Das Buch wurde mir von meinem Kollegen Mark Schröder empfohlen. Ich fand von Gladwell “Tipping Point” schon ziemlich gut und das waren 2 Gründe, warum ich zugegriffen habe. Bei der Bestellung bei amazon habe ich mich dann verklickt und aus Versehen die Papierversion bestellt. Und so habe ich seit 6 Monaten zum ersten Mal wieder ein Buch in der klassischen Variante gelesen. Gegenüber dem kindle Format bietet Papier meiner Meinung nach nur Nachteile. Auch die angeblich bessere Haptik von Büchern kann ich nicht mehr bestätigen. Ein kindle liegt deutlich besser in der Hand.
Dieses Buch hebt sich inhaltlich sehr angenehm ab von den anderen Büchern zum gleichen Thema ab. Es wandelt eher auf den Pfaden von Freakonomics. Der Schwerpunkt liegt hier ebenfalls nicht auf der Frage, was für hervorragende Individualfähigkeiten Überflieger haben, sondern es wird genau hinterfragt, welche Rahmenbedingungen den Erfolg zusätzlich begünstigt haben. Gladwell macht sich auf die Suche nach statistischen Mustern und entdeckt einiges Überraschendes: Die meisten Top-Eishockeyspieler in Kanada wurden in den ersten 3 Monaten des Jahres geboren; die meisten Milliardäre aus dem Silicon Valley in den Jahren 1953-56. Die deutlich besseren Matheleistungen von Asiaten scheinen mit dem Reisanbau und dem einfacheren Zahlensystem in China zusammenzuhängen u.v.m.
Der Leser wird hier auf eine spannende Entdeckungsreise geschickt, die deutlich besser verstehen hilft, wie es immer wieder zu Überfliegern kommt.
Nicht alles ist neu, was Gladwell beschreibt. Das Co-Piloten lieber sterben als ihrem Kapitän zu widersprechen wurde schon oft woanders beschrieben und auch das 10.000 Stunden Phänomen ist nicht wirklich neu.
Dieser Roman ist vermutlich näher an der Realität dran als einem lieb ist. Es geht um einen Hedgefonds, der ausschließlich algoritmisch gesteuert automatisiert ein Fondsvolumen von 10 Mrd. USD verwaltet. Die Algoritmen wurden von einem ehemaligen CERN-Forscher (Alex Hoffmann) entwickelt, der um sich ein Team der besten Mathematiker der Welt versammelt hat. Die Geschichte erinnert ein bisschen an den Fall von Long Term Capital Management, nur eben in die unmittelbare Gegenwart verschoben.
Das besondere an der von Hoffmann entwickelten Software ist, dass sie eigenständig lernfähig ist, genau wie HAL aus 2001 Odyssee Weltraum.
Der Fonds ist super erfolgreich, selbst in Zeiten der Krise macht er über 80% Rendite. Gerade als die beiden Gründer noch mal 1 Mrd. neues Eigenkapital einwerben wollen, überschlagen sich die Ereignisse.
Das Buch ist so spannend, dass man es schon nach den ersten 5 Seiten nicht mehr freiwillig aus der Hand legt. Man bekommt nebenbei erklärt, wie Hedgefonds funktionieren und wie gefährlich softwaregesteuerter automatisierter Handel am Kapitalmarkt sein kann. Das Ganze ist in einen packenden Psychothriller eingebettet. Da verzeiht man schon mal kleinere erzählerische Ungenauigkeiten und einen vielleicht doch etwas zu einfach geratenen Sprachstil.
Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächsten Bücher von Harris.
Sein erstes Buch Little Brother hat die Messlatte schon ziemlich hoch gelegt. Nun hat Cory Doctorow seinen 2. Roman abgeliefert. Dieses Mal geht es um die virtuellen Wirtschaftsräume der Multiplayer Online Spiele, wie wir sie heute bereits von Second Life oder World of Warcraft kennen. Er hat die Geschichte leicht in die Zukunft verlegt, wobei mir beim Lesen nicht ganz klar geworden ist, was von seiner Geschichte nicht auch heute schon stattfinden könnte.
Er beschreibt, wie in den virtuellen Welten echte Kinder aus Schwellenländern ausgebeutet werden und sich anfangen in einer Webgewerkschaft, den Webblys zu organisieren. Die Regierungen der Staaten und die Bosse der Kinderarbeiter gehen mit unglaublicher Härte gegen die streikenden Webblys vor. Die Webbewegung breitet sich epidemisch aus und organisiert einerseits einen Massenstreik und bringt mit virtuellen Finanztransaktionen die Spielewelten ins Wanken. Das Ganze ist in eine packende Geschichte verpackt, deren Ausgang ich hier mit Rücksicht auf alle künftigen Leser nicht verraten werde.
Ich schätze, das Leser, die sich noch nie in einer virtuellen Welt aufgehalten haben, zunächst Schwierigkeiten haben werden, der Geschichte zu folgen. Die Mühe lohnt sich aber trotzdem. Neben guter spannender Unterhaltung bekommt man, wie in seinem ersten Buch eine Menge an Unterricht über die Themen Okönomie, Online-Spielen, Umgang autoritärer Staaten mit Unruhestiftern uvm. geboten.
Ich finde nicht, dass Doctorow ein besseres Buch als sein Erstling vorgelegt hat, aber es ist genau so gut.
Nun ist es bei mir endgültig amtlich. Das war mein letztes Buch über Apple und Steve Jobs. Es war ein würdiger Abschluss der Reihe von Büchern, die ich zu diesem faszinierenden Thema gelesen habe. Es reicht jetzt aber auch.
Das ausgerechnet die Biografie, die er selbst autorisiert hat, diejenige sein wird, die mit Abstand am schonungslosesten mit ihm umgeht, hätte ich jetzt so auch nicht erwartet. Isaacson stellt beide Facetten dieser Persönlichkeit ausführlich dar: Das motivierende produktversessende Genie und den Tyrannen mit einer ausgeprägten narzistischen Störung. Er geht erstaunlich nah an die familiären Hintergründe, die voller Dramen sind. Die Geschichte von Apple wurde schon besser beschrieben als hier. Aber die vielen komplizierten Beziehungen, die er hatte, konnten nur beschrieben werden, wenn man wie der Autor lange Interviews mit Jobs führen durfte.
Das Fazit des Buches teile ich: An Steve Jobs wird man sich wohl auch noch in Hundert Jahren erinnern. Er war ein absolutes Ausnahmetalent.
Ich werde am Donnerstag einen Vortrag über die Piraten vor einem Publikum mit niedriger bis mittlerer Internetaffinität, guter Vernetzung und einigem Einfluss halten. Mir stehen dafür 60 Minuten zur Verfügung.
Da ich nichts brauchbares dafür im Netz finden konnte, habe ich eine eigene Prezi dafür erstellt. Vielleicht kann sie ja auch jemand andereres gebrauchen oder hat noch Ideen, was da noch rein sollte.
Eine meine Beorderungen als Reserveoffizier war in den letzten Jahren in der Panzerlehrbrigade 9 in Munster. Dort war der Autor dieses Buches, Oberst Schwitalla, in dieser Zeit der stellvertretende Brigadekommandeur und damit mein Chef. Wir haben von SYNAXON aus mit dieser Brigade im Bereich der Fortbildung kooperiert. Wir hatten u.a. die Offiziere des Stabes zu einer Fortbildung bei uns. SYNAXON durfte dieses Jahr mit 20 Gästen an der Informationslehrübung der Bundeswehr in Munster teilnehmen.
Am Vorabend hat Oberst Schwitalla einen sehr bewegenden und beeindruckenden Vortrag über seine Zeit als Kommandeur des Provincial Reconstruction Teams in Feyzabad gehalten.
Dieses Buch ist die Langversion dieses Vortrags. Es gibt mittlerweile einige Bücher, die über den deutschen Afghanistan – Einsatz geschrieben wurden. Diese stammen alle von unteren Dienstgraden und setzen sich sehr kritisch mit den Umständen des Einsatzes auseinander. Die militärischen Führer und die Politiker kommen in diesen Büchern fast ausnahmslos nicht gut weg. Dies ist meines Wissens das erste Buch eines Kommandeurs zu dem Thema. Und es ist gut, dass man auch einmal aus dieser Perspektive erfährt, welche Aufträge die Bundeswehr in Afghanistan wahrnimmt, und was sie dabei erlebt.
Oberst Schwitalla ist ein Kommandeur, wie man es sich idealtypisch wünschen würde: Verantwortungsbewusst, führungs- und durchsetzungsstark und sehr um das Wohl seiner unterstellten Soldaten bemüht. So habe ich ihn in Munster kennen gelernt und das ist auch der Eindruck, den er bei den Gästen seines Vortrags hinterlassen hat. Die Mission, die er in Afghanistan zu erledigen hatte, war schwierig. Obwohl Feyzabad kein Einsatzschwerpunkt der Taliban darstellt, ist der Einsatz durch korrupte Beamte und massiv bewaffnete organisierte Kriminalität durchaus gefährlich. In den 7 Monaten seines Einsatzes wurden die Soldaten 11 Mal beschossen, mehrere Sprengstoffanschläge angedroht und einer durchgeführt. Das Lager wurde 4 Mal mit Raketen und Panzerfäusten beschossen. Die Lage dort wurde während dieser Zeit durch den militärischen Nachrichtendiesnt durchgehend als “ruhig aber nicht stabil” eingestuft.
Der Auftrag bestand darin, mit militärischen Mitteln die Sicherheit so weit zu gewährleisten, dass die zivilen Kräfte dort Aufbauarbeit leisten können. Dabei ging es in erster Linie darum, Hilfe bei Naturkatastrophen zu leisten, dringend benötigte Brunnen zur Wasserversorgung zu bauen und vor allem Schulen zu errichten und mit Betriebsmitteln auszustatten.
Obrest Schwitalla zieht ein positives Fazit des PRT-Konzeptes. In einem der ärmsten Gegenden der Welt, in der die Menschen mit 0,40 Euro pro Tag auskommen müssen und in der eine Analphabentenquote von über 90% herrscht ist Bildung der Schlüssel für eine positive Entwicklung. Und es scheint zu funktionieren. Über 90% der Eltern schicken ihre Kinder zur Schule obwohl sie wissen, dass damit eine neue Zeit eingeläutet wird, in der sie erheblich an Macht verlieren werden. Wer gebildet ist, wird sich nicht mehr sol leicht in die mittelalterliche Machtstruktur einfügen. Schwitalla ist sich aber auch sicher, dass dieser Prozess noch viele Jahre dauern wird. Ob dieser Prozess nach Abzug der westlichen Truppen weiter gehen kann, wird sich zeigen.
Untertitel: Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook.
Das ist bis jetzt das beste Sachbuch, welches ich dieses Jahr in die Finger bekam. Leider werden es wahrscheinlich nur die lesen, die sich ohnehin mit dem Thema bereits ganz gut auskennen und nicht die, die es wirklich nötig hätten: die Entscheider in Unternehmen und Parlamenten über 40.
Hier wird die Geschichte der digitalen Revolution vom C64 bis heute erzählt. Es geht dabei weniger um die technischen Aspekte, sondern um die Frage, wie diese Entwicklung unser Denken und Arbeiten verändert hat. Meinen Buch-Co-Autor Prof. Manfred Leisenberg wird freuen, dass Stöcker die gleiche Idee vertritt wie er: Unser heutiges Internet ist eine Realisierung der Ideen der 68er und Hippies. Dazu gehört auch, dass sich die Forderung, dass alle Informationen ink. Software frei verfügbar zu sein haben, schon fast gewaltsam gegen alle Widerstände ihren Weg bahnt.
Eins der vielen Probleme, das wir heute haben ist, dass unsere Politiker leider großflächig keine Ahnung von der digitalen Welt und sie in erster Linie als Bedrohung oder noch schlimmer als geeignetes Instrument der vollständigen Überwachung der Bürger sehen.
Am Besten haben mir die Ausführungen zu den agressiven Nostalgikern gefallen. Selten wurde mir so aus der Seele geschrieben. Mental Erstarrte verteidigen mit den immer gleichen absurden Argumenten alte Technologien, wie Vinyl LPs, Bücher und Zeitungen aus Papier. Das war schon bei der Einführung von Mobiltelefonen so und ist bei der Diskussion um MP3 und eBooks sicherlich nicht das letzte Mal gewesen. Immer muss die Haptik oder das Reine und Wahre herhalten. Stöcker weist völlig zu Recht darauf hin, dass diejenigen, die heute den angeblich schlechten Klang von MP3 beklagen, wohl vergessen haben, dass sie als Jugendliche mit furchtbar klingenden Audiokassetten hantiert haben.
