.

Hinter der Frage verbirgt sich auch die Vorstellung, dass man ganz erheblich an Zeit aufwenden muss, um sich politisch zu betätigen. Ich kenne das Innenleben der übrigen Parteien nicht und ich bin auch bei den PIRATEN noch nicht lange dabei. Aber ich habe bei den PIRATEN eine Besonderheit wahrgenommen, die ich sehr schätze: Man kann mit einem kleinen zeitlichen Einsatz eine Menge bewegen.

Das liegt auch daran, dass sich die PIRATEN sehr stark über das PIRATEN-WIKI organisieren. Dieses Wiki ist eins der aktivsten, das ich jemals gesehen habe. 4.500 registierte Nutzer erzeugen deutlich über 1.000 Bearbeitungen pro Tag. Überhaupt erinnert die Parteiorganisation sehr stark an die Struktur und Methodik von Open Source Software Projekten und offenen Projekten, wie Wikipedia oder Open-Street-Maps. Jeder kann hier dann, wann er Zeit und Lust hat, wertvolle Beiträge leisten. Jedes Talent findet hier ein Betätigungsfeld.

Die Treffen im realen Leben finden unter anderen bei den Stammtischen statt. Auch diese werden über die Wikis vorbereitet und protokolliert, wie man auch schön an dem Bielefelder Stammtisch sehen kann. Ich finde die Effizienz dieses Stammtisches jedenfalls bemerkenswert. Parallel wird das ganze noch, wie auch in anderen offenen Projekten mit Mailinglisten begleitet, was noch weiter zur Effizienz beiträgt.

Bei den Piraten scheint es eine Menge Menschen zu geben, die sich sowohl mit Kleinbeiträgen als auch mit sehr viel Zeiteinsatz einbringen. Es ist hier gerade nicht so, dass wenige viel machen und der Rest nur staunend konsumiert.

Ich selber werde einen Abend pro Monat in die PIRATEN investieren. Nur jetzt vor der Bundestagswahl werden es eher 2-3 Abende pro Monat sein. Das machen viele aus dem Bielefelder Stammtisch ähnlich. Ein paar engagieren sich auch deutlich stärker.

Ich strebe weder ein Amt noch ein Mandat bei den PIRATEN an, werde aber gerne an der Basis mithelfen, politisch zu wirken. Und ich würde es richtig gut finden, wenn Organisationsformen, wie bei den PIRATEN dazu führen würden, dass sich wieder mehr Menschen an der Politik beteiligen und zwar gleichgültig für welche der zugelassenen Parteien. Schaden würde das unserer Gesellschaft jedenfalls nicht.

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Bericht in der Lippischen Landeszeitung zum PIRATEN-Stammtisch in Detmold


Am 30.7.2009 findet um 19:00 der erste Lippische Stammtisch der PIRATEN in Detmold im Stuck statt. Hier sind nicht nur Mitglieder der PIRATEN willkommen, sondern alle die sich für die Partei oder deren Themen interessieren. Weitere Informationen dazu gibt es hier im PIRATEN-Wiki.

Die Lippische Landeszeitung hat heute über den kommenden Stammtisch berichtet und auch einen Kommentar zu den PIRATEN gebracht:

LZ-20090722-S10-PIRATEN-Stammtisch

LZ-20090722-S10-PIRATEN-Kommentar

Ich habe eine freundliche Genehmigung der LZ zur Veröffentlichung des Artikels hier. Wer nicht nur durch Verlinkung, sondern durch Einbindung der Bilddateien in einem anderen Medium den Artikel veröffentlichen möchte, braucht eine eigene Genehmigung der LZ dazu.

Es ist zwar nicht richtig, dass ich zu dem Stammtisch einlade, sondern die PIRATEN, die ich hier als Mitglied vertreten habe, aber ich bin ganz froh über diese neutrale bis postive Berichterstattung über die PIRATEN, so dass ich diesen kleine Fehler verzeihlich finde.

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Wir sind alle Isländer – Halldór Gudmundsson


Untertitel: Von Lust und Frust, in der Krise zu sein

Ich war bereits zwei Mal auf Island (2001 und 2004) und bin ein großer Fan dieser Insel. Die Landschaft ist einfach monumental und die Mentalität der Isländer hat mir auch sehr gefallen. Das sind im Prinzip Norddeutsche mit einer für usn merkwürdigen Sprache. Vor allem ist es im Sommer dort nicht zu warm.

Nächste Woche werde ich das dritte Mal Island besuchen und da kam mir dieses Buch zur Vorbereitung gerade recht. Ich hatte schon vor diesem Buch einiges zu der Krise auf Island gelesen, vor allem in der brandeins.

Es wird einem ziemlich mulmig bei der Lektüre. Es wird beschrieben, wie es zu der Krise kam und vor allem, was sie nun konkret für die Menschen auf Island bedeutet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in der Finanzkrise ist hier nicht eine einzelne Bank, sondern gleich das komplette Bankensystem kollabiert. Das betrifft dann eben nicht nur ein paar Spekulanten, sondern jeden in diesem Land. Die Arbeitslosigkeit ist genau so hoch geschnellt, wie der Kurs der isländischen Krone herunter gerauscht ist. Die privaten Ersparnisse sind flächig vernichtet, die Schulden durch eine in Island übliche Fremddevisenbindung förmlich explodiert. Die Ursachen für die Krise sind auf Island die gleichen, wie im Rest der Welt, hier sind sie auf Grund der geringen Größe der Volkswirtschaft nur viel ungebremster eingeschlagen.

