Wie in meinem Beitrag im SYNAXON Blog beschrieben, haben wir uns letzte Woche noch mal intensiver mit dem Thema Engpasskonzentrierte Strategie auseinandergesetzt. Dabei haben wir den Buchtipp “Das große 1×1 der Erfolgsstrategie – EKS Die Strategie für die neue Wirtschaft” bekommen.
Da ich zumindest 2 der beiden Autoren, nämlich Malik und Seiwert, nicht mag, hätte ich mir das Buch ansonsten nicht gekauft. Außerdem finde ich solche Buchtitel zu großkotzig. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es dieses Buch nicht als eBook gibt. Das finde ich in Anbetracht des Titelbestandteils “neue Wirtschaft” ziemlich befremdlich.
Ohne das Seminar zu EKS hätte ich mit dem Buchinhalt auch so nichts anfangen können. Es teilt viele Schwächen anderer Managementbücher. Die Praxisbeispiele machen oft den Eindruck als wenn sie nachträglich in die Methode reingezwängt worden sind. Das gilt interessanterweise sogar für das Fallbeispiel Town&Country.
Einleitungen wie: Der Erfinder von EKS hat Tausende von Unternehmen analysiert und hat den Erfolgstreiber schlechthin identifiziert, erzeugen bei mir einfach nur noch Müdigkeit. Erstens gibt es auch Tausende Unternehmen, die mit einer engpasskonzentrierten Strategie gescheitert sind (klar, die Berater würden jetzt natürlich sagen, die waren zu blöd und haben die Methode nicht richtig angewendet). Und zweitens gibt es auch Tausende Unternehmen, die mit einer ganz anderen Strategie erfolgreich geworden sind.
Den Teil von Malik hätte man sich schenken sollen. Er verwirrt mehr als das er den übrigen Inhalt stützt und ist ein ziemlich plumper Marketingtext für seine kostenpflichtigen Beratungsleistungen und Managementwerkzeuge. Glücklicherweise macht dieser Teil aber nur weniger als 10% des Buches aus.
Genug der Nölerei. Wenn man mit dem Bewusstsein an das Thema herangeht, dass EKS eins von vielen möglichen mächtigen Werkzeugen ist, bietet das Buch einen sehr brauchbaren Leitfaden, wie man die Methode ohne weitere Schulungen für das eigene Unternehmen anwenden kann. Es ist didaktisch sehr gut aufgebaut. Man merkt den Autoren an, dass sie über eine Menge Anwendungserfahrung mit der Methode verfügen und diese geben sie auch weiter. Die Checklisten und Zusammenfassungen helfen einem bei der Anwendung enorm.
Wer also EKS nutzen möchte, bekommt hier ein Anwendungshandbuch und das ist ja schon mal nicht das Schlechteste was ein Buch leisten kann. Unseren Führungskräften und Mitarbeitern bei SYNAXON empfehle ich diese Buch für die anstehende Entscheidungsfindung zur Anwendung von EKS sehr. Trotz der o.g. Schwächen, habe ich noch mehr Lust bekommen, diese Methode bei uns wieder einzuführen.
Seit Samuel Huntingtons “Kampf der Kulturen” hat mich kein Buch mehr so bewegt wie “Wer regiert die Welt” von Ian Morris. Der englische Titel beschreibt übrigens deutlich besser um was es in dem Buch wirklich geht: Why the west rules – for now
Morris unternimmt einen Parforce Ritt durch die gesamte Menschheitsgeschichte, um eine Antwort darauf zu finden, warum heute der Westen die Welt so klar dominiert. Gleich auf den ersten Seiten fliegen rassische Begründungen raus. Er belegt eindrucksvoll, dass dies kein Faktor sein kann. Letztlich behauptet er, dass geografische Faktoren einen dominierende Rolle gespielt haben: Maps instead of Chaps. Karten statt Kerle.
Selbst die größten Helden und die schlimmsten Stümper hätten und haben keinen deutlich anderen Verlauf der Weltgeschichte in Gang gesetzt.
Morris bildet einen Index, mit dem er die Entwicklung der Menschheit beschreibt. Der besteht aus 4 Faktoren: Energieausbeute, gesellschaftliche Organisation, Kriegsführung und Informationstechniken. Für die, die es genau interessiert, stellt er im Anhang sehr ausführlich die zugrundeliegende Methodik dar. Auf mich macht das einen sehr schlüssigen Eindruck. Das Modell ist überraschend einfach.
So sieht der Verlauf dieses Indexes seit Beginn der Menschheit für West und Ost aus:
Der Osten hat eine ganze Zeit lang vor dem Westen gelegen und wurde dann deutlich abgehängt. Das hängt auch damit zusammen, dass geografische Vorteile in einzelnen Epochen Nachteile in anderen aber auch wieder deutliche Vorteile sein können. Europa war aufgrund seiner geografischen Lage prädestiniert für eine industrielle Revolution, die uns vom Ende des 18. Jahrhunderts an so nach vorne katapultiert hat.
Die Menschheitsgeschichte ist gepägt von Naturkatastrophen (Eiszeiten und andere Klimaveränderungen), ständigen Zyklen von Reichtum und schlimmster Not und unfassbarer Gewalt. Entsprechend voll mit vorzeitig auf übelste Weise gestorbenen Menschen ist das Buch.
Obwohl die Papierfassung über 600 Seiten hat, liest sich das Buch recht zügig. Es ist die ganze Zeit über spannend unterhaltsam und lehrreich. Morris beschreibt sehr plakativ die wichtigsten Schaltpunkte der Geschichte. Dieses Buch hätte ich mir damals für meinen Geschichts LK vor dem Abitur gewünscht.
Morris geht noch einen Schritt weiter und beleuchtet die Frage, wie es weiter gehen könnte. Es ist mutig aus vermeintlichen Mustern der Vergangenheit auf die Zukunft schließen zu wollen. Es ist einigermaßen sicher, dass der Osten den Westen bald überholen wird irgendwann zwischen 2013 und 2103). Allerdings ist vollkommen unklar, welche Konsequenzen das haben wird. Bei einem derartig steilen Anstieg des Indexes sind kaum valide Prognosen möglich. Nur eins ist sicher: Wir steuern auf eine radikale Veränderung zu. Morris beschreibt mehrere denkbare Szenarien. Eins davon ist die Weltendämmerung. Er hält es für nicht unwahrscheinlich, dass Massenvernichtungswaffen irgendwann in de Hände von Wahnsinnigen geraten und damit das Ende der Menschheit einläuten.
Es gibt aber euch noch erfreulichere Szenarien.
In einer Rezension zu dem Buch steht: Nie war jemand so nah an einer Weltformel für die menschliche Geschichte.
Der Handelsausschuss der IHK Bielefeld trifft sich 3 Mal im Jahr. Ich mache bei den Sitzungen eine regelmäßige Kolumne, in der ich Nachrichten aus der digitalen Welt vorstelle, die ich seit der letzten Sitzung irgendwie bemerkenswert fand. Das ist natürlich eine vollkommen unsystematische, subjektive Sammlung. Heute ist wieder eine Ausschusssitzung. Da ich jedesmal nach den Links gefragt wurde, veröffentliche ich die ab dieser Sitzung hier in meinem Blog.
Als Freund von selbstorganisierenden Teams bin ich natürlich auch begeistert von Projekmanagementmethoden, welche zur Selbstorganisation beitragen. Dazu gehören auch die agilen Softwareentwicklungsmethoden, welche der klassischen Projektleiterfunktion ihr berechtigtes Ende bereiten. Scrum ist eine agile Softwareentwicklungmethode und es ist die 2. mit der ich mich auseinander gesetzt habe. Die erste war Kanban. Kanban hat mir schon sehr gut gefallen. Scrum finde ich noch besser.
Das Buch vermittelt das wesentliche Wissen über Scrum in Form eines Romans. Und diese Form halte ich für die größte Schwäche des Buches. Die Autoren sind bessere Sachbuchautoren als Geschichtenerzähler. Die Geschichte ist schon sehr simpel gestrickt und voller haarsträubender hinkonstruierter Zufälle. Die Charaktere und Dialoge haben die Komplexität von Rosamunde Pilcher Figuren.
Trotzdem kann ich das Buch wärmstens empfehlen. Man bekommt als Leser genügend Informationen, um gleich mit Scrum loslegen zu können. Die Methode wird einfach und plakativ beschrieben und die Vorteile leuchten sofort ein. Ich bin mir sicher, dass man Scrum auch außerhalb der Softwareentwicklung für alle möglichen Arten von Projekten einsetzen kann und sollte.
Das Buch gehört für mich in die gleiche Kategorie, wie “Wer bin ich und wenn ja wieviele?” von Precht. Auch hier wird ein sehr moderner Zugang zur Philosophie geboten. Die alten Klassiker werden zwar auch immer mal erwähnt aber neuere Erkenntnise stehen klar im Vordergrund.