Wer so nostalgisch argumentiert, ist natürlich auch sicher, dass Facebook und Twitter ihre Nutzer verblöden und Counterstrike aus harmlosen Schülern Amok-Läufer macht.
Das wichtigste vorab: dieses Buch ist kein Lehrbuch in welchem einem beigebracht wird, wie man andere effektiver beeinflusst.
Der Titel führt ein hier ein wenig in die Irre. Das Buch beschreibt auf höchst unterhaltsame Art, wie leicht sich unser Gehirn durch äußere Umstände und anderen Menschen beeinflussen lässt. Der Autor eine große Anzahl von psychologischen Experimenten, die in der letzten Zeit dazu beigetragen haben, die Manipulations- und Beeinflussungsmechanismen besser zu verstehen. Natürlich werden hier auch wieder die Klassiker, wie mir Milgrams Elektroschock-Experiment aufgeführt aber es sind auch eine Menge neuer experimenteller bei, die ich zuvor in keinem anderen Buch gelesen habe.
Die Experimente sind so beschrieben dass man sie selber wiederholen kann.
Das Buch lässt bei dem Leser das ungute Gefühl zurück, dass wir sehr verletzlich gegenüber guten Manipulatoren sind, die es immer wieder schaffen, uns gegen unseren eigenen Willen und oft auch gegen unsere eigenen Interessen zu instrumentalisieren.
Immerhin hilft es dabei, die Mechanismen dahinter zu erkennen und vielleicht ein wenig dazu beizutragen, unfaire Beeinflussungen abzuwehren. Leider sind es besonders oft Psychopathen, welche enorme Fähigkeiten in der Manipulation anderer Menschen besitzen.
Apple muss moment an in jedem Vortrag auf Kongressen als Beispiel herhalten. Jedes nur denkbare Managementmodell wird am Beispiel Apple erklärt. Es gibt auch mittlerweile unzählige Bücher über Apple und Steve Jobs. Da muss sich jedes weitere Buch zu dem Thema die Frage nach seiner Daseinsberechtigung gefallen lassen.
Dieses Buch ist besonders, weil es von jemandem geschrieben wurde, der über 15 Jahre lang sehr eng mit Steve Jobs zusammen gearbeitet hat. Es wurde mir von Martin Weiß empfohlen, der mich gerade bei der Neuerstellung des Unternehmensleitbildes für SYNAXON unterstützt. Obwohl ich ihn mehrfach gebeten hatte, mich mit Apple in Ruhe zu lassen, hat er mich hartnäckig auf das Buch hingewiesen.
Leider gibt es das Buch für den Kindle nur auf englisch. Ich finde, es ist auch nicht ganz so leicht zu lesen, wie viele andere englische Wirtschaftsbücher.
Gelohnt hat es sich trotzdem. Elliot beschreibt die Besonderheiten der Führung von Steve Jobs. Aus anderen Büchern kennt man ihn ja eher als einen besessen Psychopathen, mit dem man lieber nicht zusammen arbeiten möchte. Wenn dieses Bild stimmte, wäre schwer zu eklären, wie es ihm immer wieder gelingt, die talentiertesten Menschen sehr langfristig an sich zu binden.
Hier kann man die andere Seite von Jobs kennen lernen: Wie er immer wieder seine Teams emotional überrascht, nach welchen Methoden er die Produktentwicklung vorantreibt und wie er es schafft , ein Innovationsklima zu erzeugen, das die Kreativität seiner Mitarbeiter förmlich explodieren lässt.
Man kann Steve Jobs nicht kopieren. Er vereint zu viele außergewöhnliche Talente in sich. Aber man kann trotzdem von ihm lernen, eine bessere Führungskraft zu werden.
Nach der Lektüre des Buches bin ich mir noch sicherer, dass die Erfolgsgeschichte von Apple nach seinem Ausscheiden einen herben Dämpfer bekommen wird.
Ich habe einiges an verstörender Literatur zum Dritten Reich hinter mir und hatte nach dem wirklich erschütternden Die Wohlgesinnten eigentlich mit dem Thema abgeschlossen.
Die Geschichte hinter dem Roman “Jeder stirbt für sich allein” war dann aber doch zu faszinierend, als dass ich an dem Buch vorbei konnte. Der Autor Hans-Fallada war selber Zeitzeuge und wurde nach dem 2. Weltkrieg gebeten, die Gerichtsakten zweier Deutschen literarisch zu verarbeiten, die wegen der Produktion und Verteilung von handgeschriebenen Postkarten im Berlin der 40er Jahre hingerichtet wurden. Das Lektorat hat den daraus entstandenen Roman sehr stark geglättet und gekürzt. Nun wurde mehr als 60 Jahre nach dem Tod des Autors die Urschrift unbearbeitet und ungekürzt noch mal veröffentlicht und wurde plötzlich und unerwartet zum Bestseller.
Fallada schildert den Fall mit einer derart bedrückenden und intensiven Stimmung, die das Buch meiner Meinung nach einzigartig macht. Er beschreibt, wie ein Handwerksmeister und seine Frau ihren Sohn im Frankreichfeldzug verliert. Beide waren vorher mitlaufende Funktionäre im Nazi-System. Nun aber beschließen sie Postkarten zu schreiben und in Berlin zu verteilen, mit denen sie die Deutschen über das wahre Gesicht des Hitler-Regimes aufklären wollen. Natürlich wird durch die Gestapo gegen sie ermittelt und nach mehr als 2 Jahren werden sie gefasst. Sie ziehen unabsichtich Freunde und Familienmitglieder in die Ermittlungen und damit ins Verderben.
Es wird klar, wie viel Mut erforderlich war, auch nur die kleinste Abweichung gegen das damals herrschende System zu wagen.
Auch dieses Jahr waren wir wieder auf dem Hurricane Festival in Scheeßel. Der entscheidende Faktor für so ein Open-Air Festival ist das Wetter. Die Vorhersage war alles andere als ermutigend. Es sollte an allen 3 Tagen regnen. Umso glücklicher waren wir darüber, dass der Freitag und Samstag komplett trocken geblieben ist. Allerdings ist der Sonntag dann mit Dauerregen bis 17:00 komplett ins Wasser gefallen und die Temperaturen waren mit 11 Grad danach auch nicht gerade einladend. Wir haben es dann vorgezogen, an diesem Tag komplett zu schwänzen.
Das Lineup fand ich auch dieses Jahr wieder sehr gelungen. Es fehlten zwar die ganz großen Namen aber dafür wurden eine Menge sehr guter Bands mit einer enormen musikalischen Bandbreite geboten, die man sonst so vielleicht nicht so oft zu hören bekommt. Das Festival war nahezu ausverkauft. Es dürften nur wenige 100 Karten übrig geblieben sein, so dass nahezu 70.000 Zuschauer auf dem gelände rumtobten. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden im Vergleich zum Vorjahr noch mal verbessert. Es wurden weitere Wellenbrecher vor den beiden großen Bühnen aufgebaut und in die vorderste Zone vor der Bühne waren Zugangs- und Sicherheitskontrollen eingerichtet. So dass es nie zu gefährlichen Drängeleien vor der Bühne kam, wie noch im Vorjahr mehrfach geschehen.
Ärgerlich war allerdings, dass die beiden Zelte faktisch aus unseren Festivalplan gestrichen werden mussten. Wir kamen einfach nicht rein, weil zu viele Menschen die dort spielenden Bands sehen wollten. Dadurch haben wir viele attraktive Künstler, wie z.B. Lykke Li verpasst.
Gesehen und gehört habe ich dieses Jahr:
Portugal The Man: Fand ich vor 2 Jahren im Zelt deutlich stärker als dieses Mal auf der großen Bühne.
Irie Révoltés
Kashmir
Elbow
Portishead: war für mich der Höhepunkt des Festivals. Ich habe noch nie eine Sängerin gehört, die so überzeugend auf der Bühne leidet.
Suede: Ich war noch nie ein großer Britpop-Fan und werde es wohl auch nicht mehr
All Time Low Monster Magnet: Grundsolides Gitarrengewitter
Friendly Fires
Sublime with Rome: Haben den Tiefbassrekord auf dem Hurricane eingestellt. Danach musste man erst einmal die Gedärme wieder neu sortieren
Gogol Bordello: War wieder einmal großes Ethno-Theater
Ein F.A.Z- Redakteur lebt einen Sommer lang mit verschiedenen Aussteigern mit alternativen Lebensentwürfen. Darunter sind Einzelgänger, ganze Dörfer, Öko-Fundies, Begründer eigener Religionen, Mönche, Menschen, welche die Nutzung von Geld kategorisch ablehnen u.v.m.
Sie alle eint, dass sie das bürgerliche Leben zu kompliziert, menschenfeindlich und umweltzerstörend halten. Ihre eigenen Ideen sind zum Teil rührend naiv. Ein paar von den beschriebenen Aussteigern haben auch einfach einen an der Waffel. Der Autor versucht auch die verschrobensten Ideen nicht gleich abzulehnen sondern ihnen offen gegenüber zu stehen, auch wenn es ihm manchmal sichtlich schwer fällt
Bis zur Mitte ist das noch interessant. Aber dann wird es langsam ermüdent, immer weitere krude Weltbilder beschrieben zu bekommen. Ich habe mich trotzdem tapfer weiter durchgekämpft, in der Hoffnung, dass irgendwann auch mal ein Beispiel kommt, welches als Vorbild dienen könnte. Für mich kam keins. Ich bin jedenfalls nicht motiviert, auszusteigen.
Das Buch wurde mir von unserem iTeam Chef Olaf Kaiser empfohlen. Es gibt mittlerweile eine Menge Literatur zum Thema moderne Führung. Die meisten Autoren sind sich einig, dass sich aufgrund der immer weiter steigenden Qualifkation der der Mitarbeiter, der wachsenden Dynamik der Märkte und dem Einfluss des Internets Führung und Organisation drastisch Richtung Dezentralität und größeren Freiräumen verändern muss. Ich habe diese These in dem von mir zusammen mit Manfred Leisenberg veröffentlichen Buch selbst vertreten.
Die besten Bücher zu dem Thema kamen bislang aus dem englischsprachigen Raum. Förster und Kreuz bringen hier nicht wirklich Neues zu dem Thema, was man nicht schon dutzendfach woanders lesen konnte. Aber die Art und Weise, wie sie es schreiben, macht das Buch für mich zu einer echten Empfehlung. Es inspiriert und motiviert auf eine sehr angenehme Art und Weise.
Außerdem findet man erfreulicherweise ein paar neue Unternehmensbeispiele.
Ich habe mir jedenfalls eine Menge Unterstreichungen und Notizen in dem Buch gemacht (auch das geht mit dem kindle sehr gut) und werde einige neue Aspekte in das neue SYNAXON Leitbild einfließen lassen, an dem wir gerade arbeiten.
Das Buch soll bei den Lesern Interesse für die Mathematik wecken. Obwohl unser gesamtes Leben von Mathematik geprägt ist, interessiert sich kaum jemand dafür. Der Grund dürfte in der Art und Weise liegen, wie das Thema an den Schulen gelehrt wird. In diesem Buch wird die Geschichte der Mathematik erzählt und welche Bedeutung sie in den einzelnen Epochen der Menschheit hatte. Außerdem wird Mathematik systematisch in die einzelnen Teilbereiche gegliedert und beschrieben.
Mir war das Buch ein bisschen zu oberflächlich. Der Preis für das Kindle-Buch ist allerdings mit 0,99 Euro wirklich günstig. Das Preis-Leistungsverhältnis ist mehr als in Ordnung.
Ich mag Hardseller nicht. Sie gehen mir mit ihrer aufgesetzen Freundlichkeit und ihren ständigen Taschenspielertricks der Manipulation auf den Zeiger. Ich habe einen Vortrag von Enkelmann keine 10 Minuten durchgehalten, bis ich fluchtartig und wütend über soviel selbstgefällige Borniertheit den Raum verlassen habe.