Die Schilderung der Krise wird dadurch sehr viel fassbarer, weil sie auch anhand konkreter Lebenslaufbeispiele beschrieben wird. Dadurch verliert sich die Abstraktheit und schafft eine beklemmende Atmosphäre, obwohl die beschriebenen und interviewten Isländer kaum Selbstmitleid zeigen.

Mulmig wird einem auch deswegen, weil man ja nicht weiß, ob nicht Island nur ein Prototyp dessen ist, was auf die anderen westlichen Industrienationen noch wartet. Wenn das so wäre, kann es noch verdammt ungemütlich werden.

Bewertung: ****

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Hart wie Marmelade – Kai Havaii


Letzten Samstag habe ich einen für mich eher untypischen musikalischen Ausflug in meine Jugendzeit gemacht. Extrabreit haben in Detmold am Herrmannsdenkmal gespielt und ich war als Zuschauer dabei. Die Jungs waren zwar sichtlich in die Jahre gekommen aber immer noch erstaunlich gut. Einige Lieder haben mir live in den vorsichtig überarbeiteten Fassungen besser gefallen als in den alten Studioversionen.

Ich habe das Konzert zum Anlass genommen ein bisschen bei Wikipedia über die Band nachzulesen und bin darauf gestoßen, dass Kai Havaii ein autobiografisches Buch geschrieben hat, was sehr gute Kritiken bekam. Ich habe es mir dann mal besorgt.

Das Buch ist richtig gut. Havaii hat eine drehbuchartige Schreibe, die mir sehr gut gefällt. Er zeichnet ein Leben, dass mehr Höhen und Tiefen gesehen hat, als die meisten anderen Menschen die ich kenne. Vom Niemand zum Superstar zum Junkie, in den Knast, zu Comeback Versuchen: das ist mehr als die meisten überleben würden.

Bewertung: *****

Belletristik, Humor, Lesen für Kohle, Musik | Keine Kommentare »

Direktkarriere – Gunter Dueck


Gunter Dueck räumt mit allen Lehren der traditionellen Karriereleitfäden auf. Er behauptet, dieses Buch sei eine Ironie. In seiner eigenen Besprechung des Buches stellt er fest, dass das Manager-Magazin in der Buchbesprechung gar nicht gemerkt hat, dass dieses Buch nicht ernst gemeint ist und es allen Ernstes als einen Ratgeber bezeichnet.

Nun ja, dass mit der Ironie ist bei diesem Werk so eine Sache. Ich fürchte, dass die dort ausgesprochenen Empfehlungen für einen schnellen Aufstieg in vielen Unternehmen so ziemlich das Wirkungsvollste ist, was jemals zu diesem Thema geschrieben wurde.

Dueck beschreibt die unterschiedlichen Anforderungen für die Karrierestufen des Abteilungsleiter, des Mittel- und des Topmanagements. Keine der Stufen kommt dabei besonders gut weg. Im wesentlichen empfiehlt er die jeweils für die Karrierstufe passende Neurose so gut wie möglich zu schauspielern, bis man dann endlich am Ziel seiner Träume sich ganz der mansichen Selbstliebe hingeben darf.

Dabei fehlen natürlich nicht die Beschreibungen der Rituale der Wirtschaft, die jeder zur Genüge schon selber erlebt hat. Praktischerweise schreibt er gleich die passenden Musterreden für die unterschiedlichen Managertypen. Die ironische Überspitzung ist dabei minimal.

Dieses Buch ist deswegen so wertvoll, weil es die viele Verhaltensweisen ungeschminkt beschreibt, die zu aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise geführt haben. Es ist ein bisschen wie eine Immunisierungskur gegen eine Art von Karrierristen, die eigentlich immer allen schaden und nur Katastrophen verursachen.

Ich fürchte nur, als Leitfaden für eine Direktkarriere wird es immer weniger taugen. Jedenfalls möchte ich das in meinem Optimismus glauben.

Bewertung: *****

Humor, Lesen für Kohle, Wirtschaft, zeitlose Klassiker | Keine Kommentare »

Der Ausverkauf geht weiter


Nachdem nun mein neuer MediaCenter einwandfrei seinen Betrieb aufgenommen hat, kann nun auch mein DVD-Player weg. Ich habe ihn auf amazon gelistet.

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Teil 2 Interview mit Markus Beckedahl für das DNAdigital Politikbuch


Weiter gehts mit dem 2. Teil. Den ersten findet ihr hier. Es wird noch mindestens einen dritten Teil geben.

FR: Ich habe den Eindruck, dass die Politiker insgesamt nur sehr schwach auf die Technikkompetenten, vor allem auf die Blogger reagieren und sich kaum darum kümmern, was sie so sagen. Teilst Du diesen Eindruck und wenn ja, worauf führst Du das zurück?

MB: Wir haben immer noch eine digitale Spaltung in unserer Gesellschaft. Und in der Politik scheint die digitale Spaltung noch ausgeprägter zu sein. Das liegt auch an dem hohen Durchschnittsalter unserer Politiker. Es gibt über alle Fraktionen hinweg wenige Politiker, die über Netz-Kompetenz verfügen und eine Technologie-Folgeabschätzung ihrer Gesetze richtig treffen können. Leider wird auch zu wenig Netz-Expertise von Außen eingeholt. In den Anhörungen zu Netzpolitik-relevanten Gesetzen sitzen in der Regel nur Juristen, aber kaum Techniker und schon gar keine Blogger. Gleichzeitig leben viele Politiker noch in der alten Medienwelt und sehen das Internet nur als großen Gefahrenherd. Hier erleben wir eine breite Kluft zwischen den Menschen, die das Netz in ihr Leben integriert haben und denjenigen, die von außen mit vielen Ängsten auf diese neue digitale Gesellschaft blicken. Wünschenswert wäre ein größerer Dialog zwischen diesen beiden Gruppen, um bessere Rahmengesetzgebungen für die digitale Gesellschaft zu schaffen.