Hüble bietet eine breite Themenpalette. Neben existenziellen Fragen, wie die Endlichkeit unserer Lebenspanne, dem Sinn des Lebens, unserem Bewusstsein, kommen auch Themen, wie unsere Sprache, Gefühle, und Schlaf. Natürlich dürfen auch Religion und die versuchten Gottesbeweise nicht fehlen.
Ich finde das Buch gut. Ich habe immer wieder das Lesen utnerbrochen, um über seine Impulse nachzudenken. Hübl macht sich nicht nur über die verschwurbelte Sprache vieler Philosophen lustig, er verwendet selber eine sehr klare Sprache, was bei diesen Theman an sich schon eine Leistung ist.
Dieses Buch werde ich garantiert irgendwann ein 2. Mal lesen.
Wie Damian Sicking auf Facebook richtig festgestellt hat, musste ich dieses Buch einfach lesen. Florian Homm war für eine kurze Zeit Aktionär bei SYNAXON und ich habe ihn persönlich kennen gelernt. Einmal traf ich ihn auf dem Eigenkapital-Forum in Frankfurt und ich habe ihn auch in seiner Villa in Palma de Mallorca besucht. Das ist wie Ego-Googeln. Ich wollte natürlich wissen, ob wir in seinem Buch vorkommen. Das ist nicht der Fall. Wir waren eine zu kleine Randnotiz in seinem bewegten Leben.
Florian Homm beschreibt sich in seinem Buch als hochintelligenter funktionaler Psychopath. Diese Einschätzung kann ich aus eigener Erfahrung teilen. Ich werde nie vergessen, wie er mich und meine beiden Begleiter in seinem Anwesen empfangen hat. Gekleidet, wie ein Penner, Zigarre im Mund setzte er uns auf seine Terasse mit einem traumhaften Blick über die Bucht von Palma und ließ uns erst mal 20 Minuten völlig unbeachtet. Er las vor unseren Augen Bildzeitung, aß alleine ein Sandwich ohne uns auch etwas anzubieten, mit dem er sich weiter einsaute, führte 3 Telefonate, in denen es um Pussys-Deals, Fucking Wet Dreams und Ähnliches ging, bevor er uns endlich seine Aufmerksamkeit schenkte. Was für ein Arschloch. Wäre der Termin nicht so wichtig gewesen, wäre ich nach 5 Minuten wütend wieder abgereist. Aber dann war plötzlich völlig da und einer wachsten, analytischsten Menschen, die jemals vor mir gesessen haben. Er braucht immer nur wenige Minuten um auch hochkomplexe Themen zu verstehen, für die andere Stunden und Tage gebraucht hätten.
Wir können uns nicht über ihn als Kurzzeit-Aktionär beklagen. Da hatten wir deutlich mehr Glück als andere.
In diesem Buch beschreibt er sein Leben. Und ich bin froh, dass ich die vielen Details nicht kannte, bevor ich ihn kennen gelernt habe. Ich hätte es schlicht mit der Angst zu tun bekommen. Er hatte immer wieder Kontakt zu zwielichten Gestalten und seine Geschäfte schrammten sehr oft haarscharf an der Grenze zu Straftaten vorbei. Trotzdem ist es faszinerend zu lesen, wie er in 20 Jahren ein Vermögen von 500 Mio USD aufbaute und den größten Teil wieder verlor, genau wie er seine Familie bei diesem Höllenritt verlor.
Das Buch liest sich wie ein Krimi eines wahnsinnig gewordenen Autors. Wäre es ein Roman, würde man dem Autor vorwerfen, völlig unrealistisch zu überziehen. Seine erlebte Realität ist stärker als Fiktion.
Für Homm hatte die Geschichte erst mal kein gutes Ende. Gejagt von Kopfgeldjägern, die sich von 1,5 Mio auf ihn ausgesetzte Belohnung motivieren ließen, musste er untertauchen. Nun ist er wieder da und gibt den Geläuterten. Es wird nicht viele Menschen geben, die ihm das abnehmen. Er will sich der juristischen Auseinandersetzung mit seinen enttäuschten Anlegern stellen. Noch ist nicht klar, ob es für ihn ein Happy End geben kann.
Von mir gibt es trotz der super spannenden und unterhaltsamen Geschichte nur 3 Sterne, weil ich finde, dass er mit seiner Nabelschau ein wenig übertrieben hat und er manchmal ein wenig wirr schreibt. Er bemerkt in seinem Nachwort, dass die Leser gekotzt hätten, wenn sie den ersten Entwurf des Skiptes gelesen hätten. Allzuweit ist man gelegentlich auch bei der veröffentlichten Fassung nicht davon entfernt.
Im Kino läuft gerade “Savage” mit Oliver Stone als Regisseur. Der Film basiert auf einer Romanvorlage von Winslow. “Kings of Cool” ist das Prequel zu “Savage”. Für mich ist das Buch bislang der beste Thriller des Jahres. Er beschreibt in mehreren Erzählebenen wie Hippies in den 70ern nach Lagoona Beach in Kalifornien kamen, um die Revolution der Liebe zu leben. Dabei haben sie neben der Surferei (die altmodische Variante auf dem Wasser) den Drogenhandel zum mühelosen Gelderwerb entdeckt. Solange es um Graß ging, funktionierte die Szene unter dem Namen “Associates” als quasisozialistisches paradiesisches Kollektiv. Als aber Koks den Weg zu noch mehr Geld ebnete, zerfielen in den 80ern die Gruppen in egoistische Individuen. Eine Spirale der Gewalt wurde sich langsam beschleunigend in Gang gesetzt.
In den Jahren 2005 ff. kommen die Nachfahren der Hippie-Dealer als Twens ins Geschäft und mischen den Markt mit Hydro-Gras so mächtig auf, dass die alten Strukturen, die sich mittlerweile mit mexikanischen Kartellen vermischt haben, aufschrecken und zum Gegenschlag ausholen. Dies setzt eine Welle von Ereignissen und Gewalt in Gang, der man sich als Leser nicht mehr entziehen kann.
Der Autor ist 58 Jahre alt und schreibt als wenn er gerade Mitte zwanzig ist. Der Roman ist ein wilder Mix aus verschiedenen Zeitebenen, Sprachstilen, Regieanweisungen, Perspektivwechseln (manchmal mitten im Satz), Gedichten und Zitaten. Das macht das Buch magisch und fast hypnotisch. Eine Ähnliche Wirkung hatte bei mir bislang nur 1q84.
Den Film “Savage” werde ich mir nun jedenfalls im Kino ansehen.
Das ist nicht das erste Buch, dass ich über Google gelesen habe und ich war skeptisch, ob es wirklich Neues enthält. Der Autor war Brand Manager bei Google und er beschreibt in diesem Buch seine Zeit von 1999-2005. Aus heutiger Sicht sieht die Geschichte folgerichtig und leicht aus. In diesem Insiderbericht erfährt man, dass es durchaus immer wieder ernstzunehmende Krisen und enorme wirtschafltiche Risiken gegeben hat.
Man bekommt einen sehr guten Eindruck über die sehr spezielle Unternehmenskultur von Google und der visionären Kraft seiner Gründer. Das Buch ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Es gab für mich genug Neues über Google zu erfahren.
Dieses Buch hebt sich deutlich von Wohlgetans “Endstation Kabul” ab. Hier wird nicht das Skandalträchtige beschrieben. Es fehlen sowohl einseitig als Versager beschriebene Vorgesetzte als auch unhaltbare Befehle. Clair ist deutlich nachdenklicher und selbstreflektierter in seinen Beschreibungen. Er war als Fallschirmjäger in Kunduz und zwar in dem Nachfolgekontingent der Fallschirmjäger, die bei dem Karfreitagsgefecht 3 Tote zu beklagen hatten.
Sein Zug wurde in seiner 7-monatigen Einsatzdauer ebenfalls in eine Unzahl von Feuergefechten und Sprengattentaten verwickelt, welche ihren Höhepunkt in einem 4-tägigen Gefecht im November fanden. Seine Kompanie hatte während des Einsatzes 1 Toten und 2 Schwerverletzte. Die Beschreibungen der Gefechte sind bedrückend intensiv. Er macht keinen Hehl daraus, dass er zum Teil panische Angst hatte, die ihn handlungsunfähig werden ließ.
Das Buch hat natürlich auch immer wieder sehr tragische Momente. Die Soldaten schenken bespielsweise 2 Jungen eine Fußballausrüstung und müssen ein paar Tage später 2 Kindergräber sehen, auf denen der Torwarthandschuh als klares Signal gelegt wurde.
Was mich am meisten wundert ist, wie wenig Opfer die Bundeswehr bei diesen Gefechten erleidet. Sie gerät immer wieder in Sprengfallen mit enormer Sprengkraft, die Soldaten werden stunden- teilweise tagelang mit Gewehren, Mörsern und Panzerabwehrraketen aus mehreren Richtungen gleichzeitig beschossen , ohne dass es auch nur einen Verletzten bei der Bundeswehr gibt.