Umso überraschter war ich als ich letztes Jahr ausgerechnet vom Club 55, dem Zentrum der Hardseller einen Arwad of Excellence bekommen habe. Ich bin dort voller Vorurteile hingeflogen und ein Teil davon wurde auch bestätigt. Allerdings habe ich dort auch eine paar Verkaufstrainer und Marketingexperten kennengelernt, die eine neue Art des Verkaufens propagieren. Diese ist immer noch penetrant aber authentischer, ehrlicher und mehr an ethischen Standards orientiert. Einer davon ist Martin Limbeck. Sein neues Buch hätte ich garantiert nicht gelesen, wenn ich ihn nicht kurz persönlich kennengelernt und später auf Facebook und Twitter weiter verfolgt hätte. Der Titel hätte mich schon davon abgehalten.
Das Buch hat mich enorm positiv überrascht. Ich habe einiges an Literatur zum Thema Verkaufen hinter mir. Dieses Buch ist meiner Meinung nach zurzeit das Beste dieser Gattung. Es behandelt alle wesentliche Aspekte, die einen guten Verkäufer ausmachen und modernisiert viele alte immer noch geschulte Methoden. Das mir seine Ansichten zu den Themen ständiges Üben, Gesprächsvorbereitung und Disziplin gut gefallen, dürfte keinen der mich kennt überraschen.
Mir gefällt seine Schreibe sehr gut, auch wenn immer mal wieder der Hardseller alter Schule durchblitzt.
Untertitel:Wie die moderne Hirnforschung unser Seelenleben entschlüsselt – das Naviagtionssystem zu emotionaler Klarheit
Siegel hat in den letzten Jahren ein neues Therapiesystem namens Mindsight entwickelt, welche sich in erster Linie die aktuellen Erkenntnise der neurobiologischen Hirnforschung zunutze macht. In dem Buch beschreibt er die Methode und die Anwendung in ausgewählten Therapiefällen. Er hat die Fälle so gewählt, dass sich so gut wie jeder in einem der Geschichten wieder erkennen dürfte. Seine Erfolge sind erstaunlich und die Werkzeuge sind überraschend simpel.
Das ist das erste eBook auf meinem Kindle, in dem ich mir eine Menge Lesezeichen und Notizen gemacht habe. Wer gezielt an selbst erkannten eigenen Schwächen arbeiten möchte, findet in diesem Buch sehr effektive Unterstützung.
Als ich hier das Buch Eine billion Dollar vom gleichen Autor vorgestellt habe, bekam ich über Twitter von Farbenstau den Tip, gleich als nächstes “Ein König für Deutschland” zu lesen. Das wäre quasi Pflichtlektüre für Piraten.
Eschbach entwickelt sich zu einem meiner Lieblingsautoren. Auch dieses Buch ist fesselnd, unterhaltsam und bildend. Der Schreibstil erinnert ein bisschen an Forrest Gump. Fiktion und tatsächliche Geschichte werden geschickt miteinander verwoben.
Es geht um die grundsätzliche Manipulierbarkeit von Wahlcomputern. Der Hacker Vincent schreibt in den USA unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl einen angeblichen Demonstrator einer Manipulation für Wahlcomputer. Mit Entsetzen muss er feststellen, dass seine Software offensichtlich nicht nur zu Demonstrationszwecken verwendet wurde. Das Wahlergebnis zwischen Gore und Bush entspricht exakt seinem Algorithmus. Das bringt eine üble Gestalt auf den Plan, der mithilfe der Software Wahlsiege in Deutschland verkaufen möchte. Bei den nächsten Wahlen sollen Pattsituationen erzeugt werden, damit Politiker glauben, dass Wahlen leicht manipulierbar und damit kaufbar sind.
Vincent schreibt die verlangte Software, baut aber einen Hinweis auf sich ein. Wenn auf dem Wahlzettel eine Partei mit seine Initialien VWM auftaucht, bekommt diese 95% der Stimmen. Damit will er später beweisen können, dass die Software Wahlen fälscht.
Nachdem seine Software bei der Hessischen Landtagswahl zu einem Patt zwischen Koch und Ypsilanti führt, wird ihm klar, dass die nächste Bundestagswahl tatsächlich manipuliert werden soll.
Er informiert in Deutschland Hackerkreise und seinen unehelichen Vater Simon König. Die haben die Idee, eine Partei mit dem Kürzel VMR zu gründen, um zu beweisen, dass Wahlcomputer manipulierbar sind. Es entsteht die Volksbewegung zur Wiedereinführung der Monarchie. Simon König soll König Simon werden. Was dann passiert ist bizarr und zeigt eine Menge über eine Mediengesellschaft und Politk.Das eigentlich Schlimme daran ist, dass alle dann beschriebenen Geschehnisse nicht unvorstellbar sind.
Wer nach Leküre des Buches immer noch für Wahlcomputer ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Bewertung: *****
Kauflink für moderne Menschen:
Kauflink für analoge Romatiker und Förderer der Holzindustrie:
Das ist bis jetzt das beste Buch, was ich dieses Jahr gelesen habe und da waren schon ein paar echte Knaller dabei. Das Buch ist eine Art Bildungsroman, in dem einerseits eine spannende Geschicfte erzählt wird und andererseits wissenschaftliche Zusammenhänge einfließen. Das funktioneirt hier sehr ähnlich, wie bei Frank Schätzings “Der Schwarm” oder “Limit”.
Die Story allein ist schon ziemlich packend. 1495 hat eine florentinischer Kaufmann eine Vision und legt darauf hin nach heutiger Kaufkraft 10.000 Euro an. Er beauftragt eine Anwaltsfamilie das Geld so anzulegen, dass es sich 500 Jahre mit Zins und Zinseszins vermehrt. 500 Jahre später soll es dann sein jüngster noch lebender Nachfahre erben und mit dem Geld der Menschheit die Zukunft zurück geben. In den 500 Jahen wächst das Vermögen mit einem durschnschnittlichen Zins von 4% auf eine Billion Dollar an. Der Erbe ist ein Pizzataxifahrer in New York, der mit dem Erbe über Nacht zum mit Abstand reichsten Menschen der Erde wird.
Eschbach beschreibt eindrücklich, wie sich das Leben durch solch ein Vermögen auf dramatische Weise verändert. Seine Zinseinnahmen betragen 100 Mio. Dollar pro Tag. Er macht sich nach einem kurzen Ausflug in das Luxusleben auf die Suche nach den drängensten Problem der Menschheit, um die Prophezeiung zu erfüllen. Man erfährt als Leser eine Menge über Geldtheorie, Umweltprobleme, Modelrechnungen und globale Zusammenhänge in der Wirtschaft. Das Buch ist von der ersten Seite packend geschrieben, so dass man es nicht mehr so gerne aus der Hand legt.
Bewertung: *****
Aus einem mir nicht erfindlichen Grund kann ich nicht auf die Kindle-Version verlinken, deswegen hier ausnahmsweise ausschließlich die Holzfassung für analoge Romantiker:
Softwareentwickler hassen normalerweise alles, was mit Management auch nur im Entferntesten zu tun hat. Wenn dieser Personenkreis begeistert über eine Mangementmethode berichtet, dann lohnt sich ein Blick darauf.
Einer unserer externen Softwarentwicklungsunternehmen http://www.hdnet.de/ hat Kanban eingeführt. Die Erfahrungsberichte haben mich neugierig gemacht.
Dieses Buch ist gut. Es beschreibt verständlich die Methode und was man damit erreichen kann und gibt gleich Hilfen zur Implementierung. Ich habe fast den Eindruck, dass dieses Buch ausreichen könnte, wenn man Kanban einführen möchte. So etwas ist selten. SYNAXON hat bereits in einem Entwicklungsbereich Kanban eingeführt und wird sicher bald darüber berichten.
Es ist einfach ein unfassbarer Skandal, der hier beschrieben wird! Ich kann nicht verstehen, wie so ein Buch monatelang auf Platz 1 in den amerikanischen Bestsellerlisten stehen kann, ohne einen Volksaufstand auszulösen. Lewis beschreibt einen beispiellosen Raubzug einiger Wallstreet-Firmen, der letztlich fast dazu führt (oder noch dazu führen wird), dass das globale Finanzsystem zusammenbricht.
Es geht um die Subprime Krise Mitte 2007. Niedrige Zinsen lösen einen Boom bei Immobilienkäufen in den USA aus. Das allein wäre bereits ein enormes Geschäft gewesen aber die Banken wollen mehr. Sie lockern immer weiter die Vergabekriterien der Darlehn, bis schließlich Käufer ohne Eigenkapital und ohne Einkommen mehrere Häuser kaufen können. Weil dies natürlich viel zu riskant für die darlehnsgebenden Banken ist, lassen sie sich etwas Neues einfallen. Sie packen tausende dieser Darlehn zusammen und mischen gute und schlechte Bonitäten und verkaufen diese Pakete weiter. Diese Pakete werden von Ratingagenturen bewertet, erstaunlicherweise meist mit dem besten Rating AAA. Das bedeutet, diese Pakete sollen genauso sicher sein, wie Staatsanleihen zB von Deutschland. Aber auch das reicht den Banken nicht. Sie nehmen dann auch noch die schlechtesten Darlehen dieser Pakete und fassen sie in neuen Paketen zusammen. Hier befinden sich also nur noch die ganz faulen Eier. Und nun geschieht das Wunder: Auch diese neuen Pakete werden wieder AAA bewertet! Die emittierenden Banken haben systematisch Mitarbeiter der Ratingagenturen abgeworben und diese kannten alle Lücken und Schwächen der Bewertungssysteme. Diese wurden dann gezielt genutzt, um für Schrottpapiere beste Ratings zu bekommen.
Einige Banken, wie zB die Deutsche Bank, erkennen 1-2 Jahre vor dem Platzen, dass dieses System irgendwann kollabieren muss. Statt sofort den Vertrieb dieser Papiere einzustellen, wird fröhlich weiter verkauft und gleichzeitig spekulieren sie gegen ihre eigenen Kunden auf den Zusammenbruch des Immobiluenmarktes (going Short, daher auch der Titel des Buches) und erzielen damit Milliardeneinnahmen. Insgesamt sind wohl mehr als eine Billion USD an Immobilendarlehn und darauf basierende Wertpapiere auf Null gerauscht und vernichtet worden.
Lewis beschreibt diese Vorgänge im Stil eines packenden Romans und man hofft als Leser die ganze Zeit, dass er den Spuk als Fiktion auflöst. Aber das glückliche Ende kommt leider bis zur letzten Zeile des Buches nicht.
Und wir müssen den ganzen Mist mit unseren Steuern bezahlen, während die Banken mittlerweile wieder fröhlich weiterzocken. Kein Buch hat mich dieses Jahr so aufgeregt wie dieses.
Ich kannte bis jetzt nur Elementarteilchen von ihm, welches ich großartig fand. Nach all den Wirtschaftsbüchern brauchte ich jetzt erst mal eine Pause und habe mir deswegen Houellebecqs neuestes Werk besorgt. Dieses Buch ist astrein. Es geht um ein Portrait des französischen Kunstbetriebs im heutigen Paris. Es werden u.a. die Mechanismen beschrieben, wie Kunst als Produkt zu Höchstpreisen getrieben wird. Die künstlerischen Ideen, die Houellebecq hier beschreibt, hätten meiner Meinung nach durchaus das Potenzial, hohe Marktwerte zu erzielen. Bin mal gespannt, ob sich jemand findet, der sie umsetzt.
Houellebecq kommt selber als Romanfigur vor und lässt sich auf bestialische Art ermorden. Natürlich spielen sich auch in diesem Buch von ihm die großen Dramen des Lebens ab. Sie werden mit ganz großer Sprachkunst beschrieben.
Das ist mit über 400 Seiten ein ganz schöner Schinken. Das Buch beschreibt den unaufhaltsamen Siegeszug der Musik vom 17. Jahrhunder bis heute. Dabei geht es nicht darum, den Siegeszug der Musiker oder einer bestimmten Musik zu beschreiben. Dogmatische Klassikfans werden keinen Gefallen an dem Buch finden.
Blanning startet in jedem Kapitel die Zeitreise neu. Er fängt immer im 17. Jahrhundert an und endet heute. In den einzelnen Kapiteln geht es um die Entwicklung von Musikern von Lakaien zu gottähnlichen Superstars, die unterschiedlichen Epochen der Musik, die Bedeutung der Spielstätten, der Technik, der Musik als politisches Agitationswerkzeug, Kriegstreiber, rassenverbindendes Integrationsmittel und Sexobjekt.