FR: Diese Begründung, dass die Politiker einfach keine Ahnung vom Netz haben, hört man ziemlich häufig von Bloggern. Könnte es nicht auch eine Rolle spielen, dass Politiker Blogger einfach nicht ernst nehmen, weil sie sich immer nur auf sich und ihre Bloggerei beziehen und schwierige Themen wie beispielsweise Sozial- Sicherheits- und Wirtschaftspolitik schlicht nicht in der Blogosphere stattfinden? Don Alphonso argumentiert ja immer wieder mal in diese Richtung.

MB: Warum sollten Politiker nicht auf Blogger bei Netz-relevanten Themen hören? Immerhin wissen diese oft kompetent über das Thema Bescheid und stehen Politiker-Anfragen auch offen gegenüber. Nur kommen diese nicht. In der Sozial- Sicherheits- und Wirtschaftspolitik hören Politiker doch auch gerne Experten aus den jeweiligen Themenfeldern an. Die genannten Themen werden übrigens noch recht gut vom traditionellen Journalismus behandelt. Natürlich wäre es schön, wenn mehr Blogger darüber schreiben werden. Aber im Bereich der Netzpolitik gibt es im traditionellen Journalismus eher wenig Berichterstattung und Blogger füllen diese Nische. Das Thema Netzpolitik ist im Übrigen nicht weniger schwierig oder weniger komplex als andere politische Themen. Wenn Politiker den Rat von Experten nicht ernst nehmen, müssen sie sich nicht wundern, wenn sie im Gegenzug von diesen weniger Ernst genommen werden. Insofern teile ich die Argumentation nicht, dass Politiker nicht auf Blogger im Themenfeld Netzpolitik hören, nur weil diese nicht auch soviel über Sozialpolitik schreiben.

FR: Ich glaube, jetzt nähern wir uns einem kritischen Punkt. Ich bin selber begeisterter Blogleser. Außer Deinem Blog netzplitik.org wüsste ich jetzt aber wirklich keinen weiteren, dem ich heute auf Anhieb ansehe, dass sich dahinter Expertise in Netzpolitik verbirgt. Machen es nicht die meisten anderen Blogger den Politikern es unglaublich schwer, hinter den zum Teil heftig polemischen Beiträgen Expertise zu erkennen?

MB: Ich kenne viele gute politische Blogs innerhalb meines Themenfeldes. Viele davon sind nicht aus Deutschland und fast alle deutschsprachigen konzentrieren sich auf ein Nischenthema innerhalb der Netzpolitik und zeigen dort eine Menge Expertise. Diese aggregieren wir meist auf netzpolitik.org. Dazu gibt es Unmengen an weiteren Blogs. Viele Blogger schreiben über Themen, die sie interessieren. Das ist oftmals klassische Anschlusskommunikation, die es früher auch schon gab. Aber die Kommunikation und die damit manchmal verbundene Polemik wurde früher oft nicht sichtbar, weil sie nur am Stammtisch oder im Bekanntenkreis artikuliert wurde. Ein Politiker sollte daher in der Regel in der Lage sein, Expertise auch bei Bloggern zu erkennen, wie bei “normalen” Bürger-, Journalisten- oder Lobbyistenanfragen auch.

FR: Kannst Du ein paar Beispiele konkret benennen?

Um nur mal eine handvoll Beispiele zu bringen: Alvar Freude bloggt über Netzzensur auf blog.odem.org, Patrick Breyer über Datenschutz auf daten-speicherung.de, zum selben Thema bloggt auch Jens Ferner auf datschutzbeauftragter-online.de, Rechtsfragen der Informationsgesellschaft thematisiert telemedicus.de und ebenfalls über juristische Netzpolitik-Themen bloggt Thomas Stadler auf internet-law.de. Dazu kommen noch viele gute Blogs, die einen viel breiteren Themenfocus haben und manchmal was Gutes zu Netzpolitik bloggen.

FR: Dann haben wir es ja mindestens mit zwei unterschiedlichen Problemem zu tun. Es gibt kompetente Blogger im Bereich Netzplitik, auf welche die Politik nicht hört und dann haben wir die ganzen kompetenten jungen Menschen, die sich sehr gut mit den vielfältigen anderen politischen Feldern auskennen aber nicht darüber bloggen. Hast Du eine Idee, warum man diese im Internet so gut wie nicht finden kann?

MB: Ich wundere mich z.B. seit Jahren, warum es noch kein gutes Umweltschutz-Blog in Deutschland gibt. Dabei gibt es viel mehr, auch junge, Experten rund um das Thema als in der Netzpolitik. Diese nutzen wahrscheinlich noch nicht so sehr das Netz, um auch zu senden, sondern eher als Informations- und Kommunikationsraum. Das wird sich sicherlich noch ändern.

FR: Hast Du den Eindruck, dass das politische Engagement bei den Internetnutzern gerade anwächst?