Dieses Buch ist bislang das Beste, was ich zum Thema Bundeswehr in Afghanistan gelesen habe. Den 5. Stern habe ich nur deswegen nicht vergeben, weil mir teilweise ein bisschen zu sehr auf politische Korrektness Wert gelegt wurde. Es wirkt manchmal doch ein bisschen zu bemüht, möglichst niemanden schlecht aussehen zu lassen.
Es gibt weltweit ca. 10 Mio. Menschen mit einem freien Vermögen von mehr als 1 Mio. Euro. 800.000 davon leben in Deutschland. 100.000 Menschen haben weltweit mehr als 100 Mio. und es gibt ca. 1.300 Milliardäre weltweit. Diese Spezies der Superreichen ist wissenschaftlich schlecht erforscht. Das hängt auch damit zusammen, dass Milliardäre in der Regel nicht besonders auskunftsfreudig sind.
Krysmanski versucht in diesem Buch das Phänomen der Superreichen zu analysieren. Wie sind sie an ihr Geld gekommen, was machen sie damit, warum wächst das Vermögen der Superreichen ungebremst trotz aller Krisen, während der Rest der Welt unter den Krisen leidet?
Auch er stößt an die Informationsbarrieren aber er kommt erstaunlich weit. Das Bild was er zeichnet, ist ziemlich ausdifferenziert. Er beschreibt die Gefahren, die von Milliardären für die Gesellschaft ausgehen, ohne sie dabei verallgemeinernd zu verrteufeln. Milliardäre sind keine homogene Klasse. Es gibt Kriminelle, Wohltäter, Linksintellektuelle, Dummköpfe und viele andere Charaktere unter ihnen.Viele von Ihnen sind sich ihrer sozialen Verantwortung durchaus bewusst. Allein in den USA kommen jährlich 300 Mrd. USD aus den Stiftungen der Superreichen für wohltätige Zwecke. Bleibt die Frage, ob es gut ist, dass derartige Geldströme ohne jegliche demokratische Kontrolle in den Sozialapparat fließen sollten.
Der Autor ist sich ziemlich sicher, dass wir gerade das Ende des Kapitalismus erleben, der in erster Linie an seiner Kapitalkumulation und damit letztlich an den Superreichen scheitern wird. Spannend ist, was danach kommen wird.
Dieses Buch sticht klar aus allen Büchern hervor, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.
Es ist große Sprachkunst, mit einem unglaublich negativen Menschheitsbild versehen, tottraurig, irgendwie abstoßend und gleichzeitig einen Sog entwickelnd, der es einem bei aller Qual beim Lesen unmöglich macht, das Buch einfach weg zulegen, um es nie wieder anzurühren.
Es geht um den Zwitter Toto, der 1966 in der DDR von einer Alkoholikerin geboren und kurz nach der Geburt ins Heim gebracht wird. In dem Heim wird Toto misshandelt und schließlich von der Heimleiterin an ein ebenfalls schwer alkoholkrankes Bauernpaar als Sklave verkauft. So rasselt Toto von einer Katastrophe in die nächste, kommt noch vor der Maueröffnung nach Westdeutschland, landet in Hamburg. Der Roman begleitet sie bis in die Zukunft im Jahre 2030 wo sie schließlich an einer Verstrahlung stirbt, die sie durch einen radioaktiven Stent erlangt. Diesen hat sie bei einer OP eingepflanzt bekommen, weil ihr Todfeind die Ärzte bestochen hat. Toto ist vollkommen gutmütig und erträgt ihr Schicksal bis an die Lethargiegrenze. Die Menschen begegnen ihr fast ausschließlich außerordentlich feindselig. Neben verbalen Demütigungen wird sie immer wieder Opfer übelster köperlicher Gewalt.
Noch schlimmer als das Schicksal von Toto ist die völlige Ausweglosigkeit ihrer Peiniger und der sonstigen Figuren in dem Buch. Das Leben an sich wird als nutzlos, trist, ohne Hoffung und natürlich glücklos beschrieben.
Ich glaube, die Faszination dieses Romans rührt auch daher, dass jeder schon mal in dunklen Phasen ähnlich gedacht hat, wie die Figuren im Roman. Sie werden immer wieder in einer schwer erträglichen Verfassung beschrieben. Dabei wird fast keine Gruppierung ausgelassen. Egal ob man Banker, Gastronom, Bio-Warenkäufer, Reihenhausbesitzer, Altenheimbewohner, Kommunarde oder wer auch immer ist: Nahezu jede soziale Gruppe wirden unbarmherzig seziert und vorgeführt. Die schlimmsten Gedanken, die man in solchen Rollen denken kann, bekommt man von Sibylle Berg um die Ohren gehauen. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, dass so unversöhnlich mit der Menschheit umgeht.
Kafkas Prozess ist dagegen eine leichte Humoreske. Verstörender geht es kaum. Ich habe allerdings auch selten so lange über einen Roman nachgedacht, wie über diesen. Häufiger als einmal in 10 Jahren möchte ich ein solches Buch nicht lesen.
Ich werde die Autorin in en paar Wochen persönlich kennen lernen. Ich bin sehr gespannt, wie sie als Mensch ist und ob sie ständig unter Antidepressiva steht, um ihre eigenen Bilder und Gedanken aushalten zu können.
Für mich eins der bemerkenswertesten Bücher des Jahres. Adolf Hitler wacht im Jahr 2011 über dem Führerbunker in Berlin in seiner benzingetränkten Uniform wieder auf. Er ist kerngesund und von seiner Gesinnung zu 1945 unverändert. Mit diesem bizarren Szenario startet der Roman. Hitler versucht sich in unserer Zeit zurechtzufinden und wird von einem Kiosk-Besitzer aufgenommen, der ihm auch zivile Kleidung besorgt. Der entdeckt das unglaubliche schauspielerische Talent dieses “Hitler-Darstellers” und vermittelt ihn an eine Fernsehproduktionsfirma. Diese lässt ihn in einer Comedy-Show auftreten, in welcher er aktuelle Themen, die er nebenbei aufgeschnappt hat mit seiner Weltanschauung in einer Rede verarbeitet. Das Publikum ist begeistert. Hitler wird zum Youtube-Star. Der Sender gibt ihm eine eigene Show. Seine Umgebung ist fasziniert davon, wie sehr er in seiner “Rolle” lebt. Zu keiner Sekunde verlässt er den Plot.
Vermes schafft mehrere Kunststücke. Das Buch in ist in der Ich-Perspektive von Hitler geschrieben. Seine Gedankenwelt ist völlig konsistent und übt sofort wieder eine gewisse Faszination aus. Hitler entlarvt mit seinen Gedanken und Beobachtungen zu unserer Zeit, wie lächerlich viele Dinge sind, die wir als völlig normal betrachten, wie zB unsere Fernsehgewohnheiten. Vermes überspitzt das immer wieder so stark, dass man nicht anders kann als während des Lesens loszulachen. Es ist saukomisch und unglaublich bizarr. Man weiß oft nicht was man bizarrer finden soll: Hitlers Gedankenwelt oder unsere Lebenswirklichkeit aus seiner Sicht.
Vermes beschreibt, wie brüchig unsere liberale und demokratische Haltung ist, wenn sie wieder auf einen Verführer wie Hitler trifft, der seine Lehren aus den aktuellen Entwicklungen gezogen hat.
Wer das Buch noch lesen möchte, sollte hier aufhören, meine Beschreibung zu lesen.
Das Buch hat viele großartige Höhepunkte. Der Kampf der Bildzeitung gegen Hitler, in welcher die Bildzeitung den kürzeren zieht, Renate Künast in der hitlereigenen Talkshow, Hitler auf dem Oktoberfest, wie er B-Promis wie Verena Poth zerlegt und wie er nach und nach immer populärer wird und von einem Verlag gebeten wird, ein neues monumentales Buch zu schreiben. Mit Abstand die beste Szene ist allerdings, wie er wutentbrannt mit Kamera-Begleitung die Berliner NPD-Zentrale stürmt und sich mal so richtig die aus seiner Sicht verweichlichten NPD-Funktionäre vorknöpft. Ein Massenmörder trifft auf seine Söhne im Geiste. Für diesen Film bekommt er sogar den Grimme Preis. Nachdem er ausgerechnet von Neo-Nazis zusammengeschlagen wird, bieten ihm alle Parteien im Bundestag als aufrechtem Kämpfer gegen Rechts die Mitgliedschaft an. Die Telefonate mit Künast, Rösler und Gabriel sind der Hammer.
Das wirklich Bemerkenswerte ist, dass man sich vorstellen kann, dass sich eine zu große Zahl von Deutschen genauso benehmen könnten, wenn Hitler plötzlich wieder da wäre. Und allein dafür ist das Buch eine Empfehlung. Es bringt einen dazu, noch einmal selbstkritisch zu reflektieren, ob sich Geschichte nicht auch in seinen furchtbarsten Ausprägungen doch wiederholen könnte. Letztlich bin ich aber optimistisch, dass wir hinreichend robust dagegen sind.