Das Buch ist von hoher Substanzdichte und trotzdem sehr gut lesbar.
Das ist eins der Bücher, um die ich normalerweise einen Bogen gemacht hätte. Sowohl der Titel als auch die Klappentexte klingen zu sehr nach einem weiteren völlig beliebigen Managementmodell, was einen nicht wirklich weiterbringt. Meistens geht das schief, wenn sich Autoren auf die Suche nach Erfolgsfaktoren von Unternehmen machen.
Was mich dann doch neugierig gemacht hat, ist die mehrfache Erwähnung in Zappos – Delivering Happiness und eine dringende Empfehlung von Martin Weiß, der mich zurzeit bei der Überarbeitung des SYNAXON Leitbildes unterstützt. Bevor ich dann das Buch gekauft habe, hatte ich mir einen Kurzvortrag von David Logan zu seinem 5 Stufen Modell der Führung angesehen.
Ich war sofort angefixt. Das Modell deckt sich mit meinen eigenen Beobachtungen und scheint auf Anhieb geeignet, um eine Organisation weiter zu entwickeln.
Ich finde das Buch insgesamt etwas zu langatmig. Das ändert aber nichts daran, dass ich das 5 Stufen Modell der beiden für das Beste zur Zeit Verfügbare halte.
Neben vielen Geschichten zu Unternehmen und Menschen in den einzelnen Stufen findet man in dem Buch eine Menge praktischer Hilfen, was es möglich macht, ohne weitere Quellen mit dem Modell zu arbeiten.
MIr gefällt besonders, dass die Autoren, ihre Methode der zugrundeliegenden Studie detailliert beschreiben und auch mal eine P-Wert einer Signifikanzanalyse bringen. Das ist für Six Sigma Fans natürlich großartig.
Meine beiden Vorstandskollegen bei SYNAXON haben mich in den letzten Jahren technisch ziemlich abgehängt. So was kann ich natürlich nicht auf Dauer akzeptieren. Das ausgerechnet unser Finanzvorstand Mark Schröder in Bezug auf digitale Produkte deutlich vorne lag, war dann letztlich der Grund, dass ich mal ordentlich nachgerüstet habe.
Dazu gehörte auch, dass ich mich auf seine Empfehlung hin mit dem Thema eBooks befasst habe. Das für mich als eingefleischten Bücherfreund eigentlich nie ernsthaft eine Alternative zu den altmodischen Produkten der Holzindustrie. Aber ich musste mittlerweile einsehen, dass Papierbücher erhebliche Nachteile haben. Wenn man auf Reisen und im Urlaub immer die gerade zur Stimmung passenden Bücher dabei haben möchte, ist das eine ziemliche Schlepperei.
Ich habe erstmal angefangen auf dem iPad mit der Kindle App mein erstes eBook zu lesen. Das ist nicht schlecht aber nach spätestens 2h lesen strengt das deutlich mehr an, als bei einem Papierbuch. Und das iPad ist mir zu schwer für lange Lesungen.
Also habe ich mir als nächstes den Kindle eBook Reader von amazon besorgt. Und ich bin nach dem ersten vollständigen eBook ziemlich begeistert. Der Kindle hat kein aktiv leuchtendes Display sondern ist passiv. Ich brauche also zum Lesen das gleiche Licht, wie bei einem Papierbuch. Das führt allerdings dazu, dass man mit diesem Gerät nicht schneller ermüdet als mit der Papiervariante. Die Schrift ist gestochen scharf. Flimmern tut da auch nix mehr. Der Akku hält jetzt schon länger als eine Woche, trotz intensiver Nutzung. Das Teil hat nur einen Bruchteil des Gewichtes eines iPad und der meisten Bücher die ich sonst lese. Damit kann man bequem hunderte Bücher mit sich herumtragen und hat jetzt immer das Passende dabei. Das Gerät hat kein Touchscreen, sondern ganz altmodische Tasten. Ich finde das nicht schlecht. Das Display braucht dann nicht immer wieder gereinigt werden. Die Bedienung klappt intuitiv ohne großes Handbuchstudium.
Großartig finde ich auch die Whispersync Funktion. Egal auf welchem Gerät ich gelesen habe, nehme ich danach ein Anderes, lese ich dort weiter wo ich aufgehört habe. Das ist praktisch, wenn man mal kurz Zeit hat, um auf dem iPhone, dem Notebook der dem iPad weiterzulesen und den Kindle nicht dabei hat. Wenn mehr als 100 Leser eine Stelle in dem Buch markiert haben, sieht man das als Leser.
Nun zu den Ärgernissen:
Es gibt nur 2.500 deutschsprachige Bücher für Kindle. Darunter ist keins, welches mich interessiert. Der englischsprachige Markt ist hingegen hervorragend abgedeckt. Ich hoffe, dass die deutschen Verlage hier endlich bald nachziehen.
Das ist schon ärgerlich. Richtiger Mist ist das Digital Rights Management der Bücher und die Preispolitik. Gerade bei Bestsellern sind die eBooks oft teurer als die Papiervariante. Dafür kann ich es nicht kopieren oder verleihen, was mit der billigeren Papiervariante ohne weiteres geht.
Grundsätzlich wird zwar das Verleihen von der Kindle Software unterstützt. Die meisten Verlage haben diese Möglichkeit aber gesperrt. Das ist bei den Preisen eine Sauerei!
Trotzdem überwiegen die Vorteile und ich werde auch weiterhin eBooks grollend beziehen.
Der Untertitel trifft es ganz gut. In diesem Buch wird die tragischste Geschichte zum Afghanistan Krieg beschrieben, von der ich jemals gehört habe. Und ich habe schon eine ganze Menge Bücher zu dem Thema gelesen und hier beschrieben.
Krakauer ist mir zum ersten Mal als Auto durch den Film “Into the Wild” begegnet. Der Mann hat defintiv ein Faible für Tragödien.
Es geht um den Footballspieler Pat Tillman. Er hat jahrelang für einen gut dotierten Profivertrag in der NFL gekämpft. Kurz bevor er ein Angebot für mehr als 3 Mio USD bekommt, findet das Attentat am 11.9.2001 statt. Das bewegt Tillman so sehr, dass er den Vertrag ablehnt und sich freiwillig für 3 Jahre zur Armee verpflichtet. Er hätte Armee Offizier werden können, entschließt sich aber statt dessen für eine Mannschaftslaufbahn, weil er unbedingt selber in Afghanistan gegen den Terror kämpfen möchte. Um das Ganze zu krönen, geht er auch noch zu der Eliteeineinhet der Ranger.
Während seiner Ausbildung beginnen die USA den 2. Krieg im Irak. Hier zweifelt Tillman daran, dass dies wirklich für eine gute Sache geschieht. Sein erster Einsatz findet dann auch im Irak statt. Nachdem er unverletzt wider nach Hause kommt, hätte der aus der Armee vorzeitig ausscheiden und einen noch höher dotierten Vertrag in der NFL unterschreiben können. Auch das lehnt er ab und geht in seinen 2. Einsatz in Afghanistan. Dort wird er dann bei einem Gefecht durch seinen eigenen Leute getötet.
Er war natürlich vorher vom Verteidigungsministerium zu einem patriotischen Propandaheld hochstilisiert worden. Da passte die Tötung durch Eigenbeschuss natürlich überhaupt nicht in den Kommunikationsplan. Die Armee versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Wahrheit über den Tot von Tillman bekannt wird. Letztlich wussten aber einfach zu viele und die Wahrheit kommt raus.
Das Bild was hier von der amerikanischen Regierung und der Armee gezeichnet wird ist einfach erschreckend.
Besser als mit einem Zitat aus dem Buch von Chris Hedges kann man es kaum zusammen fassen:
Im Krieg geht es immer um Verrat, den Verrat der Alten an den Jungen, der Zyniker an den Idealisten und der Politiker an den Soldaten.
Ich bin durch einen Vortrag auf dem European Six Sigma Kongress auf dieses Buch aufmerksam geworden. Es enthält ein paar sehr interessante Gedanken zum Thema Führung im dynamischen Umfeld. Ich habe jetzt nichts gundsätzlich Neues in dem Buch entdeckt. Allerdings habe ich auch noch nie ein Buch gehabt, welches so klar und einfach neue Führungsmodelle erklärt hat.
Ich bin natürlich kein unbefangener Leser dieses Buches. Immerhin hat Media Markt 1998 versucht, uns in die Pleite zu klagen.
Der Autor ist ehemaliger Geschäftsführer und Gesellschafter eines Media Marktes und scheint das Unternehmen ohne Groll verlassen zu haben. Schmutzige Wäsche wird in diesem Buch jedenfalls nicht gewaschen. Cleve ist offensichtlich auch noch an nachvertragliche Geheimhaltungspflichten gebunden. Man findet in dem Buch nichts, was man nicht auch in anderen Quellen nachlesen könnte.
Trotzdem ist das Buch für jeden, der im Handel arbeitet lesenswert. Cleve beschreibt aus seiner Sicht die Erfolgsfaktoren von Media Markt und Saturn. Auch die Problemfelder, die sich durch die Zugehörigkeit zum Metro Konzern ergeben, sowie die Herausforderungen, welche das Internet an das Unternehmen stellt werden umrissen.
Es gibt wenige gute Bücher über Six Sigma. Bislang war meine einzige Empfehlung dazu Six Sigma für Dummies. Nun gibt es ein weiteres Buch, dass ich zu diesem Thema empfehlen kann.
“Lean Six Sigma erfolgreich implementieren” beschreibt einerseits leicht verständlich die Methoden Six Sigma und Lean Six Sigma und zeichnet gleich erfolgversprechende Wege zur Implementierung auf. Das Buch kann kein Belt-Training ersetzen (das kann meiner Meinung nach sowieso kein Buch leisten) aber es bietet genug Informationen für die Entscheidung, ob man diese Methoden einsetzen sollte und was einen dann erwartet.
Man merkt beiden Autoren die langjährige praktische Erfahrung deutlich an. Beide haben bereits Six Sigma erfolgreich in leitenden Positionen eingeführt und dies mit zum Teil herausragenden Erfolgen.
Das Buch ist mir förmlich von unserem Finanzvorstand Mark Schröder aufgenötigt worden. Ich wollte diese Art von Büchern eigentlich nicht mehr lesen. Allein der Titel hätte mich vom Kauf abgehalten. Der klingt einfach zu sehr nach: “Du kannst es!” oder “Siegen lernen heißt gewinnen lernen!” also Managementspackoliteratur für Anfänger und führungstechnische Dünnbrettbohrer.
Aber wenn ein Finanzer so ein Buch vorschlägt, dann stimmt da etwas nicht. Die sind ja eignentlich nicht für substanzlose Bücher zu begeistern.
Es geht um Zappos, ein Unternehmen was hier in Deutschland nicht so bekannt ist, weil es eine gute deutsche Kopie davon gibt: Zalando. Wir haben es also mit einer Geschichte aus dem Internetschuhhandel zu tun. Geschrieben hat es einer der Mitgründer und Chefs, Tony Hsieh.
Die ersten 50 Seiten waren dann auch dann tatsächlich Quälerei. Die Geschichten aus seiner Kindheit sind zäh und mir ein bischen zu sehr auf Passung für die weitere Geschichte getrimmt.
Aber dann geht es los. Hsieh gründet ein Unternehmen, welches sich mit Internetwerbung befasst. Sein Produkt verbreitet sich schnell, aber das Unternehmen verdient damit kein Geld. Er schlägt trotzdem ein Angebot über 1 Mio USD für das Unternehmen aus, obwohl er kaum weiß, wie er seine Miete bezahlen soll. Irgendwann taucht Microsoft auf und bietet im 40 Mio USD, wenn er mindestens ein Jahr nach dem Kauf im Unternehmen bleibt. Wenn er früher geht, gibt es nur 8 Mio. Der Vertrag wird unterzeichnet. Hsieh hält es keine 3 Monate aus und verlässt das Unternehmen. 32 Mio. sind weg.
Er macht sich auf die Suche nach Investitonsmöglichkeiten und stößt auf Zappos. Spätestens ab dieser Stelle wird das Buch schon fast magisch. Er beschreibt die wichtigsten Entscheidungen und Fehler und lässt den Leser beim Denken zusehen. Er schafft bei Zappos eine einzigartige Unternehmenskultur, die als Vorbild für viele anderen Unternehmen taugt. Zappos schafft in weniger als 10 Jahren den Sprung über die Milliardenumsatzgröße und wird dann für über eine Milliarde an amazon verkauft.