MB: Ja und das freut mich sehr. Vor einigen Jahren konnte man “die üblichen Verdächtigen” in der Netzpolitik an wenigen Händen abzählen. Angefangen hat es richtig mit der Kampagne gegen Softwarepatente Anfang des Jahrtausends, die tatsächlich auf EU-Ebene und durch das Netz vernetzt diese Gesetzgebung aufgehalten und verhindert hat. Die Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherung brachte dann 2007 15.000 Menschen zu einer Demonstration für digitale Bürgerrechte in Berlin zusammen. 2008 steigerte sich das noch auf rund 70.000 Demonstranten vor dem Brandenburger Tor und rund 34.000 Menschen schlossen sich der größten Massenklage in der Geschichte des Bundesverfassungsgericht gegen die Vorratsdatenspeicherung an. Und dieses Jahr haben 134.000 Menschen die größte ePetition in der Geschichte des ePeitionsservers des deutschen Bundestages gezeichnet. Im Rahmen der Zensursula-Kampagne haben sich viele zum ersten Mal politisch im Netz geäußert. Nicht alle davon tun das regelmäßig, die meisten nur wenige Male, aber es ist trotzdem ein Zeichen dafür, dass das politische Engagement bei den Internetnutzern anwächst. Es wurde auch endlich Zeit, dass viele sich einmischen und Stellung beziehen: Aktuell werden die Rahmenbedingungen für die digitale Gesellschaft geschaffen. Und das von Politikern, die im digitalen Zeitalter noch nicht angekommen sind. Das betrifft uns Alle, die wir schon das Netz in unser Leben integriert haben.

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Eine kleine Hilfe gegen die ständigen Demütigungen durch iPhone Nutzer


Ich nehme mal an, dass so ziemlich jeder Blackberry Nutzer sich schon mal durch einen iPhone Yuppie vorführen lassen musste, weil es für das iPhone so viele Applikationen gibt und für Blackberry so gut wie nix.

Mein Bruder hat am Wochenende mal ein bisschen recherchiert und eine sehr schöne Aufstellung von hilfreichen Blackberry Apps erstellt. Damit kann man wenigstens bei den wichtigsten Anwendungsgebieten ein bisschen die Lücke zu den Bionadetrinkern schließen.

2 wichtige Apps würde ich seiner Liste noch hinzufügen:


  • Xing, einfach www.xing.com im Blackberry als url nehmen, dann wird der Downloadlink angezeigt.

  • Facebook

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Ich verkaufe meinen Festplattenrekorder


Alt ist er bei mir nicht geworden und ich bin nicht unzufrieden mit dem Teilchen. Aber das Bessere ist des guten Feind. Ich werde doch wieder auf eine Mediacenterlösung umsteigen und deswegen muss er raus. Ich habe ihn gerade bei amazon für 349 Euro gelistet.

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Interview mit Markus Beckedahl für das DNAdigital Politikbuch


In meinem Blog findet das Interview von Markus Beckedahl im Rahmen des Buchprojektes DNAdigital Politikbuches statt. Das heißt in diesem Falle ausnahmsweise: Ich interviewe Markus. Das ist für mich mal ein interessanter Seitenwechsel.

Das vorläufige Inhaltsverzeichnis für das Buch findet ihr hier.

Ulrike Reinhard die Herausgeberin des Buchs sagt über die Stoßrichtung dieses Projektes:

“Eine Generation, die Nachts ihr Handy nicht ausstellt und morgens unmittelbar nach dem Aufstehen nachsieht, was über MSN, Mail oder SMS reingekommen ist, die wie bescheuert ihre XING/StudiVZ/Facebook-Accounts pflegt, muss sich von einer Politikergeneration, die sich das Internet ausdrucken lässt, fundamental missverstanden fühlen. Es geht also gar nicht so sehr um politisch-ideologische, sondern um kulturelle/Lifestyle-Differenzen. Anders als in den 70ern, als viele der damals jungen 68er zum Beispiel in die Volkspartei SPD strömten und die Partei erneuerten, ist die vergleichbare – heute wegen des demografischen Wandels radikal kleinere – Alterskohorte der 20-35-Jährigen in den etablierten Organisationen (Parteien, Gewerkschaften, Kirchen,...) unterrepräsentiert mit der Folge, dass die kulturelle Kluft zunimmt.

Wir wollen mit dem Buch eine Brücke bauen ….”

Das Interview hier findet in so einer Art Fernschachpartie statt. Ich stelle eine oder mehrere Fragen und Markus Beckedahl wird sie dann beantworten. Ich stelle dann die nächsten Fragen usw.

Für die Wenigen, die nicht wissen, wer Markus Beckedahl ist und nicht zu den regelmäßigen Lesern von netzpolitik.org gehören, gibt es hier Infos zu ihm: Markus BeckedahlW

Und wer wissen will, wer hier so neugierig fragt, kann hier nachsehen.

Ihr könnt hier gerne mitdiskutieren oder Fragen stellen.

Und los gehts gleich mit den ersten Fragen:

Frank Roebers: Was ich spannend fand, war das Interview mit der Initiatorin der Petition gegen die Änderung des Telemediengesetzes (Internetsperren gegen kinderpronografische Inhalte) und Ursula von der Leyen in der Zeit-Online vom 25.6.2009.

Da hat Ursula von der Leyen gesagt:
“Ich meine: 134.000 Zeichner, das ist schon etwas. Aber es gibt 40 Millionen Internetnutzer. Jetzt beginnt die Phase, in der man erkennen wird, ob Sie nachhaltig dranbleiben. Politik besteht aus Meinungsäußerung, aber danach muss man sich Mehrheiten suchen und auch Alternativlösungen anbieten. Das ist das Entscheidende.”