Ich habe in den letzten Monaten aufgehört, die von mir gelesenen Sachbücher hier zu rezensieren. Das hat sich als ein Fehler herausgestellt. Ich kann mich tatsächlich deutlich besser an die Bücher erinnern, die ich in meinem Blog beschrieben habe. Also habe ich mir vorgenommen, wieder damit anzufangen.
Ich habe in den letzten Monaten ein paar Bücher zu der aktuellen Staatsschuldenkrise gelesen. Die Buchläden sind zur Zeit voll damit. Und die meisten Bücher überbieten sich bei ihren Untergangsprophezeiungen. Mich interessiert dieses Thema und ich finde die Presseberichterstattung darüber wenig hilfreich, um die Krise wirklich zu verstehen.
Das erste Buch zu dem Thema, das ich gelesen habe ist Boomerang, Europas harte Landung, Lewis
Ich fand von Lewis “The Big Short” unglaublich gut und entsprechend hoch waren die Erwartungen an dieses Buch. Sie wurden nicht ganz erfüllt. Das Buch ist ganz unterhaltsam aber doch sehr klischeehaft und oberflächlich. Er beschreibt seine Reisen in die Finanzkrisengebiete, wie Island, Griechenland und natürlich auch Deutschland. Wenn man die einzelnen Zusammmenbrüche noch mal so lesen muss, kann man sich nur wundern, wie es nur dazu kommen konnte. Im Nachhinein kann auch jeder Laie erkennen, dass das alles nicht gut gehen konnte.
Bewertung: ***
Wie eine Volkwirtschaft wächst und warum sie abstürzt, Schiff
Die Entstehung der Staatschuldenkrisen in Form einer Metapher. Hierdurch wird sie sehr leicht verständlich und ist unterhaltsam zu lesen. Auch eher leichter Stoff mit nicht allzuviel Tiefgang.
Bewertung: ***
Schulden, die ersten 5000 Jahre, Graeber
Von einem der Vordenker der Occupy-Bewegung geschrieben. Ein ziemlicher Wälzer und erfreulich ideologiefrei. Hier wird in großen historischen Zusammenhängen beschrieben, wo Adam Smith und die meisten heutigen Ökonomen daneben liegen wenn Sie die Herkunft und die Natur des Geldes beschreiben. Dabei wird tief in die Geldtheorie eingestiegen.
Nicht leicht zu lesen und vor allem das erste Viertel ist zäh. Der Aufwand lohnt sich aber. Auch wenn das Fazit für den Kapitalismus düster ausfällt. Es muss nach seiner Theorie zwangsläufig zum Kollaps kommen und die Signale sind mehr als deutlich zu erkennen. Fraglich ist seiner Meinung nach nur, wann es passiert. Je länger es dauert, um so heftiger wird es. Interessant ist seine Unterscheidung zwischen freier Marktwirtschaft und Kapitalismus. Während der Kapitalismus scheitern wird, sagt er der freien Marktwirtschaft auch weiter eine große Zukunft voraus.
Bewertung: *
Schulden ohne Sühne, Konrad, Zschäpitz
Ganz klar meine Empfehlung zu diesem Thema. Den Autoren gelingt das Kunsstück, das Thema in einfacher Sprache super leicht verständlich zu machen ohne dabei oberflächlich zu werden. Nach der Lektüre glaube ich verstanden zu haben, wie die ganzen Rettungsschirme und Stabilitätsmechanismen funktionieren sollen.
Leider machen auch diese Autoren wenig Hoffnung, dass wir aus der Nummer heile rauskommen werden. Es wird ausführlich beschrieben, welche Optionen die Regierungen noch haben und die sind ausnahmslos unangenehm. Sollte man vor der Lektüre noch Hoffnungen gehabt haben, dass es für den Einzelnen Möglichkeiten gibt sich persönlich durch Immobilien, Gold oder Aktien der Abrechnung entziehen zu können, dürften sich diese danach erledigt haben. Bei der Beschreibung, wie Regierungen in der Vergangenheit bei den bereits sehr zahlreich aufgetretenen Zusammenbrüchen ihren Bürgern die Rechnung präsentiert haben, wird einem ziemlich mulmig. Aber auch hier wird klar gemacht, dass eine Vorhersage, wann es zu einem Kollaps kommt nicht möglich ist. Es gibt auch noch Möglichkeiten, ihn mit unangenehmen Maßnahmen zu verhindern. Auch das ist nicht ausgeschlossen. Teuer wird es für uns in jedem Fall.
Das Buch wurde mir von meinem Kollegen Mark Schröder empfohlen. Ich fand von Gladwell “Tipping Point” schon ziemlich gut und das waren 2 Gründe, warum ich zugegriffen habe. Bei der Bestellung bei amazon habe ich mich dann verklickt und aus Versehen die Papierversion bestellt. Und so habe ich seit 6 Monaten zum ersten Mal wieder ein Buch in der klassischen Variante gelesen. Gegenüber dem kindle Format bietet Papier meiner Meinung nach nur Nachteile. Auch die angeblich bessere Haptik von Büchern kann ich nicht mehr bestätigen. Ein kindle liegt deutlich besser in der Hand.
Dieses Buch hebt sich inhaltlich sehr angenehm ab von den anderen Büchern zum gleichen Thema ab. Es wandelt eher auf den Pfaden von Freakonomics. Der Schwerpunkt liegt hier ebenfalls nicht auf der Frage, was für hervorragende Individualfähigkeiten Überflieger haben, sondern es wird genau hinterfragt, welche Rahmenbedingungen den Erfolg zusätzlich begünstigt haben. Gladwell macht sich auf die Suche nach statistischen Mustern und entdeckt einiges Überraschendes: Die meisten Top-Eishockeyspieler in Kanada wurden in den ersten 3 Monaten des Jahres geboren; die meisten Milliardäre aus dem Silicon Valley in den Jahren 1953-56. Die deutlich besseren Matheleistungen von Asiaten scheinen mit dem Reisanbau und dem einfacheren Zahlensystem in China zusammenzuhängen u.v.m.
Der Leser wird hier auf eine spannende Entdeckungsreise geschickt, die deutlich besser verstehen hilft, wie es immer wieder zu Überfliegern kommt.
Nicht alles ist neu, was Gladwell beschreibt. Das Co-Piloten lieber sterben als ihrem Kapitän zu widersprechen wurde schon oft woanders beschrieben und auch das 10.000 Stunden Phänomen ist nicht wirklich neu.
Dieser Roman ist vermutlich näher an der Realität dran als einem lieb ist. Es geht um einen Hedgefonds, der ausschließlich algoritmisch gesteuert automatisiert ein Fondsvolumen von 10 Mrd. USD verwaltet. Die Algoritmen wurden von einem ehemaligen CERN-Forscher (Alex Hoffmann) entwickelt, der um sich ein Team der besten Mathematiker der Welt versammelt hat. Die Geschichte erinnert ein bisschen an den Fall von Long Term Capital Management, nur eben in die unmittelbare Gegenwart verschoben.
Das besondere an der von Hoffmann entwickelten Software ist, dass sie eigenständig lernfähig ist, genau wie HAL aus 2001 Odyssee Weltraum.
Der Fonds ist super erfolgreich, selbst in Zeiten der Krise macht er über 80% Rendite. Gerade als die beiden Gründer noch mal 1 Mrd. neues Eigenkapital einwerben wollen, überschlagen sich die Ereignisse.
Das Buch ist so spannend, dass man es schon nach den ersten 5 Seiten nicht mehr freiwillig aus der Hand legt. Man bekommt nebenbei erklärt, wie Hedgefonds funktionieren und wie gefährlich softwaregesteuerter automatisierter Handel am Kapitalmarkt sein kann. Das Ganze ist in einen packenden Psychothriller eingebettet. Da verzeiht man schon mal kleinere erzählerische Ungenauigkeiten und einen vielleicht doch etwas zu einfach geratenen Sprachstil.
Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächsten Bücher von Harris.
Sein erstes Buch Little Brother hat die Messlatte schon ziemlich hoch gelegt. Nun hat Cory Doctorow seinen 2. Roman abgeliefert. Dieses Mal geht es um die virtuellen Wirtschaftsräume der Multiplayer Online Spiele, wie wir sie heute bereits von Second Life oder World of Warcraft kennen. Er hat die Geschichte leicht in die Zukunft verlegt, wobei mir beim Lesen nicht ganz klar geworden ist, was von seiner Geschichte nicht auch heute schon stattfinden könnte.
Er beschreibt, wie in den virtuellen Welten echte Kinder aus Schwellenländern ausgebeutet werden und sich anfangen in einer Webgewerkschaft, den Webblys zu organisieren. Die Regierungen der Staaten und die Bosse der Kinderarbeiter gehen mit unglaublicher Härte gegen die streikenden Webblys vor. Die Webbewegung breitet sich epidemisch aus und organisiert einerseits einen Massenstreik und bringt mit virtuellen Finanztransaktionen die Spielewelten ins Wanken. Das Ganze ist in eine packende Geschichte verpackt, deren Ausgang ich hier mit Rücksicht auf alle künftigen Leser nicht verraten werde.