Nach The Longtail und Wikinomics hat mich kein anderes Buch mehr so beeinflusst, wie dieses.
Dieses Buch ist erstaunlich schnell auf den Markt gekommen. Das birgt die Gefahr, dass es sich um ein schnell runtergeschriebenes schlechtes Buch handelt, dass nur erschienen ist, um auf der hohen Aufmerksamkeitswelle um das Thema Wikileaks möglichst profitabel mitsurfen zu können.
Diese Gefahr hat sich nicht realisiert.
Zum einen wird die Geschichte von Wikileaks erzählt von der Gründung bis zum vorläufigen Höhepunkt der Veröffentlichung der internen Botschaftsdepeschen der USA. Und diese Geschichte ist spannend wie ein Krimi. Wikileaks ist so stark mit seinem Gründer verwoben, dass auch seine Geschichte von seiner Kindheit an kurz erzählt wird. Die Geschichte von Assange und Wikileaks bietet alle Elemente, die man einem spannenden Roman wünschen würde. Assange ist ein schwieriger Mensch. Er ist intelligent, hat Charisma, er ist verletzend, arrogant und sein Privatleben bringt ihn und Wikileaks in Schwierigkeiten. Es gibt mit Bradley Manning einen tragischen Helden. Er war derjenige, der die USA in die schwerste außenpolitische Krise ihrer Geschichte gebracht hat. Und er stolperte über seine eigene Geschwätzigkeit und muss nun mit üblen Haftbedingungen dafür büßen, eine so mächtige Nation herausgefordert und blamiert zu haben.
Zum anderen werfen die beiden Spiegel-Autoren die Fragen auf, ob das was Wikileaks macht wirklich richtig und was es für Demokratien und den Journalismus bedeutet. Auch dieser Teil des Buches ist gut gemacht und sehr lesenswert.
Assange verachtet den klassischen Journalismus zutiefst. Aber er musste auch das völlige Scheitern der Blogosphere in der Verbreitung und Aufarbeitung seiner Quellen feststellen. So richtig Wirkung bekam Wikileaks erst, als man sich zur intensiven Kooperation mit den klassischen Medien durchrang. Ohne Spiegel, Guardian und die NY Times wäre die Veröffentlichung der Kriegstagebücher und der Diplomatendepeschen wahrscheinlich genauso versickert, wie die vielen mindestens genauso skandaolösen Unterlagen, die Wikileaks schon vorher veröffentlicht hat.
Auch die Frage, ob es richtig ist ohne Rücksicht auf Gefährdung von vielen Menschen Unterlagen unredigiert ins Netz zu stellen wird diskutiert. Sie ist wirklich nicht leicht zu beantworten. Wikileaks fährt hier einen radikalen Kurs, der zumindest latent geeignet ist, Leben zu gefährden.
Die Geschichte von Wikileaks ist wahrscheinlich noch am Anfang. Zur Einsortierung dieses Phänomens ist dieses Buch zum richtigen Zeitpunkt erschienen.
Mein jetziges Design des Informationsstroms ist ein bisschen in die Jahre gekommen und ich hatte heute vor, größere Umbauten vorzunehmen.
So sieht der Infostrom aktuell aus:
Twitter war bislang mein zentrales Medium, auf dem meine per Hand generierten Stausmeldungen, sowie die automatisierten Meldungen (Flickr, youtube, foursquare usw.) eingegangen sind. Von dort aus wurden dann die Informationen als Sackgasse in Facebook und noch mal über Friendfeed abgemischt auf der Startseite meiner Homepage aggregiert. Meine Blogeinträge habe ich immer zusätzlich über Twitter angekündigt und verlinkt.
Mittlerweile ist meine Liebe zu Twitter erheblich abgekühlt und Facebook hat eine immer größere Bedeutung bekommen. Auf Facebook findet deutlich mehr Interaktion statt als bei Twitter und die Aggreagationen von youtube und foursquare sehen auf Facebook nicht nur besser aus als bei Twitter, sie haben auch deutlich mehr Funktionalität. Ausßerdem geht es mir immer mehr auf die Nerven, dass ich mittlerweile bei Twitter mehr Zeit mit dem Kürzen auf 140 Zeichen als mit dem Schreiben des Tweets beschäftigt bin. Ich habe auf diesen 140 Zeichen Limit Mist einfach keinen Bock mehr.
Deswegen wollte ich heute meinen Infostrom so gestalten:
Dabei bin ich auf unerwarte Schwierigkeiten gestoßen. Ich bekomme meine Facebook Statusmeldungen weder automatisch auf Twitter veröffentlicht, noch in Friendfeed importiert. Bei Twitter scheint der automatisierte Export nur bei Seiten und nicht bei Personen zu funktionieren. Bei Friendfeed ist die Funktion zwar vorgesehen,
aber ich bekomme die Fehlermeldung: It appears that Facebook does not provide a Status feed for your account
Ich habe in der Privatsphäre bei Facebook alle Daten auf “öffentlich” stehen.
Da habe ich durch Zufall ein Buch erwischt, welches wohl eine Standard-Lektüre für Mitglieder und Sympathisanten der Piratenpartei ist, oder noch werden dürfte.Doctorow ist ein kanadischer Blogger, der laut Forbes zu den 25 einflussreichsten Menschen im Internet zählt. Er ist außerdem Aktivist für die Liberalisierung des Urheberrechts, Datenschutz und gegen Digitale Rechteverwaltung.
Er hat meiner Meinung nach hiermit einen sehr bedeutenden und unglaublich lehrreichen Roman abgeliefert, welcher nicht nur Nachhilfe in technischen Fragen der Verschlüsselungs- und IT-Sicherheitstechnik liefert, sondern auch beeindruckend klar macht, was passieren kann, wenn der Staat im Kampf gegen den Terror glaubt, die Verfassung und die damit verbundenen Grund- und Menschenrechte außer Kraft setzen zu dürfen. Gnadenlos werden hier alle damit verbundenen Denkfehler der Sicherheitspolitiker im Rahmen einer äußerst fesselnden Erzählung aufgedeckt. Doctorow lässt so gut wie nichts aus der aktuellen Debatte aus. Foltermethoden, wie Waterboarding kommen genauso, wie Missbrauch von RFIDS oder sonstigen Missbräuchen privater Daten vor.
Nebenbei lernt man noch eine Menge darüber, wie man sich bereits heute vor zu intensiver Schnüffelei des Staates schützen kann. Ich hatte vorher noch nichts über TOR (The Onion Router) gehört und kaum habe ich in dem Buch davon gelesen, kam heute gleich mal was zu dem Thema bei netzpolitik.org. Man kann diese Technik bereits heute für mehr Anonymität beim Surfen im Internet nutzen.
Die Geschichte: Ein 17-jähriger Hacker gerät bei einem hybriden Online/Offline-Spiel in die Nähe eines Attentats in San Franzisko, das ähnliche Ausmaße wie 9/11 hat. Er wird zufällig festgenommen und auf eine Insel in der Bucht von San Franzisko mit Foltermethoden verhört. Als er endlich wieder freikommt, gründet er eine Widerstandsbewegung, welche sich hauptsächlich im Netz organisiert. Er wird damit zur meistgesuchten Person der USA. Wenn er erwischt wird, muss er damit rechnen, in ein geheimes Folter- und Internierungslager außerhalb der USA verschleppt zu werden.
Die Überhöhungen sind so minimal, dass einem beim Lesen immer wieder das Entsetzen packt, wie nah man in den USA aber auch in Deutschland bereits an den beschriebenen Zuständen ist.
Die Piratenparteil spielt in der Geschichte übrigens eine beachtliche Nebenrolle.
4 Jahre nach dem Knaller Freakonomics kommt nun der Nachfolger vom gleichen Autorenteam. Die Financial Times behauptet es wäre ganz ähnlich nur besser als sein Vorgänger geraten. Das kann ich so nicht bestätigen. Es ist ein würdiger Nachfolger und es ist genauso gut, wie sein Vorgänger und allein das ist eine beachtliche Leistung.
Es geht dieses Mal wieder überwigend um Mikroökonomie. Der Untertitel “Nichts ist so wie es scheint” zieht sich als Programm durch das ganze Buch. Bei der Untersuchung des Wirtschaftszweige Prostitition, Kindersitze und der Selbstmordattentäter kommen die beiden immer wieder zu sehr überraschenden Erkenntnissen.
Wie schon im ersten Buch wird auch hier wieder ein Klassiker der Literatur auseinandergenommen. Dieses Mal erwischt es den Klassiker des Mordes an Kitty Genovese, wo angeblich 38 Leute tatenlos zugesehen haben. Nicht nur, dass sie nicht eingeschritten sind, sie haben nicht einmal per Telefon die Polizei oder Rettungssanitäter gerufen. Dieser Fall erschütterte 1964 die gesamte Welt und fehlt seitdem in keinem Buch über Verhaltensforschung und Altruismus. Allein ich besitze 5 Bücher, in dem der Fall beschrieben wurde.
Der Fall wird hier neu aufgerollt und er stellt sich plötzlich völlig anders und auch leichter erklärbar dar. Ich verrate hier nicht die Auflösung, es ist zu spannend zu lesen.
Am meisten aufgewühlt hat mich das Kapitel über die “Klimakatastrophe”. Hier werden nicht nur alle Zweifel noch mal diskutiert, die man an der aktuellen Darstellung einer möglichen Klimaerwärmung haben kann. Was ich bislang nicht wusste, ist dass es schon seit längerem ein einfaches ungefährliches Mittel gibt, eine gefährlich werdende Klimaerwärmung wirksam zu verlangsamen, zu stoppen und sogar umzukehren. Nathan Myhrvold hat mit seinen bei Microsoft verdienten Milliarden ein Unternehmen geründet, welches ein Patent auf dieses Verfahren besitzt. Man weiß sicher, dass nach heftigen Vulkansausbrüchen Schwefeldioxid bis in die Stratosphäre geschleudert wird und dort zu einer signifikanten Abkühlung der Atmosphäre führt. Man braucht also nur gesteuert Schwefeldioxid in die Atmosphäre zu pumpen und die Erwärmung wäre beendet. Die Technologien dafür gibt es und das ganze Projekt würde weniger als 250 Mio USD kosten. Das sind ungefähr 50 Mio. USD weniger als Al Gore ausgibt, um die Menschheit in Angst und Schrecken wegen der “Klimakatastrophe” zu versetzen. Schwefeldioxid baut sich innerhalb weniger Monate wieder ab. Wir haben es also mit einem steuerbaren und reversiblen Effekt zu tun.
Ich hatte vor der Lektüre des Buches noch nie etwas davon gehört. Ich werde das Thema jedenfalls weiter verfolgen und recherchieren. Wenn das stimmt, was hier beschrieben wird, frage ich mich, warum man noch nicht häufiger davon gehört und gelesen hat.
Allein wegen dieses Kapitels bekommt das Buch von mir *****
Wenn es einen klaren Retro Trend dieses Jahr gibt, dann ist es der Punk. Musikalisch erfährt er in einer modernisierten Form eine grandiose Rückkehr, wie man dieses Jahr auch auf dem Hurricane Festival klar sehen und hören konnte. Es gibt eine neue Wirtschaftszeitung mit dem schönen Namen Business Punk. Und nun gibt es auch noch ein Buch mit dem Titel “Investment Punk”. Mir als echtem alten Punkrockveteran (der Beweis ist hier) geht diese Einvernahme natürlich deutlich zu weit- Widerstehen konnte ich dem Buchtitel dann aber doch nicht.
Der Bezug zum Punk ist schon sehr konstruiert und bemüht. Eigentlich geht es um etwas anderes: Ein erfolgreicher Investor verhöhnt die Mittelschicht und beschreibt genüßlich ihr baldiges Ende und ihre vermeintlich kranken Lebensentwürfe. Der Autor ist einem auf Anhieb unsympathisch mit seiner belehrenden Überheblichkeit.
Das ändert aber nichts daran, dass das meiste, was er dort in der Sache beschreibt richtig ist. Vielen Lesern dürfte das Buch erhebliches Unbehagen bereiten. Zu deutlich bekommen sie in vielen Dingen einen sehr unschönes Spiegelbild vorgehalten: Wie sie von ihren Arbeitgebern und ihren Banken abgezockt werden. Wie sehr Konsumzwänge Freiheit nehmen und einen in eine Falle nach der anderen tappen lässt.