Hat sie damit nicht Recht? Die Internetnutzer haben nun endlich entdeckt, dass man auch politisch aktiv werden kann. Der Erfolg war sensationell. Aber es war eben nur eine relativ kleine Minderheit, die hier ihren Willen ausgedrückt hat. In einer Demokratie regieren aber Mehrheiten. Hat man sich erst überschätzt und giftet nun schmollend gegen die Verabschiedung des Gesetzes, statt sich weiter gestaltend an der Willensbildung zu beteiligen?

Markus Beckedahl: Die Debatte rund um die Zensursula-Gesetzgebung wurde von einer kleinen, aber sehr informierten Öffentlichkeit geführt. Das Thema ist äusserst komplex und mit dem sehr polarisierenden Thema Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet befand man sich immer mit einem Schritt in der (medialen) Falle, Kinderpornographie doch zu verharmlosen und zu unterstützen. Trotzdem haben mehr Menschen diese Petition unterstützt als jede andere Online-Petition zuvor. Sie haben offen gesagt: Wir wollen alle Kinderpornographie bekämpfen, aber die von der Politik gewählten Mittel sind falsch, helfen wenig beim gemeinsamen Ziel und gefährden unsere Grundrechte durch die Einführung einer Zensurinfrastruktur. Ich freue mich, dass dieses Thema soviele Menschen mobilisiert hat, sich Gedanken über die Digitale Gesellschaft zu machen, sich zu vernetzen und ad-hoc über soziale Medien zu organisieren und gemeinsam eine Opposition gegen diese Gesetzgebung zu bilden. Und ich hoffe, dass viele dabei bleiben, sich nicht demotivieren lassen von einer Politik, die nicht zuhören will, sich nicht auf gute Argumente einlässt und die digitale Welt nicht verstehen will. Wir müssen uns gemeinsam unsere digitalen Grundrechte zurück holen, die uns schleichend in den letzten Jahren genommen wurden.

FR: Ich bin mir nicht sicher, ob Du mit der Meinung, dass die Politik nicht zuhören will, richtig liegst. Ich habe eher den Eindruck, sie hört sehr wohl zu, kommt aber zu anderen Schlussfolgerungen. Die Politiker haben sich nach den Mehrheiten zu richten und diese schweigt entweder zu diesem Thema oder ist eindeutig für das Sperrgesetz. Die Politiker bekommen nun die Meinung einer kleinen Elite deutlich zu hören. Wären sie denn gut beraten, sich nach ihr zu richten?

MB: In der Zensursula-Debatte wurde zwar manchmal von einigen hingehört. Das wurde aber vor allem dazu genutzt, den vorher eingeschlagenen Weg besser zu verkaufen, indem man artikulierte, man habe doch Kritik aufgenommen. Viele in der Politik haben sich aber gar nicht an der Diskussion beteiligt. Im Endeffekt wurden die Mehrheiten für die Abstimmung mit der Bild-Zeitung als Drohkulisse beschafft. Eine richtige und rationale Debatte über das Thema und die richtigen Massnahmen war kaum möglich, wenn das Hauptargument ist “Wenn nur ein Kind durch diese Massnahmen geschützt werden kann, müssen wir es tun”. Kein Wunder, dass die schweigende Mehrheit dafür ist, die zudem nicht wirklich in der Lage ist, Technologiefolgeabschätzung bei der Einführung einer Zensurinfrastruktur zu machen. Das war nicht die informierte Öffentlichkeit bei diesem Thema, die Technik-Kompetenten waren fast einhellig anderer Meinung. Ich hätte es besser gefunden, die Politik hätte vorher die Debatte mit interessierten Öffentlichkeiten gesucht, wie man Kinderpornographie im Netz effektiv bekämpfen kann. Das hätte andere Antworten geliefert. Unter den Voraussetzungen der Debatte haben die neuen Öffentlichkeiten im Netz gezeigt, dass viel Potential vorhanden ist, sich irgendwann, z.B. mit professionelleren Infrastrukturen, Mehrheiten zu organisieren. Man muss ja berücktsichtigen, dass fast alles Engagement ehrenamtlich und in extrem kurzer Zeit erfolgt ist. Das war schon ein ziemlicher Achtungserfolg, zum Schluss die Debatte zumindest medial etwas zu drehen.

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mein treuer Begleiter mit 8 Megapixeln muss weg


Ich habe mir nun endlich eine Spiegelreflexkamera gekauft. Deswegen möchte ich nun meine alte Kamera verakufen. Ich habe sie gerade bei amazon für 179 Euro gelistet:

Die Produktbeschreibung dort sagt fast alles, was ich dazu schreiben würde. Das Ding ist wirklich gut. Wer gute Bilder schießen möchte, ohne gleich ein Fotografiestudium absolvieren zu müssen, wird damit sehr zufrieden sein. Am meisten hat mich die Anti-Verwackelfunktion begeistert. Wer Bilder sehen möchte, die ich damit geschossen habe, kann mal bei Flickr in meinem Account reinschauen.

Technikschnickschnak | 1 Kommentar »

Ist Twitter die Geriatrie Abteilung des Internets? Ergebnis meiner kleinen Laienempirie


Ich bekomme immer zu hören, dass meine Generation (die ich jetzt mal willkürlich als die 35-45 jährigen definiere) im Gegensatz zu den sogenannten Digital Natives total rückständig bei der Nutzung von Web 2.0 sei. Diese jungen Menschen sind schließlich im Gegensatz zu uns mit dem Internet aufgewachsen und hätten deswegen einen total intuitiven und genialen Umgang mit den im Internet zur Verüfgung stehenden Werkzeugen.