Ich schätze, das Leser, die sich noch nie in einer virtuellen Welt aufgehalten haben, zunächst Schwierigkeiten haben werden, der Geschichte zu folgen. Die Mühe lohnt sich aber trotzdem. Neben guter spannender Unterhaltung bekommt man, wie in seinem ersten Buch eine Menge an Unterricht über die Themen Okönomie, Online-Spielen, Umgang autoritärer Staaten mit Unruhestiftern uvm. geboten.
Ich finde nicht, dass Doctorow ein besseres Buch als sein Erstling vorgelegt hat, aber es ist genau so gut.
Nun ist es bei mir endgültig amtlich. Das war mein letztes Buch über Apple und Steve Jobs. Es war ein würdiger Abschluss der Reihe von Büchern, die ich zu diesem faszinierenden Thema gelesen habe. Es reicht jetzt aber auch.
Das ausgerechnet die Biografie, die er selbst autorisiert hat, diejenige sein wird, die mit Abstand am schonungslosesten mit ihm umgeht, hätte ich jetzt so auch nicht erwartet. Isaacson stellt beide Facetten dieser Persönlichkeit ausführlich dar: Das motivierende produktversessende Genie und den Tyrannen mit einer ausgeprägten narzistischen Störung. Er geht erstaunlich nah an die familiären Hintergründe, die voller Dramen sind. Die Geschichte von Apple wurde schon besser beschrieben als hier. Aber die vielen komplizierten Beziehungen, die er hatte, konnten nur beschrieben werden, wenn man wie der Autor lange Interviews mit Jobs führen durfte.
Das Fazit des Buches teile ich: An Steve Jobs wird man sich wohl auch noch in Hundert Jahren erinnern. Er war ein absolutes Ausnahmetalent.
Ich werde am Donnerstag einen Vortrag über die Piraten vor einem Publikum mit niedriger bis mittlerer Internetaffinität, guter Vernetzung und einigem Einfluss halten. Mir stehen dafür 60 Minuten zur Verfügung.
Da ich nichts brauchbares dafür im Netz finden konnte, habe ich eine eigene Prezi dafür erstellt. Vielleicht kann sie ja auch jemand andereres gebrauchen oder hat noch Ideen, was da noch rein sollte.
Eine meine Beorderungen als Reserveoffizier war in den letzten Jahren in der Panzerlehrbrigade 9 in Munster. Dort war der Autor dieses Buches, Oberst Schwitalla, in dieser Zeit der stellvertretende Brigadekommandeur und damit mein Chef. Wir haben von SYNAXON aus mit dieser Brigade im Bereich der Fortbildung kooperiert. Wir hatten u.a. die Offiziere des Stabes zu einer Fortbildung bei uns. SYNAXON durfte dieses Jahr mit 20 Gästen an der Informationslehrübung der Bundeswehr in Munster teilnehmen.
Am Vorabend hat Oberst Schwitalla einen sehr bewegenden und beeindruckenden Vortrag über seine Zeit als Kommandeur des Provincial Reconstruction Teams in Feyzabad gehalten.
Dieses Buch ist die Langversion dieses Vortrags. Es gibt mittlerweile einige Bücher, die über den deutschen Afghanistan – Einsatz geschrieben wurden. Diese stammen alle von unteren Dienstgraden und setzen sich sehr kritisch mit den Umständen des Einsatzes auseinander. Die militärischen Führer und die Politiker kommen in diesen Büchern fast ausnahmslos nicht gut weg. Dies ist meines Wissens das erste Buch eines Kommandeurs zu dem Thema. Und es ist gut, dass man auch einmal aus dieser Perspektive erfährt, welche Aufträge die Bundeswehr in Afghanistan wahrnimmt, und was sie dabei erlebt.
Oberst Schwitalla ist ein Kommandeur, wie man es sich idealtypisch wünschen würde: Verantwortungsbewusst, führungs- und durchsetzungsstark und sehr um das Wohl seiner unterstellten Soldaten bemüht. So habe ich ihn in Munster kennen gelernt und das ist auch der Eindruck, den er bei den Gästen seines Vortrags hinterlassen hat. Die Mission, die er in Afghanistan zu erledigen hatte, war schwierig. Obwohl Feyzabad kein Einsatzschwerpunkt der Taliban darstellt, ist der Einsatz durch korrupte Beamte und massiv bewaffnete organisierte Kriminalität durchaus gefährlich. In den 7 Monaten seines Einsatzes wurden die Soldaten 11 Mal beschossen, mehrere Sprengstoffanschläge angedroht und einer durchgeführt. Das Lager wurde 4 Mal mit Raketen und Panzerfäusten beschossen. Die Lage dort wurde während dieser Zeit durch den militärischen Nachrichtendiesnt durchgehend als “ruhig aber nicht stabil” eingestuft.
Der Auftrag bestand darin, mit militärischen Mitteln die Sicherheit so weit zu gewährleisten, dass die zivilen Kräfte dort Aufbauarbeit leisten können. Dabei ging es in erster Linie darum, Hilfe bei Naturkatastrophen zu leisten, dringend benötigte Brunnen zur Wasserversorgung zu bauen und vor allem Schulen zu errichten und mit Betriebsmitteln auszustatten.
Obrest Schwitalla zieht ein positives Fazit des PRT-Konzeptes. In einem der ärmsten Gegenden der Welt, in der die Menschen mit 0,40 Euro pro Tag auskommen müssen und in der eine Analphabentenquote von über 90% herrscht ist Bildung der Schlüssel für eine positive Entwicklung. Und es scheint zu funktionieren. Über 90% der Eltern schicken ihre Kinder zur Schule obwohl sie wissen, dass damit eine neue Zeit eingeläutet wird, in der sie erheblich an Macht verlieren werden. Wer gebildet ist, wird sich nicht mehr sol leicht in die mittelalterliche Machtstruktur einfügen. Schwitalla ist sich aber auch sicher, dass dieser Prozess noch viele Jahre dauern wird. Ob dieser Prozess nach Abzug der westlichen Truppen weiter gehen kann, wird sich zeigen.
Untertitel: Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook.
Das ist bis jetzt das beste Sachbuch, welches ich dieses Jahr in die Finger bekam. Leider werden es wahrscheinlich nur die lesen, die sich ohnehin mit dem Thema bereits ganz gut auskennen und nicht die, die es wirklich nötig hätten: die Entscheider in Unternehmen und Parlamenten über 40.
Hier wird die Geschichte der digitalen Revolution vom C64 bis heute erzählt. Es geht dabei weniger um die technischen Aspekte, sondern um die Frage, wie diese Entwicklung unser Denken und Arbeiten verändert hat. Meinen Buch-Co-Autor Prof. Manfred Leisenberg wird freuen, dass Stöcker die gleiche Idee vertritt wie er: Unser heutiges Internet ist eine Realisierung der Ideen der 68er und Hippies. Dazu gehört auch, dass sich die Forderung, dass alle Informationen ink. Software frei verfügbar zu sein haben, schon fast gewaltsam gegen alle Widerstände ihren Weg bahnt.
Eins der vielen Probleme, das wir heute haben ist, dass unsere Politiker leider großflächig keine Ahnung von der digitalen Welt und sie in erster Linie als Bedrohung oder noch schlimmer als geeignetes Instrument der vollständigen Überwachung der Bürger sehen.
Am Besten haben mir die Ausführungen zu den agressiven Nostalgikern gefallen. Selten wurde mir so aus der Seele geschrieben. Mental Erstarrte verteidigen mit den immer gleichen absurden Argumenten alte Technologien, wie Vinyl LPs, Bücher und Zeitungen aus Papier. Das war schon bei der Einführung von Mobiltelefonen so und ist bei der Diskussion um MP3 und eBooks sicherlich nicht das letzte Mal gewesen. Immer muss die Haptik oder das Reine und Wahre herhalten. Stöcker weist völlig zu Recht darauf hin, dass diejenigen, die heute den angeblich schlechten Klang von MP3 beklagen, wohl vergessen haben, dass sie als Jugendliche mit furchtbar klingenden Audiokassetten hantiert haben.
Wer so nostalgisch argumentiert, ist natürlich auch sicher, dass Facebook und Twitter ihre Nutzer verblöden und Counterstrike aus harmlosen Schülern Amok-Läufer macht.
Das wichtigste vorab: dieses Buch ist kein Lehrbuch in welchem einem beigebracht wird, wie man andere effektiver beeinflusst.
Der Titel führt ein hier ein wenig in die Irre. Das Buch beschreibt auf höchst unterhaltsame Art, wie leicht sich unser Gehirn durch äußere Umstände und anderen Menschen beeinflussen lässt. Der Autor eine große Anzahl von psychologischen Experimenten, die in der letzten Zeit dazu beigetragen haben, die Manipulations- und Beeinflussungsmechanismen besser zu verstehen. Natürlich werden hier auch wieder die Klassiker, wie mir Milgrams Elektroschock-Experiment aufgeführt aber es sind auch eine Menge neuer experimenteller bei, die ich zuvor in keinem anderen Buch gelesen habe.
Die Experimente sind so beschrieben dass man sie selber wiederholen kann.