Hier wird auf unangenehme aber für viele sicher sehr lehrreiche Weise erklärt, wie man richtig investiert, nach welchen Prinzipien sich Vermögen aufbauen lässt und vor allem, wie es todsicher nicht funktioniert.
So banal das Meiste ist, so fürchte ich, so neu dürfte es für viele sein.
Facebook ist eine der spektakulärsten Gründungen des ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhundert. Noch nie ist ein Unternehmenswert so schnell gewachsen wie bei Facebook. 12 Monate nach Gründung war das Unternehmen nach Ansicht von Investoren bereits über 100 Mio. Dollar wert, nach wenigen weiteren Monaten bereits über eine Milliarde bevor die Bewertung 2007 weniger als 4 Jahre nach Gründung auf den bisherigen Höhepunkt von 13 Mrd. Dollar gestiegen ist. Auch wenn die Bewertung mittlerweile wieder auf 4-7 Mrd Dollar gesunken ist, bleibt es einfach der Wahnsinn. In 2010 wird Facebook das erste Mal schwarze Zahlen schreiben und über 500 Mio. registrierte Nutzer.
In diesem Buch wird die Gründungsgeschichte beschrieben. 2 echte Hardcore Nerds, welche alle Vorurteile bestätigen gründen in einem Havard Studentenwohnheim Facebook, um endlich an Frauen heranzukommen. Der eigentlich Kopf war von Anfang an Mark Zuckerberg. Er schrieb die Software, hatte die wesentlichen Ideen, die Facebook aus dem schon damals existierenden Meer der Social Networks herausragen ließ.
Das Buch ist sehr unterhaltsam, der Untertitel: “Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft, und Betrug” beschreibt ganz gut, was einen erwartet. Es hebt sich damit sehr wohltuend von den anderen Bücher dieses Metiers heraus, die versuchen, Lehren aus der Geschichte von Facebook zu ziehen. Man lernt dort nicht, was man tun muss, um selber so etwas wie Facebook zu erfinden und erfolgreich werden zu lassen.
Es ist einfach hervorragend gemachte Wirtschaftsunterhaltung.
Musikalisch betrachtet fand ich das 2010er Hurricane deutlich besser als 2009 und das war schon nicht schlecht. Nach Veranstalterangaben waren dieses Jahr ca. 10.000 Besucher mehr da als 2009. Es fühlte sich allerdings an, als wären es mehr als doppelt so viele Besucher gewesen.
Das Festival war eindeutig überbesucht und das hat den Spaß stellenweise ganz schön geschmälert. Die Toiletten waren ab der Mitte des 2. Tages zur Hälfte nicht mehr zu gebrauchen. Während man 2009 ganz entspannt von einem Auftritt zum nächsten gehen konnte, war dies dieses Mal nicht möglich. Selbst wenn man teilweise eine halbe Stunde vor Beginn da war, konnte man nicht sicher sein, dass man beispielsweise noch ins Zelt kam. Das hat dann auch zu erheblichen Sicherheitsproblemen geführt. Bei Bonaparte war vor dem Zelt so viel Randale durch Besucher, die nicht mehr hereingekommen sind, das fast abgebrochen werden musste. Im weißen Zelt wurden nach dem Auftritt von Frittenbude alle weiteren Konzerte des Samstags gleich abgesagt, weil es zu gefährlich wurde. Auch bei den großen Bühnen im freien kam man ohne Gefahr bei einigen Bands nicht mehr wirklich in Hörweite.
Vom Wetter her gab es keine Hitzeprobleme. Es blieb bis auf 2-3 kurze Schauer die ganze Zeit trocken, es war aber bei starkem Wind mit 10-15 Grad ganz schön kalt.
Ich habe dieses Mal wieder ein paar Bands gesehen, die ich vorher noch nicht kannte und die eine echte Bereicherung meines Portfolios geworden sind.
Diese Konzerte habe ich gesehen:
Jennifer Rostock
Sie klang wie “Ideal” während der Neuen Deutschen Welle. Das war musikalisch gar nicht schlecht aber es fiel schwer sich bei ihr auf die Musik zu konzentrieren. Sie hatte an dem Tag den Preis für das furchtbarste Outfit sicher in der Tasche und man konnte trotzdem wie bei einem Verkehrsunfall nicht wegschauen. Man hörte Kommentare wie: Sieht aus wie eine englische Prostituierte und irgendwie war das eine treffende Beschreibung.
Paramore
Bewährt und gut. Starke Sängerin.
Kashmir
Eine Neuentdeckung für mich und der erste wirklich starke Auftritt des Tages.
The Temper Trap
Kannte ich auch noch nicht. Die Jungs aus Australien hatten dort 2009 ihr erstes starkes Jahr und man wird sicher auch in Deutschland noch eine Menge von ihnen hören.
Danko Jones
Grundsolides Handwerk aber wenig aufregend, gute Aufwärmübung für:
Beatsteaks
Die Meister der Livemusik. Keine andere Band hat an dem Tag das Publikum gleich von Anfang an so im Griff gehabt wie sie. Perfekter Sound, perfekte Show, die 90 Minuten vergingen wie im Fluge. Wenn man die mal live gesehen hat, ist man für die Alben verloren. Der Unterschied in der Energie ist einfach zu heftig. Der Auftritt war so gut, dass sich am nächsten Tag Billy Talent zu einer schon fast peinlichen Huldigung genötigt sah.
Florence& the Machine
Vertreterin einer relativ neuen Musikgattung aus England zu der auch Bat for Lashes gehört. elektroniklastig mit Anleihen aus den 80ern mit schönen Melodien.
Coheed & Cambria
Ich fand sie dieses Mal ein bisschen müde und farblos. Ganz im Gegensatz zu:
Deftones
Mannomann, haben die einen Druck gemacht. Die haben das Publikum so in Wallung gebracht, dass hier die erste Sicherheitsunterbrechung fällig wurde, um Tote und Verletzte zu vermeiden. Der Sänger war sichtlich geschockt von der Randale im Publikum. Trotzdem hat er nach der Unterbrechung nicht die Handbremse gezogen.
Skunk Anansie
Was für eine Stimme. Auch nach 15 Jahren immer noch in Topform. An dem Tag hat sie zwar das mit Abstand hässlichste Outfit geboten, das hat der Show aber dann doch nicht geschadet.
Porcupine Tree
Die beste Neuentdeckung für mich beim diesjährigen Hurricane. Die Musik ist schwer einzuordnen. Irgendwo zwischen Pink Floyd und Metallica. Der Sound hat überzeugt. Es waren sehr schöne melodische Lieder kombiniert mit Druck dabei. Ich habe mir sofort danach das aktuelle Album besorgt.
Bonaparte
Der Wahnsinn in Musik und Show gepackt. Bei Wikipedia wird das ganze als Visual Trash Punk bezeichnet. So ganz passt das nicht, aber mir fällt dazu auch nichts Passenderes ein. Von der ersten Sekunde an kochte das Zelt und hier wurde dann die zweite Sicherheitsunterbrechung fällig. Wer das noch nicht gesehen hat, kann sich nur schwer vorstellen, wie bizarr die Show ist. 4 Musiker und 6 Komparsen (oder Ausdruckstänzer) turnen in den absurdesten Verkleidungen auf der Bühne herum und hauen mit punkähnlicher Musik voll rein. Muss man einfach mal gesehen haben.
Billy Talent
Eine der wenigen Gruppen, deren Alben mir besser gefallen haben als dieser Liveauftritt. Das war alles ein bisschen zu bemüht und glatt. Vor allem die Schleimerei des Sängers ist mir gehörig auf den Keks gegangen. Technisch und vom Sound her perfekt. Mich hat diese Band hier als Fan verloren.
Massive Attack
Großes Kino, der beste Sound des Tages und alle Klassiker wurden gespielt. Einfach gut.
Dendemann
Nachdem Dendemann letztes Jahr hier den Auftritt richtig vergeigt hat, wollte er dieses Jahr zeigen, dass er es doch drauf hat. Erstaunlich fand ich, dass man ihn nach dieser Pleite in 2009 auf die große Bühne gelassen hat. Der Mann ist lernfähig. Er hat den längsten und gründlichsten Soundcheck des Tages hingelegt. Er kam mit einer vollständigen Band. Alle Bandmitglieder, Dendemann eingeschlossen, hatten schon ein sehr merkwürdiges Bühnenoutfit, wo man nicht so recht erkennen konnte, ob das ironisch gemeint war. Fakt ist, so schlimm sahen in den 80ern nicht mal Mofafahrer aus. Ich weiß nicht wo man heute solche Klamotten bekommen kann. Dazu passend die schlimmsten Verliererfrisuren, die man sich vorstellen kann. Mittelscheitel und Popelbremse!
Musikalisch war es dieses Mal erste Sahne und er hat das Publikum sofort voll im Griff gehabt. Dendemann ist zumindest musikalisch rehabilitiert. Optisch ist da nichts mehr zu retten. Ich schätze, die mussten schon sehr auf ihre Künstlerpässe hinweisen, um überhaupt auf die Bühne zu kommen.
Turbostaat
Mein persönlicher Höhepunkt des Festivals. Ich fand die Jungs schon vorher gut und vor allem die letzen Alben „Vormann Leiss“ und „Das Island Manöver“ laufen bei mir jede Woche mindestens einmal . Hier haben wir es mit einer sehr modernen Punkvariante zu tun, die musikalisch deutlich komplexer und präziser ist, als das was man sonst so aus dem Genre geboten bekommt. Der Sänger sieht aus wie Jogi Löw, benimmt sich glücklicherweise aber nicht so. Einer der Gitarristen steht so übel ab, dass man ihm lieber nicht alleine Nachts begegnen möchte und hat einen ganz klassischen Ramones Körperbau. Das sieht man auch nicht mehr oft.
Vollalarm ab der ersten Sekunde und das Publikum kannte erstaunlicherweise alle Texte und ging sofort mit. Die Jungs sind also definitiv ein nicht mehr so elitärer Geheimtipp, wie ich dachte. Auch der Sänger war sichtlich überrascht über die Textsicherheit der Zuschauer und wirkte immer wieder so, als wenn er es gar nicht fassen konnte, dass so viele Menschen sie so gut finden.
Was ich bemerkenswert fand, war mit welcher unglaublichen Geschwindigkeit das ganze Konzert über die Gitarren bearbeitet wurden. Ich hätte auch in meinen besten Tagen das Tempo keine zwei Lieder gehalten, dann wäre mit der rechte Arm abgefallen. Da wurde nicht nach Metallica Art mit Minimalhub aus dem Handgelenk gearbeitet, sondern die Anschläge kamen aus dem ganzen Unterarm mit großer Amplitude. Das war schon körperlich beeindruckend. Was noch erstaunlicher war: Das ganze erzeugte nicht den punktypischen Lärmbrei, sonder war so präzise auf den Punkt gespielt, dass alles schön klanglich ausdifferenziert blieb. Das war einfach großartig.
Deichkind
Die Jungs waren der Headliner am Sonntag und es war klar, dass hier die Steppe toben würde. Wir wurden nicht enttäuscht, alle Deichkinder waren in großer Form, obwohl sie ganz schön rundlich geworden sind. Selbst Ferris MC sah zwar fertig wie immer aus, zeigte aber keine Konditionsschwächen. Die Show und die Kostüme waren bizarr wie immer und sie haben kein Lied ausgelassen, das ich gerne gehört hätte. Es ging gleich mit „Arbeit nervt“ los. Gefreut hat mich, dass sie auch aus der vorbizarren Ära noch „Bon Voyage“ gespielt haben. Traditionell kam als letztes „Remmi Demmi“ und damit war die Stimmung auch treffend beschrieben.
Neurophilosophie ist ein relativ neues Forschungsgebiet, welches versucht, die philosophischen Konzepte mit den neuesten neurobiologischen Erkenntnisse der Hirnforschung in Einklang zu bringen.
Der Autor ist ein renommierter Wissenschaftler mit einem eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl für Geist, Gehirn und Neuroethik an der Universität in Ottawa. Dieses ist sein erstes populärwissenschaftliches Buch und es ist ihm meiner Meinung nach nicht vollständig gelungen. Er bettet diese doch sehr anspruchsvolle Materie in ein völlig misslungenes Krimikonstrukt, welches immer wieder sehr bemüht wirkt und dem Buch wirklich kein Stück weiter hilft. Glücklicherweise macht der “Krimiteil” max 5% des Buches aus, der Rest ist dann ein eher normales Sachbuch.