Die ersten Zweifel schlichen sich bei mir ein, als ich ein wenig die Rap-Kapelle meines Cousins “Premium League” unterstützt und beraten habe. Die Jungs sind zwischen 20-25 Jahre alt. Ich war schon nach kurzer Zeit ein wenig irritiert. Als ich vorgeschlagen habe, eine Bandseite gleich als Social Network bei ning einzurichten, erntete ich ziemliche Ratlosigkeit. Das Thema bloggen saß auch nicht so recht und ich konnte sie bis heute nicht so recht motivieren, dass als festes Kommunikationswerkzeug mit den Fans zu nutzen. Das ging immer genau so lange gut, wie ich druckvoll an die Segnungen der Bloggerei erinnert habe. Wenn ich auch nur 2 Wochen nix sage, wird auch nicht mehr gebloggt. Twitter habe ich einmal angesprochen und den erwiderten Gesichtsausdruck zum Anlass genommen, dass Thema nicht noch mal anzusprechen.

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Enterprise 2.0, Unternehmensorganisation | 4 Kommentare »

Warum ich die Piratenpartei unterstütze


In den letzten Jahren hat der Gesetzgeber in Deutschland und Europa jegliches Maß verloren, wenn es um Eingriffe in verfassungrechtlich geschützte Freiheiten geht. Die aktuellen Beispiele (Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Internetsperre zur Bekämpfung von Kinderpornografie, Beschluss der Innenministerkonferenz zum Verbot von “Killerspielen”) zeigen eine Richtung, die nicht nur bei mir, sondern bei einer wachsenden Anzahl von Menschen Widerstand auslöst.

Ich habe die Petiton gegen die geplanten Internetsperren mitgezeichnet und war entsetzt, dass ich mir danach in Interviews unserer Familienministerien und des Wirtschaftsministers vorwerfen lassen musste, ich wäre gegen eine wirksame Bekämpfung der Kinderpornografie. Im Text der Petition steht genau das Gegenteil:

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.

Die Petition richtet sich gegen den Gesetzentwurf, weil er erstens ungeeignet ist, Kinderpornografie im Netz wirksam zu verhindern und vor allem weil das Bundeskriminalamt keinerlei Kontrolle bei der Einrichtung und Führung der Sperrlisten unterliegt.

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Hilfeaufruf und aktueller Stand von frank-roebers.de


Es geht voran bei dieser Seite. Das Grundgerüst steht, die meisten dynamischen Inhalte sind eingebunden,  allerdings zeigen sich ein paar technische Probleme, die nicht so leicht zu lösen sind. Ich habe für diese Seite Worpress sowohl als Blog als auch als Content-Management Seite genutzt. Die Einbindung von Widgets macht leider deutlich mehr Schwierigkeiten als ich erwartet hatte.

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Die Vermessung des Glaubens – Ulrich Schnabel


Im Gegensatz zu Dawkins Buch “Gotteswahn” wird hier eine Brücke zwischen Atheisten und religiösen Menschen geschlagen. Schnabel befasst sich an vielen Stellen dieses Buches mit den Argumenten von Dawkins und ich muss zugeben, dass er es geschafft hat, hier deutlich meine Meinung weg von Dawkins zu bewegen. Im Lichte von Schnabels Buch erscheint Dawkins ein mindest so voreingenommener Eiferer zu sein, wie es einige religiöse Fundamentalisten auch sind.

Schnabel befasst sich nicht mit der Frage, ob es einen Gott gibt und welche Religion die richtige ist, oder aber ob Atheisten mit ihrer Leugnung richtig liegen. Man erfährt hingegen sehr viel darüber, in welchen Facetten Religion und Glauben das Leben der Menschen beeinflussen. Schnabel schlägt einen weiten Bogen von der Hirnforschung, über die Evolutionsbiologie, der Theologie zur Philosophie. Er schildert die Schattenseiten der Religionen genauso wie die positiven Effekte. Insgesamt bleibt er dabei ziemlich ausgewogen. Bemerkenswert finde ich die Kombination aus fachlicher Tiefe mit leichter Lesbarkeit.

Er schafft es immer wieder, dass man das Buch für eine Weile zum Nachdenken weglegt und seine eigenen Positionen zu diesem Thema intensiv hinterfragt. Es dürfte eines der wenigen Bücher zu diesem Thema sein, welches nicht nach wenigen Seiten von Anhängern der beiden oft sehr unversöhnlich gegenüberstehenden Lager wutentbrannt in die Ecke geworfen wird. Und das allein ist eine beachtliche Leistung.

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Lesen für Kohle, Religion, zeitlose Klassiker | 3 Kommentare »

Wenn Gott würfelt – Mlodinov


Ich bin auf dieses Buch u.a. durch einen Blogeintrag von Damian Sicking “Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum” war gestern – Der Zufall ist durch nichts zu ersetzen aufmerksam geworden. Der Titel führt in die Irre, Gott oder Religion kommen in dem Buch nicht ein einziges Mal vor. Der Untertitel ist da schon klarer: Wie der Zufall unser Leben bestimmt.

Mladinov ist nicht nur ein Physikprofessor, der am Caltech Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik lehrt, sondern auch der Co-Autor von Stephen Hawking bei dem Buch: Die kürzeste Geschichte der Zeit Das ist zwar auch schwere Kost, aber noch das am leichtesten zu verstehende Buch von Hawking.