Das Buch lässt bei dem Leser das ungute Gefühl zurück, dass wir sehr verletzlich gegenüber guten Manipulatoren sind, die es immer wieder schaffen, uns gegen unseren eigenen Willen und oft auch gegen unsere eigenen Interessen zu instrumentalisieren.
Immerhin hilft es dabei, die Mechanismen dahinter zu erkennen und vielleicht ein wenig dazu beizutragen, unfaire Beeinflussungen abzuwehren. Leider sind es besonders oft Psychopathen, welche enorme Fähigkeiten in der Manipulation anderer Menschen besitzen.
Apple muss moment an in jedem Vortrag auf Kongressen als Beispiel herhalten. Jedes nur denkbare Managementmodell wird am Beispiel Apple erklärt. Es gibt auch mittlerweile unzählige Bücher über Apple und Steve Jobs. Da muss sich jedes weitere Buch zu dem Thema die Frage nach seiner Daseinsberechtigung gefallen lassen.
Dieses Buch ist besonders, weil es von jemandem geschrieben wurde, der über 15 Jahre lang sehr eng mit Steve Jobs zusammen gearbeitet hat. Es wurde mir von Martin Weiß empfohlen, der mich gerade bei der Neuerstellung des Unternehmensleitbildes für SYNAXON unterstützt. Obwohl ich ihn mehrfach gebeten hatte, mich mit Apple in Ruhe zu lassen, hat er mich hartnäckig auf das Buch hingewiesen.
Leider gibt es das Buch für den Kindle nur auf englisch. Ich finde, es ist auch nicht ganz so leicht zu lesen, wie viele andere englische Wirtschaftsbücher.
Gelohnt hat es sich trotzdem. Elliot beschreibt die Besonderheiten der Führung von Steve Jobs. Aus anderen Büchern kennt man ihn ja eher als einen besessen Psychopathen, mit dem man lieber nicht zusammen arbeiten möchte. Wenn dieses Bild stimmte, wäre schwer zu eklären, wie es ihm immer wieder gelingt, die talentiertesten Menschen sehr langfristig an sich zu binden.
Hier kann man die andere Seite von Jobs kennen lernen: Wie er immer wieder seine Teams emotional überrascht, nach welchen Methoden er die Produktentwicklung vorantreibt und wie er es schafft , ein Innovationsklima zu erzeugen, das die Kreativität seiner Mitarbeiter förmlich explodieren lässt.
Man kann Steve Jobs nicht kopieren. Er vereint zu viele außergewöhnliche Talente in sich. Aber man kann trotzdem von ihm lernen, eine bessere Führungskraft zu werden.
Nach der Lektüre des Buches bin ich mir noch sicherer, dass die Erfolgsgeschichte von Apple nach seinem Ausscheiden einen herben Dämpfer bekommen wird.
Ich habe einiges an verstörender Literatur zum Dritten Reich hinter mir und hatte nach dem wirklich erschütternden Die Wohlgesinnten eigentlich mit dem Thema abgeschlossen.
Die Geschichte hinter dem Roman “Jeder stirbt für sich allein” war dann aber doch zu faszinierend, als dass ich an dem Buch vorbei konnte. Der Autor Hans-Fallada war selber Zeitzeuge und wurde nach dem 2. Weltkrieg gebeten, die Gerichtsakten zweier Deutschen literarisch zu verarbeiten, die wegen der Produktion und Verteilung von handgeschriebenen Postkarten im Berlin der 40er Jahre hingerichtet wurden. Das Lektorat hat den daraus entstandenen Roman sehr stark geglättet und gekürzt. Nun wurde mehr als 60 Jahre nach dem Tod des Autors die Urschrift unbearbeitet und ungekürzt noch mal veröffentlicht und wurde plötzlich und unerwartet zum Bestseller.
Fallada schildert den Fall mit einer derart bedrückenden und intensiven Stimmung, die das Buch meiner Meinung nach einzigartig macht. Er beschreibt, wie ein Handwerksmeister und seine Frau ihren Sohn im Frankreichfeldzug verliert. Beide waren vorher mitlaufende Funktionäre im Nazi-System. Nun aber beschließen sie Postkarten zu schreiben und in Berlin zu verteilen, mit denen sie die Deutschen über das wahre Gesicht des Hitler-Regimes aufklären wollen. Natürlich wird durch die Gestapo gegen sie ermittelt und nach mehr als 2 Jahren werden sie gefasst. Sie ziehen unabsichtich Freunde und Familienmitglieder in die Ermittlungen und damit ins Verderben.
Es wird klar, wie viel Mut erforderlich war, auch nur die kleinste Abweichung gegen das damals herrschende System zu wagen.
Auch dieses Jahr waren wir wieder auf dem Hurricane Festival in Scheeßel. Der entscheidende Faktor für so ein Open-Air Festival ist das Wetter. Die Vorhersage war alles andere als ermutigend. Es sollte an allen 3 Tagen regnen. Umso glücklicher waren wir darüber, dass der Freitag und Samstag komplett trocken geblieben ist. Allerdings ist der Sonntag dann mit Dauerregen bis 17:00 komplett ins Wasser gefallen und die Temperaturen waren mit 11 Grad danach auch nicht gerade einladend. Wir haben es dann vorgezogen, an diesem Tag komplett zu schwänzen.
Das Lineup fand ich auch dieses Jahr wieder sehr gelungen. Es fehlten zwar die ganz großen Namen aber dafür wurden eine Menge sehr guter Bands mit einer enormen musikalischen Bandbreite geboten, die man sonst so vielleicht nicht so oft zu hören bekommt. Das Festival war nahezu ausverkauft. Es dürften nur wenige 100 Karten übrig geblieben sein, so dass nahezu 70.000 Zuschauer auf dem gelände rumtobten. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden im Vergleich zum Vorjahr noch mal verbessert. Es wurden weitere Wellenbrecher vor den beiden großen Bühnen aufgebaut und in die vorderste Zone vor der Bühne waren Zugangs- und Sicherheitskontrollen eingerichtet. So dass es nie zu gefährlichen Drängeleien vor der Bühne kam, wie noch im Vorjahr mehrfach geschehen.
Ärgerlich war allerdings, dass die beiden Zelte faktisch aus unseren Festivalplan gestrichen werden mussten. Wir kamen einfach nicht rein, weil zu viele Menschen die dort spielenden Bands sehen wollten. Dadurch haben wir viele attraktive Künstler, wie z.B. Lykke Li verpasst.
Gesehen und gehört habe ich dieses Jahr:
Portugal The Man: Fand ich vor 2 Jahren im Zelt deutlich stärker als dieses Mal auf der großen Bühne.
Irie Révoltés
Kashmir
Elbow
Portishead: war für mich der Höhepunkt des Festivals. Ich habe noch nie eine Sängerin gehört, die so überzeugend auf der Bühne leidet.
Suede: Ich war noch nie ein großer Britpop-Fan und werde es wohl auch nicht mehr
All Time Low Monster Magnet: Grundsolides Gitarrengewitter
Friendly Fires
Sublime with Rome: Haben den Tiefbassrekord auf dem Hurricane eingestellt. Danach musste man erst einmal die Gedärme wieder neu sortieren
Gogol Bordello: War wieder einmal großes Ethno-Theater
Ein F.A.Z- Redakteur lebt einen Sommer lang mit verschiedenen Aussteigern mit alternativen Lebensentwürfen. Darunter sind Einzelgänger, ganze Dörfer, Öko-Fundies, Begründer eigener Religionen, Mönche, Menschen, welche die Nutzung von Geld kategorisch ablehnen u.v.m.
Sie alle eint, dass sie das bürgerliche Leben zu kompliziert, menschenfeindlich und umweltzerstörend halten. Ihre eigenen Ideen sind zum Teil rührend naiv. Ein paar von den beschriebenen Aussteigern haben auch einfach einen an der Waffel. Der Autor versucht auch die verschrobensten Ideen nicht gleich abzulehnen sondern ihnen offen gegenüber zu stehen, auch wenn es ihm manchmal sichtlich schwer fällt
Bis zur Mitte ist das noch interessant. Aber dann wird es langsam ermüdent, immer weitere krude Weltbilder beschrieben zu bekommen. Ich habe mich trotzdem tapfer weiter durchgekämpft, in der Hoffnung, dass irgendwann auch mal ein Beispiel kommt, welches als Vorbild dienen könnte. Für mich kam keins. Ich bin jedenfalls nicht motiviert, auszusteigen.
Das Buch wurde mir von unserem iTeam Chef Olaf Kaiser empfohlen. Es gibt mittlerweile eine Menge Literatur zum Thema moderne Führung. Die meisten Autoren sind sich einig, dass sich aufgrund der immer weiter steigenden Qualifkation der der Mitarbeiter, der wachsenden Dynamik der Märkte und dem Einfluss des Internets Führung und Organisation drastisch Richtung Dezentralität und größeren Freiräumen verändern muss. Ich habe diese These in dem von mir zusammen mit Manfred Leisenberg veröffentlichen Buch selbst vertreten.