Northoff fordert seinen Lesern deutlich mehr Konzentration und Aufmerksamkeit ab, als seine amerikanischen Kollegen. Das Buch ist streckenweise sehr anstrengend.
Letztlich finde ich das allerdings Buch sehr gelungen. Es führt einen durch den Stand der aktuellen Forschung zum Thema Gehirn und Bewusstsein und macht eine Tour durch die für diesen Forschungsgegenstand relevanten Wissenschaftsgebiete wie: Neuro-Pychologie, Immunologie, Psychoanalyse, Psychiatrie, Kognitionspsychologie, Kulturanthropologie u.a.
Mir hatte bereits “Eine kurze Geschichte von fast allem” von Bryson sehr gut gefallen. Bryson ist ein genialer Sachbuchautor, der auch sehr trockene Inhalte unterhaltsam und lehrreich beschreiben kann.
Shakespeare hat mich im Laufe der Jahre immer mal wieder fasziniert. Es gibt einige sehr gute Verfilmungen seiner Stoffe, die ich teilweise mehrfach gesehen habe. Vor allem die heftig umstrittene Verfilmung von “Romeo und Julia” mit Leonardo di Caprio hatte es mir angetan.
Ich hatte immer mal wieder am Rande mitbekommen, dass es eine Diskussion darüber gibt, ob es William Shakespeare wirklich gegeben hat. Da trifft es sich gut, dass einer meiner Lieblingsautoren sich dieses Themas angenommen hat.
Ich finde das Buch richtig gut. Man wird auf den aktuellen Stand der Shakespeare Forschung gebracht. Es ist erstaunlich, wie wenig man über diesen Schauspieler und Schriftsteller weiß, dessen Werke bis heute eine so herausragende Rolle spielen. Es gibt kein einziges sicheres Portrait von ihm, man kennt nicht seinen genauen Geburtstag. Ausgerechnet über seine kreativste Schaffensperiode weiß man weder, wo er war, was er ansonsten so getrieben hat. Trotzdem ist heute sicherer wissenschaftlicher Stand, dass es ihn gegeben hat und dass er sicher der Autor der ihm zugerechneten Werke ist.
Bryson zeichnet nebenbei ein sehr plakatives Bild der Elisabethanischen englischen Epoche und des Londoner Lebens zu dieser Zeit.
Da bin ich mal reingefallen. Ich dachte, es handelt sich bei diesem Buch um das neueste Werk von Zafón, dessen Bücher Spiel des Engels und Schatten des Windes ich richtig gut fand. Sollte es einen Hinweis auf dem Buch gegeben haben, dass es sich um eine Zweitvermarktung eines Frühwerkes des Autors handelt, welches sich eher in der Kategorie naives Jugendbuch einsortieren lässt, habe ich ihn jedenfalls übersehen.
Dieses Buch kommt nicht mal ansatzweise an seine späteren Werke heran. Auch das gerade erschienene Buch von Zafón “Fürst des Nebels” ist ein Frühwerk und kein aktueller Titel von ihm. Ich warte dann jetzt mal lieber auf einen echten neuen Zafón.
Ich bin durch Felix Schwenzel in wirres.net auf das Buch aufmerksam geworden. Ich hatte letztes Jahr “Unendlicher Spaß” von David Foster Wallace angefangen und musste nach 1.300 von 1.800 Seiten kapitulieren. So viel genialen Wahnsinn habe ich dann letztlich doch nicht ertragen. Ich kenne viele, die das Buch ebenfalls angefangen haben, ich habe aber noch niemanden getroffen, der es bis zum Ende geschafft hat. Vielleicht kann sich ja hier mal jemand melden, der hart genug gegen sich selber war und hier beschreiben, wie der Schluss des Buches so war und was es aus ihm gemacht hat.
Felix Schwenzels Beschreibung klang sehr danach, dass dieses Buch hier deutlich lesbarer sein soll und so bin ich wieder mal der Versuchung für diesen Autor erlegen.
Es handelt sich um eines der Frühwerke von Foster Wallace, wo sein Wahnsinn noch nicht so weit fortgeschritten war, der ihn letztlich in den Selbstmord trieb. Die Handlung ist sehr einfach. Foster-Wallace macht als Reisejournalist eine Fahrt auf einem Kreuzschiff in der Karibik und schreibt darüber.
Mein Vorstandskollege Andreas Wenniger hat direkt nach der Schule eine Zeit lang auf so einem Schiff gearbeitet, so dass mich aufgrund seiner Erzählungen nicht mehr vieles überraschen konnte, was in dem Buch beschrieben wird.
Foster Wallace hat eine schon fast übersteigerte Wahrnehmungsfähigkeit für menschliche Eigenarten und Schwächen, die er gekonnt niederschreibt. Er macht die Absurdität dieser Tourismusart sehr greifbar und schildert die unmöglichen Arbeitsbedingungen des Personals auf Kreuzfahrten. Dies geschieht allerdings auf eine eher subtile Art.
Mir hat dieses Buch sehr viel Spaß gemacht und ich habe mir mal gleich zwei weitere Bücher von Foster Wallace besorgt.
Dieses Buch hat es mir beim Lesen nicht leicht gemacht. Einerseits habe ich es ausdrücklich als leichte Urlaubslektüre gekauft, andererseits verflacht es doch an einigen Stellen so sehr, dass man unangenehm an die Seichtigkeit der Werke Tommy Jauds (u.a. Resturlaub, Vollidiot, Millionär) erinnert wird.
Eigentlich ist es eine sehr düstere Vision, die allerdings durch den speziellen Humor von Uschmann eine sehr eigenartige Stimmung erzeugt, die erst zum Schluss richtig ins Finstere abrutscht. Ich werde hier den Schluss nicht verraten. Mich jedenfalls hat er sehr überrascht.
Es geht um eine Mischung aus heute bereits realem Berlin und einer nur kurz in die Zukunft gesprungenen Fiktion. 4 akademisch geprägte Lebenskünstler kommen ziemlich pleite in Berlin an und versuchen Arbeit zu finden. Die aktuelle Regierung ist plötzlich schnell im Inkraftsetzen von erstmal völlig absurd klingenden Gesetzen geworden. Man versucht Nachhaltigeit, gesunde Lebensweise, Moral und Antidiskriminierung endlich in den Griff zu bekommen und greift nicht nur per Gesetz, sondern gleich mit Ausweitung der Exekutive durch. Wenn man genau hinsieht, merkt man allerdings, dass diese fiktiven Gesetze nur eine klitzekleine Steigerung des heute bereits bestehenden Rechts darstellen. Ich habe mich schon länger über die Qualität der aktuellen Gesetzgebeung geärgert. Hier wird dieser Wahnsinn der Show-Gesetzgebung literarisch verarbeitet.
Während man in diesem teilfiktivem Berlin einerseits massiv um die o.g. hehren Werte kümmert, ist man weiter tatenlos gegenüber der Abdankung des Rechtsstaates in ganzen Statdtteilen, die von mafiösen Organisation regiert werden und von allen Einwohnern Schutzgeld erpressen.
Es entsteht u.a. ein neuer Wirtschaftszweig von Agenturen, welche den auflagengeschüttelten Unternehmen die nun geforderten Quotenmarxisten, Homosexuellen und einarmige Mitarbeiter vermitteln. Wer die aktuellen Erweiterungsgesetze zum Antidiskriminierungsgesetz und die damit verbundene Diskussion in den Unternehmen vor allem zum Thema Pflichtdiversität mitverfolgt, bekommt spätestens beim Lesen dieses Buches eine Gänsehaut.
Die Unlust Mitarbeitern anständige Gehälter zu zahlen bekommt ebenso ihr Fett weg, wie Werbeagenturen u.v.m.
Es gibt auch eine schöne Beschreibung der Berliner Bloggerszene, in welcher Sascha Lobo beschrieben wird, ohne seinen Namen zu nennen. Er ist trotzdem gut erkennbar. Ohne diese Szene genau zu kennen, kann ich mir vorstellen, dass die Beschreibung einige Treffer enthält.
Letztlich ist das Buch eine Beschreibung einer dümmlichen faschistoiden Gutmenschendiktatur und zeigt die Folgen auf, wenn Demokratie auf versagende Bildungssysteme trifft.
Einer meiner ehemaligen Kollegen bei SYNAXON hat sich letztes Jahr selbständig gemacht. Er hat nun ein spannendes Projekt gestartet, bei dem ich ein bisschen mitmachen durfte.
Alex will innerhalb von 100 Tagen vom Fußgänger zum Piloten werden. Wenn ich bedenke, dass ich bis zum Erwerb meiner ersten Pilotenlizenz mehr als 1 Jahr gebaucht habe, ist das ambitionierter Zeitplan. Er ist aber trotzdem realistisch, weil er den Schein einerseits nicht in Deutschland macht und sich deswegen eine ganze Menge theoretischen Ballast erspart. Und er wird die Ausbildung Vollzeit absolvieren und nicht nur nebenbei, wenn mal gerade Zeit ist.
Und wenn man schon eine amerikanische Lizenz erwirbt, warum dann nicht gleich vor der traumhaften Kulisse Alaskas?
Die Lizenz soll so erworben werden, dass er danach gleich einen fliegerischen Höhepunkte absolvieren kann, von dem viele Piloten nur träumen können: Er wird von Alaska zum Oshkosh Airventure in Wisconsin fliegen. Das ist die Fliegermesse überhaupt. Wenn er nicht einen altgedienten Cargo Piloten dabei hätte, wäre das für einen Anfänger allerdings Wahnsinn. Allein der Gedanke an den Anflug auf diese Veranstaltung lässt auch erfahrene Piloten kribbelig werden.
Das Ganze Projekt wird von Alex per Blog begleitet und später soll daraus ein Buch und eine Vortragsreihe werden.
Den ersten wichtigen Meilensteinstein hat er zu meiner Überraschung gemeistert. Er hat trotz seiner Glasbausteine im Gesicht tatsächlich das Medical bekommen.
Ich hoffe jedenfalls, dass auch der Rest noch klappt und werde sicher einen seiner Vorträge besuchen. Als Teil seiner Vorbereitung hat er Pilotengesprräche geführt und eins davon war mit mir.
Die Rezensionen, die ich mir über das aktuelle Buch von Frank Schätzing vor dem Kauf durchgelesen habe, fielen sehr gemischt aus. Einigen war das Buch zu langatmig. Vor allem die ausführlichen Beschreibungen der naturwissenschaftlichen Grundlagen seien zu lang ausgefallen. Gerade das hatte mich gereizt und so habe ich mich an die 1300 nicht allzu groß bedruckten Seiten gemacht.
Um es vorweg zu nehmen: Ich finde dieses Buch großartig. Es ist der beste Science Fiction Roman den ich bislang gelesen habe. Schätzing verbindet hier auf einmalige Weise eine relative komplexe Geschichte mit mehreren parallelen Handlungssträngen, einen sehr gelungenen Spannungsaufbau und eine Beschreibung der Zukunft, die nicht unrealistisch erscheint. Die Spannung bleibt bis zur letzten Seite erhalten und es komt gerade zum Schluss noch eine Wendung, die zumindest ich garnicht mehr erwartet hätte. Man legt dieses Buch nur sehr ungern zwischendurch wieder aus der Hand.
Er mischt reale Personen, wie David Bowie mit fiktiven Fuguren, deren reale Vorbilder allerdings deutlich erkennbar sind. So ist z.B. Richard Branson deutlich als Vorbild in der Figur Julian Orley zu erkennen.
So weit ich das beurteilen kann, ist das Buch hervorragend recherchiert. In den Danksagungen am Schluss bekommt man einen kleinen Eindruck, welche Quellen er genutzt hat hat, um möglichst viel Sachkunde in die Geschichte zu bekommen. Da kommen Astronauten, Physiker, Sinologen, Vorstände von Energieerzeugungsunternehmen, Informatiker, Kriminalisten u.v.m. vor.
Schätzing geht das Risiko ein, eine relativ nahe Zukunft zu beschreiben. Das macht die Geschichte einerseits fassbarer, andererseits, dürften die meisten seiner Leser den beschriebenen Zeitraum (2025) noch erleben und damit seine Visionen einer Überprüfung unterziehen können. Aber es ist ja keine Prognose, sondern eine wissenschaftliche Fiktion.