Ich bin ein bisschen gespalten, was ich von dem Buch halten soll. Einerseits sind die Kapitel über Wahrscheinlichkeitsrechnung in großen Teilen für mich unverständlich geblieben, obwohl ich mich wirklich angstrengt habe. Ein paar Dinge habe ich verstanden, die mir vorher so noch nicht klar gewesen sind, aber z.B. die Ausführungen zu dem Bayeschen Theorem sind echt zu heftig. Ich habe mir ein Zitat zum Trost gemerkt: Es gibt kein anderes Gebiet in der Mathematik, dass auch die größten Experten zu mehr schweren Fehlern verleitet, wie die Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Im Teil Statistik ist mir dann auch klar geworden, woran das Problem der Verständlichkeit liegt. Aufgrund meiner Six Sigma Ausbildung kenne ich mich in Statistik ganz gut aus. Mit diesem Hintergrundwissen, versteht man auch alles ganz gut, was Mladinov schreibt. Ich fürchte, wem dieses Wissen fehlt, wird auch in diesem Kapitel oft die Ausführungen nicht nachvollziehen können. Vielleicht ist es einfach nicht möglich, Physik oder Mathematik populärwissenschaftlich ohne Formeln und den mathematischen Hintergrund zu beschreiben, ohne entweder gefährlich oberflächlich oder unverständlich zu werden.

Die zweite Hälfte des Buches hingegen ist auch ohne wissenschaftlichen Hintergrund mühelos nachzuvollziehen. Hier beschreibt er, wie schwach Menschen darin sind, Zufälle zu erkennen und mit ihnen richtig umzugehen. Wir haben eine überstarke Neigung, Muster auch in zufälligen Ergebnissen zu erkennen und ziehen daraus oft Fehlschlüsse. Mladinov liefert hier zahlreiche Besipiele und wertvolle Empfehlungen, wie man mit dem Einfluss des Zufalls am Besten umgehen sollte. Die verrate ich hier aber nicht, kauft einfach über den Link unten das Buch und lest selber.

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Frische Batterien zur Vermeidung von Quälerei, eine Ossi-Wessi Geschichte


Ost und West-Deutschland haben auch nach 20 Jahren nach der Wiedervereinigung noch deutliche Unterschiede in der Mentalität. Wir machen gerade zum zweiten Mal innerhalb von 5 Jahren Urlaub auf Rügen. Dort haben wir gestern Rüganer kennengelernt, die uns dann spontan zum Grillen nach Hause eingeladen haben.

Ich meine damit fängt das doch schon an. Wie wahrscheinlich ist das in unserer Heimatregion Ostwestfalen Lippe, dass man von Einheimischen nach nur 30 minütiger Kennenlernphase noch am gleichen Tag nach Hause zum Grillen eingeladen wird? Ich halte das nicht für völlig ausgeschlossen. Allerdings dürfte das ungefähr genauso wahrscheinlich sein, wie dass sich in 10 km Höhe über der Erde ein Wal aus dem Nichts materialisiert und über seine Existenz grübelnd zu Boden stürzt.

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Ein ordentlicher Anschiss hilft, ein Lob schadet oder die Tücken der Variation in der Führung


In dem Buch Wenn Gott würfelt oder Wie der Zufall unser Leben bestimmt von Leonard Mlodinov habe ich eine sehr schöne Geschichte gefunden, welche mal wieder von den Tücken der Variation in der Führung handelt.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig die Erkenntnis, dass Arbeitsergebnisse immer einer gewissen Streuung unterliegen, in Führungsprozessen berücksichtigt wird. Dies führt zu teils verhängnisvollen Schussfolgerungen und Entscheidungen.

Mladinov erzählt in seinem Buch, wie der Psychologieprofessor Kahneman in den 60er Jahren den Auftrag bekommen hat, vor israelischen Luftwaffenausbildern einen Vortrag über Verhaltensänderung zu halten. Er betonte in seinem Vortrag, die bis heute verbreitete Hypothese, dass eine Belohung von positiven Verhalten verstärkend wirkt, Bestrafung hingegen nicht.

Dem widersprachen die anwesenden Fluglehrer vehement. Diese Behauptung würde sich in keinster Weise mit ihren eigenen Erfahrungen decken. Immer wenn sie einen Flugschüler für ein besonders gelungenes Manöver loben, fliegt er am nächsten Tag schlechter. Wenn sie hingegen einen Fugschüler wegen miserabler Leistungen anbrüllen haben, fliegt er am nächsten Tag besser.

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Hawkings neues Universum – Rüdiger Vaas


Ich habe mir ja schon mehrfach die Zähne an Hawking ausgebissen und meine frustrierenden Erlebnisse als Leser hier beschrieben. Eine kurze Geschichte der Zeit war für mich völlig unverständlich und hat mich an meinem Verstand zweifeln lassen.

Schon besser bin ich mit Die kürzeste Geschichte der Zeit klar gekommen, aber auch das war schon sehr schwere Kost. Irgendwie lässt mich das Thema aber nicht los. Und nach dem 2. Lesen von Simon Singhs Big Bang fühlte ich mich zu einem neuen Anlauf motiviert und habe mir dieses Buch über Hawkings Ideen vorgenommen, in der Hoffnung, dass seine Ideen durch andere Autoren verständlicher beschrieben sein könnten als durch ihn selbst.