Die besten Bücher zu dem Thema kamen bislang aus dem englischsprachigen Raum. Förster und Kreuz bringen hier nicht wirklich Neues zu dem Thema, was man nicht schon dutzendfach woanders lesen konnte. Aber die Art und Weise, wie sie es schreiben, macht das Buch für mich zu einer echten Empfehlung. Es inspiriert und motiviert auf eine sehr angenehme Art und Weise.
Außerdem findet man erfreulicherweise ein paar neue Unternehmensbeispiele.
Ich habe mir jedenfalls eine Menge Unterstreichungen und Notizen in dem Buch gemacht (auch das geht mit dem kindle sehr gut) und werde einige neue Aspekte in das neue SYNAXON Leitbild einfließen lassen, an dem wir gerade arbeiten.
Das Buch soll bei den Lesern Interesse für die Mathematik wecken. Obwohl unser gesamtes Leben von Mathematik geprägt ist, interessiert sich kaum jemand dafür. Der Grund dürfte in der Art und Weise liegen, wie das Thema an den Schulen gelehrt wird. In diesem Buch wird die Geschichte der Mathematik erzählt und welche Bedeutung sie in den einzelnen Epochen der Menschheit hatte. Außerdem wird Mathematik systematisch in die einzelnen Teilbereiche gegliedert und beschrieben.
Mir war das Buch ein bisschen zu oberflächlich. Der Preis für das Kindle-Buch ist allerdings mit 0,99 Euro wirklich günstig. Das Preis-Leistungsverhältnis ist mehr als in Ordnung.
Ich mag Hardseller nicht. Sie gehen mir mit ihrer aufgesetzen Freundlichkeit und ihren ständigen Taschenspielertricks der Manipulation auf den Zeiger. Ich habe einen Vortrag von Enkelmann keine 10 Minuten durchgehalten, bis ich fluchtartig und wütend über soviel selbstgefällige Borniertheit den Raum verlassen habe.
Umso überraschter war ich als ich letztes Jahr ausgerechnet vom Club 55, dem Zentrum der Hardseller einen Arwad of Excellence bekommen habe. Ich bin dort voller Vorurteile hingeflogen und ein Teil davon wurde auch bestätigt. Allerdings habe ich dort auch eine paar Verkaufstrainer und Marketingexperten kennengelernt, die eine neue Art des Verkaufens propagieren. Diese ist immer noch penetrant aber authentischer, ehrlicher und mehr an ethischen Standards orientiert. Einer davon ist Martin Limbeck. Sein neues Buch hätte ich garantiert nicht gelesen, wenn ich ihn nicht kurz persönlich kennengelernt und später auf Facebook und Twitter weiter verfolgt hätte. Der Titel hätte mich schon davon abgehalten.
Das Buch hat mich enorm positiv überrascht. Ich habe einiges an Literatur zum Thema Verkaufen hinter mir. Dieses Buch ist meiner Meinung nach zurzeit das Beste dieser Gattung. Es behandelt alle wesentliche Aspekte, die einen guten Verkäufer ausmachen und modernisiert viele alte immer noch geschulte Methoden. Das mir seine Ansichten zu den Themen ständiges Üben, Gesprächsvorbereitung und Disziplin gut gefallen, dürfte keinen der mich kennt überraschen.
Mir gefällt seine Schreibe sehr gut, auch wenn immer mal wieder der Hardseller alter Schule durchblitzt.
Untertitel:Wie die moderne Hirnforschung unser Seelenleben entschlüsselt – das Naviagtionssystem zu emotionaler Klarheit
Siegel hat in den letzten Jahren ein neues Therapiesystem namens Mindsight entwickelt, welche sich in erster Linie die aktuellen Erkenntnise der neurobiologischen Hirnforschung zunutze macht. In dem Buch beschreibt er die Methode und die Anwendung in ausgewählten Therapiefällen. Er hat die Fälle so gewählt, dass sich so gut wie jeder in einem der Geschichten wieder erkennen dürfte. Seine Erfolge sind erstaunlich und die Werkzeuge sind überraschend simpel.
Das ist das erste eBook auf meinem Kindle, in dem ich mir eine Menge Lesezeichen und Notizen gemacht habe. Wer gezielt an selbst erkannten eigenen Schwächen arbeiten möchte, findet in diesem Buch sehr effektive Unterstützung.
Als ich hier das Buch Eine billion Dollar vom gleichen Autor vorgestellt habe, bekam ich über Twitter von Farbenstau den Tip, gleich als nächstes “Ein König für Deutschland” zu lesen. Das wäre quasi Pflichtlektüre für Piraten.
Eschbach entwickelt sich zu einem meiner Lieblingsautoren. Auch dieses Buch ist fesselnd, unterhaltsam und bildend. Der Schreibstil erinnert ein bisschen an Forrest Gump. Fiktion und tatsächliche Geschichte werden geschickt miteinander verwoben.
Es geht um die grundsätzliche Manipulierbarkeit von Wahlcomputern. Der Hacker Vincent schreibt in den USA unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl einen angeblichen Demonstrator einer Manipulation für Wahlcomputer. Mit Entsetzen muss er feststellen, dass seine Software offensichtlich nicht nur zu Demonstrationszwecken verwendet wurde. Das Wahlergebnis zwischen Gore und Bush entspricht exakt seinem Algorithmus. Das bringt eine üble Gestalt auf den Plan, der mithilfe der Software Wahlsiege in Deutschland verkaufen möchte. Bei den nächsten Wahlen sollen Pattsituationen erzeugt werden, damit Politiker glauben, dass Wahlen leicht manipulierbar und damit kaufbar sind.
Vincent schreibt die verlangte Software, baut aber einen Hinweis auf sich ein. Wenn auf dem Wahlzettel eine Partei mit seine Initialien VWM auftaucht, bekommt diese 95% der Stimmen. Damit will er später beweisen können, dass die Software Wahlen fälscht.
Nachdem seine Software bei der Hessischen Landtagswahl zu einem Patt zwischen Koch und Ypsilanti führt, wird ihm klar, dass die nächste Bundestagswahl tatsächlich manipuliert werden soll.
Er informiert in Deutschland Hackerkreise und seinen unehelichen Vater Simon König. Die haben die Idee, eine Partei mit dem Kürzel VMR zu gründen, um zu beweisen, dass Wahlcomputer manipulierbar sind. Es entsteht die Volksbewegung zur Wiedereinführung der Monarchie. Simon König soll König Simon werden. Was dann passiert ist bizarr und zeigt eine Menge über eine Mediengesellschaft und Politk.Das eigentlich Schlimme daran ist, dass alle dann beschriebenen Geschehnisse nicht unvorstellbar sind.
Wer nach Leküre des Buches immer noch für Wahlcomputer ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Bewertung: *****
Kauflink für moderne Menschen:
Kauflink für analoge Romatiker und Förderer der Holzindustrie:
Das ist bis jetzt das beste Buch, was ich dieses Jahr gelesen habe und da waren schon ein paar echte Knaller dabei. Das Buch ist eine Art Bildungsroman, in dem einerseits eine spannende Geschicfte erzählt wird und andererseits wissenschaftliche Zusammenhänge einfließen. Das funktioneirt hier sehr ähnlich, wie bei Frank Schätzings “Der Schwarm” oder “Limit”.
Die Story allein ist schon ziemlich packend. 1495 hat eine florentinischer Kaufmann eine Vision und legt darauf hin nach heutiger Kaufkraft 10.000 Euro an. Er beauftragt eine Anwaltsfamilie das Geld so anzulegen, dass es sich 500 Jahre mit Zins und Zinseszins vermehrt. 500 Jahre später soll es dann sein jüngster noch lebender Nachfahre erben und mit dem Geld der Menschheit die Zukunft zurück geben. In den 500 Jahen wächst das Vermögen mit einem durschnschnittlichen Zins von 4% auf eine Billion Dollar an. Der Erbe ist ein Pizzataxifahrer in New York, der mit dem Erbe über Nacht zum mit Abstand reichsten Menschen der Erde wird.
Eschbach beschreibt eindrücklich, wie sich das Leben durch solch ein Vermögen auf dramatische Weise verändert. Seine Zinseinnahmen betragen 100 Mio. Dollar pro Tag. Er macht sich nach einem kurzen Ausflug in das Luxusleben auf die Suche nach den drängensten Problem der Menschheit, um die Prophezeiung zu erfüllen. Man erfährt als Leser eine Menge über Geldtheorie, Umweltprobleme, Modelrechnungen und globale Zusammenhänge in der Wirtschaft. Das Buch ist von der ersten Seite packend geschrieben, so dass man es nicht mehr so gerne aus der Hand legt.
Bewertung: *****
Aus einem mir nicht erfindlichen Grund kann ich nicht auf die Kindle-Version verlinken, deswegen hier ausnahmsweise ausschließlich die Holzfassung für analoge Romantiker:
Softwareentwickler hassen normalerweise alles, was mit Management auch nur im Entferntesten zu tun hat. Wenn dieser Personenkreis begeistert über eine Mangementmethode berichtet, dann lohnt sich ein Blick darauf.