Das Buch handelt von einem Großunternehmen (welches Orley gehört) , welches mithilfe von geostationären Raumstationen die Idee der Weltraumaufzüge realisiert hat und damit die wirtschaftliche Nutzung von Helium 3 Reserven auf dem Mond ermöglicht. Nebenbei hat das Unternehmen noch einen Fusionsreaktor für Helium 3 entwickelt und damit die Energieprobleme der Menscheit für die nächsten 400 Jahre gelöst. Das hat enorme Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft und natürlich auf die Ölindustrie.
Orley ist mit einer Gruppe von Milliardären und Meinungsmachern auf dem Weg zum Mond, um sie als Investoren zu gewinnen. Im Laufe der Geschichte wird immer klarer, dass irgendeine Katastrophe aufzieht.
Es gibt nur 2 Kleinigkeiten, die mich an dem Buch gestört haben. Schätzing kann hervorragend konfliktgeladene Dialoge schreiben. Solange aber noch alles in Ordnung ist, haben die Dialoge Rosamunde Pilcher Niveau und schmerzen ein wenig. Glücklicherweise ist nur die ersten 50 Seiten noch alles in Ordnung
Und ich finde, etwas weniger Gewalt hätte der Geschichte eher genutzt als geschadet.
Gunter Dueck hat einen neuen Job bei IBM. Er ist jetzt u.a. für Infrastrukturthemen zuständig. Da wundert es wenig, dass Infrastrukturen in seinem neuesten Buch eine wichtige Rolle spielen.
Er befasst sich schwerpunktmäßig mit der Frage, was es für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn durch die Automatisierung von Dienstleistungen durch Software in diesem Segement genausos viele Arbeitsplätze wegfallen, wie schon vorher in der Landwirtschaft und dann in der Industrie. Er bietet einen Ausweg aus der drohenden Massenverelendung: Alle müssen Abitur machen und alle müssen studieren!
Wir haben schon heute zu wenig Fachkräfte bei Mathematikern, Informatikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Dieser Engpass wird sich weiter verschärfen, wenn nicht bald etwas geschieht. Schließlich müssen noch so viele höchst anspruchsvolle Aufgaben erledigt werden und das geht nur mit top ausgebildetem Personal.
Das Ganze muss noch begleitet werden mit einem massiven flächendeckendem Ausbau der dafür wichtigsten Infrastruktur: dem Breitbandinternet. 1GB/s müssen es mindestens werden.
Im Laufe des Buches bekommt man immer mehr Lust auf die Zukunft und verspürt den Drang, diese in dem dort beschriebenen Sinne mit zu gestalten. Ich musste es jedenfalls beim Lesen immer mal wieder weglegen, weil es mich zu neuen Ideen für unser Geschäft inspiriert hat, die ich mir dann erst dringend aufschreiben musste.
Mir hat das Buch Wer bin ich und wenn ja wieviele von Precht sehr gut gefallen. Trotzdem war ich mir zunächst nicht sicher, ob ich dieses Buch lesen sollte. Die meisten guten Sachbuchautoren schreiben keine besonders gute Romane. Und dann gibt es in dieser Gattung der Roman, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls in Berlin spielen schon eine ganze Menge Bücher, von denen einige nicht schlecht sind. Ich fand zum Beispiel Herr Lehmann: Ein Roman von Sven Regener sowohl als Buch als auch als Film (Herr Lehmann) klasse.
Nachdem ich ein paar Seiten im Buchladen angelesen hatte, war ich aber überzeugt, dass dieses Buch einen Versuch wert sein könnte.
Ich wurde nicht enttäuscht. “Kosmonauten” ist einer der besten Romane, die ich bisher gelesen habe. Obwohl die Geschichte kaum etwas hergibt, reisst einen die sprachliche Wucht Prechts förmlich mit. Ohne ins Peinliche abzurutschen geht er mit sehr bildhafter Erzählung immer wieder bis an die Schmerzgrenze.
Ich finde, Precht gehört mit diesem Buch in die gleiche Liga wie Tellkamp mit “Der Turm” und Kehlmann (u.a. mit Ruhm).
Das Buch hat außerdem eine erstaunliche Tiefe, die einen immer wieder stark berührt. Ich hoffe Precht wird noch ein paar Romane schreiben. Mich hat er jedenfalls als Stammleser gewonnen.
Sie spielten damals ein bisschen in der LowFi und Garage Welle mit, stachen aber schon erfreulich aus der Masse der anderen Bands heraus. Ich fand sie deutlich besser als die sehr verkopften StrokesW.
Nun haben sie endlich mal wieder ein neues Album abgeliefert:
Ich nehme mal an, dass viele Fans von damals dieses Album deutlich zu stark auf Kommerz ausgerichtet finden. Ich hingegen finde, dass dies eins der besten Alben dieses Jahres ist. Einige der Songs haben echtes Hitpotenzial. Der Starter Get Me Right jedenfalls dudelt bei mir gerade rauf und runter.
Musik spielt bei den meisten Menschen eine wichtige Rolle. Fast jedes wichtige Ereignis wird irgendwie durch den Einsatz von Musik emotional verstärkt. Nicht einmal im Krieg wird auf Musik verzichtet. Ganze Heere zogen mit Musik in die todbringende Schlacht, heute haben Panzerbesatzungen im Irak iPods dabei, um sich in Kampfstimmung zu bringen. Was ist Musik und warum wirkt sie so stark auf uns?
Levitin geht auf viele wissenschaftliche Disziplinen ein, die sich mit diesen Fragen befassen. Der Leser erfährt einiges über die physikalischen Grundlagen, mathematische Zusammenhänge, Kognitionspsychologie, neuronale Aspekte, Genetik u.v.m.
Der Autor ist selber Wissenschaftler und Musiker. Ihm gelingt eine sehr verständliche aber trotzdem nicht zu oberflächliche Bearbeitung des Themas.
Katharina Münk hat vor zwei Jahren mit “Und morgen bringe ich ihn um” ihren ersten Erfolg veröffentlicht. Sie schreibt unter einem Pseudonym, da sie angeblich immer noch als Chefsekretärin in einem Großunternehmen arbeitet. Das erste Buch war schon sehr lesenswert. Nun hat sie einen Roman abgeliefert.
Es geht um einen Finanzvorstand einer großen Versicherung, einen bekannten Investmentbanker, einen weiteren Topmanager und eine Chefsekretärin, die alle nach Zusammenbrüchen in eine geschlossene psychiatrische Anstalt in der Nähe von Frankfurt eingewiesen werden. Der ehemalige Finanzvorstand will einfach nicht wahrhaben, dass er dort als Patient ist und redet sich erfolgreich ein, dass er der neue Eigentümer der Klinik ist. Er überedet die andern, ihn dabei zu unterstützen, die Klinik ohne Wissen der tatsächlichen Eigentümer an die Börse zu bringen.
Wenn ich nicht schon selber einen Börsengang mitgemacht hätte, würde ich wahrscheinlich denken, dass es sich hier um eine völlig überzogene Satire handelt. Leider ist es nicht so. Genauso absurd, wie sich teilweise die Dialoge zwischen den Beteiligten abspielen, habe ich selber Gespräche in der Finanzwelt erlebt.
Für eine Chefsekretärin kennt sich Münk erstaunlich gut mit den Mechanismen des Kapitalmarktes und seinen aktuellen Sprachmoden aus. Möglicherweise deckt das Pseudonym nicht eine Sekretärin, sondern einen Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft. Wundern würde es mich nicht.
Da könnte einem schon der Gedanke kommen, dass ich durchaus auch selber genug sehr unterhaltsamen Wahnsinns erlebt habe…. vielleicht mal für später…
Dies ist das Nachfolgebuch von “Endstation Kabul” des gleichen Autors. Er schildert hier seinen 2. Aulsandseinsatz für die Bundeswehr, dieses Mal geht es für ihn nach Kundus, wo er als Mitglied eines Vorauskommandos an der Übernahme eines Stützpunktes (PRT) von den Amerikanern mitwirkt.
Wie bereits im ersten Buch, kommt auch dieses Mal vor allem die politische Führung der Bundeswehr nicht gut weg. Neben schon fast surrealen Bürokratiepossen werden Soldaten immer wieder durch schwer nachzuvollziehende Entscheidungen in Gefahr gebracht. Was Wohlgetan über die Ausrüstung der Soldaten schreibt, kann man kaum glauben. Nicht nur, dass man sie in leichten Wüstenuniformen in den afghanischen Winter schickt, man lässt sie auch in schrottreifen angemieteten Zivilfahrzeugen ohne militärische Kennzeichnung Patrouillen fahren. Wenn man das mit Berichten vergleicht, wo vollkommen einsatzfähige Bundeswehrfahrzeuge in Kabul wegen fehlender Abgasuntersuchung stillgelegt wurden, ist man nur noch fassungslos.
Die sehr plastischen Beschreibungen des Einsatzalltags mit dem damit verbundenen Stress und zwischenmenschlichen Reibereien erklären ein bisschen, warum immer mehr Soldaten mit den Bedingungen nicht mehr klar kommen und frustriert den Dienst quittieren oder gar in psychologische Behandlung gehen müssen.
Ich hoffe, dass Bücher wie diese öffentlichen Druck auf die Politik erzeugen, damit sich sich sich endlich angemessen mit diesem Einsatz auseinandersetzen und entweder diesen Einsatz beenden oder ihn auf eine Basis stellen, die dazu führt, dass dort Soldaten nicht sinnlos verheizt werden.
Lauren Slater beschreibt in diesem Buch die aus ihrer Sicht wichtigsten Experimente der Psychologie. Sie macht das auf eine ganz besondere Art. Sie beschreibt einerseits die Experimente wie in Filmdrehbüchern.
Man hat den Eindruck selber dabei zu sein, als beispielsweise das berühmte Milgram Experiment läuft. Damals ging es darum herauszufinden, wie leicht Menschen dazu zu bringen sind, jemanden zu Tode zu quälen. Über 60 Prozent der Probanden haben damals einen vermeindlich schlechten Schüler bei falschen Antworten bis zu einer tödlichen Stromstärke bestraft. Sie wussten nicht, dass der Schüler ein Schauspieler war und dass sie in Wirklichkeit gar keine Stromschläge bekommen haben. Slater beschreibt das mit einer erzählerischen Dichte, dass man beim Lesen körperlich gestresst wird. Natürlich fragt man sich sofort, wie man selber reagiert hätte und hofft insgeheim, dass man zu der Minderheit zählt, die sich letztlich weigert.
Neben der Dichte der Erzählung macht sie sich immer noch zusätzlich auf die Suche nach den Menschen, die sich diese Experimente ausgedacht haben und zeichnet ein detailliertes Charakterbild, bei dem nicht alle der Berühmtheiten gut weg kommen. Schließlich lässt sie dann noch die Gegner der Experimente und der daraus gewonnenen Erkenntnisse zu Wort kommen und bringt die vermeintliche Gewissheit dann wieder ins Wanken. Letztlich überlässt sie dem Leser die Entscheidung, was man aus dem Gelesenen für Schlüsse zieht.
Es werden Experimente zur Autoritätshörigkeit, Sucht, Hilfsverhalten, Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen, Liebe und Psychochirurgie beschrieben.
Diese Buch ist meiner Meiunung nach völlig zu Recht 2005 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gekürt worden und hat zahlreiche weitere Preise gewonnen. Slater gehört in die Liga der besten lebenden populärwissenschaftlichen Schriftsteller der Welt, die viel dazu beitragen, dass wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse ihren Weg in die Bevölkerung finden.
Auf dieser Seite fasse ich meine Aktivitäten auf den unterschiedlichen Internetplattformen zusammen. Diese sind einerseits chronologisch als auch thematisch noch mal neu gegliedert. Es handelt sich überwiegend um Aggregationen, d.h. die hier aufgeführten Inhalten haben ihre Quellen auf den Plattformen, die ich für die Erstellung genutzt habe.
Die von mir selbst erstellten Inhalte stehen unter
Creative Commons-Lizenz
Unser Buch ist erschienen
Direkt bei amazon bestellen:
Wiki, Twitter, Facebook, Corporate Blogs, soziale Netze - das Web 2.0 verändert nicht nur das Privatleben der Bürger, es setzt auch Unternehmen massiv unter Handlungsdruck. » weiterlesen