Diese Hoffnung hat sich zumnindest zum Teil erfüllt. Das Buch beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung von Hawkings bisherigen Leben und steigt dann gleich in de Materie ein. Es geht im Wesentlichen um das Urknall Modell und den aktuellen Stand der Wissenschaft zu diesem Thema, zu dem Hawking Wesentliches beigetragen hat. Die neuen Modelle sind sehr kompliziert und ohne sehr weitreichende mathematische Kenntnisse nicht zu verstehen. Vaas unternimmt den Versuch, das Thema weitgehend ohne Mathematik zu erklären und scheitert damit, wie viele ander Autoren vor ihm. Man bekommt als Leser einen Überblick über die Kernideen und die Diskussionstände dazu und bleibt immer wieder verwirrt zurück. Ich zumindest habe den Eindruck gewonnen, dass man seit Einstein, Bohr, Schrödinger und Heisenberg nicht deutlich weiter gekommen ist und sich in immer weiter sich verkomplizierenden Modellen verliert.

Wenn ich das richtig verstanden habe, scheint Hawkings wesentliche Leistung zu sein, dass er das Pfadintegral Modell der aufsummierten Möglichkeiten, welches  Richard Feynman für Quanten entwickelt hat, auf das gesamte Universum anwendet.

Die imaginäre Zeit, die Hawking eingeführt hat, um eine Singularität beim Urknall zu vermeiden, habe ich jedenfalls auch dieses Mal nicht kapiert. Vielleicht sollte ich es einfach sein lassen, es auch nur zu versuchen.

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Knol und Wikipedia – ein Selbstversuch


Seit einigen Monaten betreibt Google mit Knol eine Wettbewerbsplattform zu Wikipedia vorerst noch im Beta-Stadium. Die beiden Projekte haben durchaus ähnliche Ziele und deswegen lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Gemeinsamkeiten, die Unterschiede und vor allem auf die Vor- und Nachteile zu werfen.

Was sofort auffällt, ist dass Knol nicht mal ansatzweise so transparent ist, wie Wikipedia. Man kann nicht so ohne Weiteres einfach mal nachschauen, wieviele Nutzer Knol hat, was die letzten Bearbeitungen waren und wie viele Artikel es überhaupt auf Knol gibt. Beim Einstieg über die Themenportale findet man nur sehr fragementarisch Inhalte. Es scheint überhaupt so zu sein, dass eine systematische Einordnung des dort gespeicherten Wissens nicht so eine herausragende Rolle spielt.

Wikipedia hingegen ist sehr transparent. Über die Spezialseite “Statistik” und über “Letze Änderungen”, sowie zahlreiche andere Seiten kann man sehr deutlich sehen, wie aktiv und dynamisch Wikipedia ist. Ich nehme mal an, dass Knol hier bei einem direktem Vergleich der Zahlen so schlecht abschneiden würde, dass man das lieber nicht veröffentlicht sehen möchte.

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Big Bang Simon Singh


Es gibt Bücher, die sind so gut, dass es sich lohnt, sie mehr als einmal zu lesen. Big Bang von Simon Singh gehört für mich dazu. Ich hatte dieses Buch bereits 2006 das erste mal absolviert und hier beschrieben.

Vor ein paar Wochen sind mir ein paar Stellen aus dem Buch wieder eingefallen, als ich meine Vorlesung an der FHM Bielefeld zu Web 2.0 und Enterprise 2.0 vorbereitet hatte. Das hatte ich dann zum Anlass genommen, mir das Buch noch mal vorzunehmen. Obwohl ich eingentlich nur 2 Stellen nachschlagen wollte, habe ich es dann wieder komplett gelesen.

Er beschreibt die Geschichte der Kosmologie unglaublich packend und absolut laienverständlich, ohne dabei zu oberflächlich zu werden. Beim zweiten Lesen fallen einem ja immer Dinge auf, die einem beim ersten Mal durchgerutscht sind. Das Beste fand ich dieses Mal, wie er den Kampf der alten Theorien gegen die neuen dargestellt hat. Aus heutiger Sicht ist jedem klar, dass nicht die Erde im Mittelpunkt des Universums steht. Aber im 15 Jharhundert war dies alles andere als leicht zu erkennen.

Als die ersten Wissenschaftler anfingen, dass geozentrische Modell in Frage zu stellen, hatten sie eine Menge Widerstände zu überwinden und das waren nicht nur kirchliche. Das heliozentrische Modell konnte eine Menge Beobachtungen einfacher erklären, als das geozenrische. Aber es hatte auch echte Schwächen. So konnte es zum Beispiel anfänglich nicht die Schwerkraft erklären, oder die Bahn des Mars. Erst als Kepler drauf kam, dass die Planeten keine kreisförmigen Bahnen zogen, sondern elipsoide, konnte zumindest die Bahn einiger Planeten besser erklärt werden. Singh stellt immer wieder die alten und die neuen Modelle gegenüber und stellt die damaligen Stärken und Schwächen gegenüber. Das trägt sehr zum tiefen Verständnis der außerordentlichen Leistungen der Wissenschaftler dar. In sich überlappenden historische Zeitlinien erschließt dieses Buch die wesentliche Erkenntnisse, die zum immer besseren Verständnis des Universums beitragen. Man wird als Leser Zeuge, wie erst die Sonne ins Zentrum des Universums rückte, dann die Grenzen unserer Galaxie gesprengt werden, die Relativitätstehorie enstand, festgestellt wurde, dass sich unserer Universum ausdehnt und wie nach und nach das Modell des Urknalls ensteht. Es werden nicht nur die Wissenschaftler, die Streitstände, sonder auch immer die wesentlichen Ideen und Prämissen der jeweiligen Schritte dargestellt. Und das passiert spannend wie ein Krimi.

Das Buch war eine gute Vorbereitung für das nächste Buch zu dem gleichen, Thema das ich gerade lese: Hawkings neues Universum.

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