Einer unserer externen Softwarentwicklungsunternehmen http://www.hdnet.de/ hat Kanban eingeführt. Die Erfahrungsberichte haben mich neugierig gemacht.
Dieses Buch ist gut. Es beschreibt verständlich die Methode und was man damit erreichen kann und gibt gleich Hilfen zur Implementierung. Ich habe fast den Eindruck, dass dieses Buch ausreichen könnte, wenn man Kanban einführen möchte. So etwas ist selten. SYNAXON hat bereits in einem Entwicklungsbereich Kanban eingeführt und wird sicher bald darüber berichten.
Es ist einfach ein unfassbarer Skandal, der hier beschrieben wird! Ich kann nicht verstehen, wie so ein Buch monatelang auf Platz 1 in den amerikanischen Bestsellerlisten stehen kann, ohne einen Volksaufstand auszulösen. Lewis beschreibt einen beispiellosen Raubzug einiger Wallstreet-Firmen, der letztlich fast dazu führt (oder noch dazu führen wird), dass das globale Finanzsystem zusammenbricht.
Es geht um die Subprime Krise Mitte 2007. Niedrige Zinsen lösen einen Boom bei Immobilienkäufen in den USA aus. Das allein wäre bereits ein enormes Geschäft gewesen aber die Banken wollen mehr. Sie lockern immer weiter die Vergabekriterien der Darlehn, bis schließlich Käufer ohne Eigenkapital und ohne Einkommen mehrere Häuser kaufen können. Weil dies natürlich viel zu riskant für die darlehnsgebenden Banken ist, lassen sie sich etwas Neues einfallen. Sie packen tausende dieser Darlehn zusammen und mischen gute und schlechte Bonitäten und verkaufen diese Pakete weiter. Diese Pakete werden von Ratingagenturen bewertet, erstaunlicherweise meist mit dem besten Rating AAA. Das bedeutet, diese Pakete sollen genauso sicher sein, wie Staatsanleihen zB von Deutschland. Aber auch das reicht den Banken nicht. Sie nehmen dann auch noch die schlechtesten Darlehen dieser Pakete und fassen sie in neuen Paketen zusammen. Hier befinden sich also nur noch die ganz faulen Eier. Und nun geschieht das Wunder: Auch diese neuen Pakete werden wieder AAA bewertet! Die emittierenden Banken haben systematisch Mitarbeiter der Ratingagenturen abgeworben und diese kannten alle Lücken und Schwächen der Bewertungssysteme. Diese wurden dann gezielt genutzt, um für Schrottpapiere beste Ratings zu bekommen.
Einige Banken, wie zB die Deutsche Bank, erkennen 1-2 Jahre vor dem Platzen, dass dieses System irgendwann kollabieren muss. Statt sofort den Vertrieb dieser Papiere einzustellen, wird fröhlich weiter verkauft und gleichzeitig spekulieren sie gegen ihre eigenen Kunden auf den Zusammenbruch des Immobiluenmarktes (going Short, daher auch der Titel des Buches) und erzielen damit Milliardeneinnahmen. Insgesamt sind wohl mehr als eine Billion USD an Immobilendarlehn und darauf basierende Wertpapiere auf Null gerauscht und vernichtet worden.
Lewis beschreibt diese Vorgänge im Stil eines packenden Romans und man hofft als Leser die ganze Zeit, dass er den Spuk als Fiktion auflöst. Aber das glückliche Ende kommt leider bis zur letzten Zeile des Buches nicht.
Und wir müssen den ganzen Mist mit unseren Steuern bezahlen, während die Banken mittlerweile wieder fröhlich weiterzocken. Kein Buch hat mich dieses Jahr so aufgeregt wie dieses.
Ich kannte bis jetzt nur Elementarteilchen von ihm, welches ich großartig fand. Nach all den Wirtschaftsbüchern brauchte ich jetzt erst mal eine Pause und habe mir deswegen Houellebecqs neuestes Werk besorgt. Dieses Buch ist astrein. Es geht um ein Portrait des französischen Kunstbetriebs im heutigen Paris. Es werden u.a. die Mechanismen beschrieben, wie Kunst als Produkt zu Höchstpreisen getrieben wird. Die künstlerischen Ideen, die Houellebecq hier beschreibt, hätten meiner Meinung nach durchaus das Potenzial, hohe Marktwerte zu erzielen. Bin mal gespannt, ob sich jemand findet, der sie umsetzt.
Houellebecq kommt selber als Romanfigur vor und lässt sich auf bestialische Art ermorden. Natürlich spielen sich auch in diesem Buch von ihm die großen Dramen des Lebens ab. Sie werden mit ganz großer Sprachkunst beschrieben.
Das ist mit über 400 Seiten ein ganz schöner Schinken. Das Buch beschreibt den unaufhaltsamen Siegeszug der Musik vom 17. Jahrhunder bis heute. Dabei geht es nicht darum, den Siegeszug der Musiker oder einer bestimmten Musik zu beschreiben. Dogmatische Klassikfans werden keinen Gefallen an dem Buch finden.
Blanning startet in jedem Kapitel die Zeitreise neu. Er fängt immer im 17. Jahrhundert an und endet heute. In den einzelnen Kapiteln geht es um die Entwicklung von Musikern von Lakaien zu gottähnlichen Superstars, die unterschiedlichen Epochen der Musik, die Bedeutung der Spielstätten, der Technik, der Musik als politisches Agitationswerkzeug, Kriegstreiber, rassenverbindendes Integrationsmittel und Sexobjekt.
Das Buch ist von hoher Substanzdichte und trotzdem sehr gut lesbar.
Das ist eins der Bücher, um die ich normalerweise einen Bogen gemacht hätte. Sowohl der Titel als auch die Klappentexte klingen zu sehr nach einem weiteren völlig beliebigen Managementmodell, was einen nicht wirklich weiterbringt. Meistens geht das schief, wenn sich Autoren auf die Suche nach Erfolgsfaktoren von Unternehmen machen.
Was mich dann doch neugierig gemacht hat, ist die mehrfache Erwähnung in Zappos – Delivering Happiness und eine dringende Empfehlung von Martin Weiß, der mich zurzeit bei der Überarbeitung des SYNAXON Leitbildes unterstützt. Bevor ich dann das Buch gekauft habe, hatte ich mir einen Kurzvortrag von David Logan zu seinem 5 Stufen Modell der Führung angesehen.
Ich war sofort angefixt. Das Modell deckt sich mit meinen eigenen Beobachtungen und scheint auf Anhieb geeignet, um eine Organisation weiter zu entwickeln.
Ich finde das Buch insgesamt etwas zu langatmig. Das ändert aber nichts daran, dass ich das 5 Stufen Modell der beiden für das Beste zur Zeit Verfügbare halte.
Neben vielen Geschichten zu Unternehmen und Menschen in den einzelnen Stufen findet man in dem Buch eine Menge praktischer Hilfen, was es möglich macht, ohne weitere Quellen mit dem Modell zu arbeiten.
MIr gefällt besonders, dass die Autoren, ihre Methode der zugrundeliegenden Studie detailliert beschreiben und auch mal eine P-Wert einer Signifikanzanalyse bringen. Das ist für Six Sigma Fans natürlich großartig.
Meine beiden Vorstandskollegen bei SYNAXON haben mich in den letzten Jahren technisch ziemlich abgehängt. So was kann ich natürlich nicht auf Dauer akzeptieren. Das ausgerechnet unser Finanzvorstand Mark Schröder in Bezug auf digitale Produkte deutlich vorne lag, war dann letztlich der Grund, dass ich mal ordentlich nachgerüstet habe.
Dazu gehörte auch, dass ich mich auf seine Empfehlung hin mit dem Thema eBooks befasst habe. Das für mich als eingefleischten Bücherfreund eigentlich nie ernsthaft eine Alternative zu den altmodischen Produkten der Holzindustrie. Aber ich musste mittlerweile einsehen, dass Papierbücher erhebliche Nachteile haben. Wenn man auf Reisen und im Urlaub immer die gerade zur Stimmung passenden Bücher dabei haben möchte, ist das eine ziemliche Schlepperei.
Ich habe erstmal angefangen auf dem iPad mit der Kindle App mein erstes eBook zu lesen. Das ist nicht schlecht aber nach spätestens 2h lesen strengt das deutlich mehr an, als bei einem Papierbuch. Und das iPad ist mir zu schwer für lange Lesungen.
Also habe ich mir als nächstes den Kindle eBook Reader von amazon besorgt. Und ich bin nach dem ersten vollständigen eBook ziemlich begeistert. Der Kindle hat kein aktiv leuchtendes Display sondern ist passiv. Ich brauche also zum Lesen das gleiche Licht, wie bei einem Papierbuch. Das führt allerdings dazu, dass man mit diesem Gerät nicht schneller ermüdet als mit der Papiervariante. Die Schrift ist gestochen scharf. Flimmern tut da auch nix mehr. Der Akku hält jetzt schon länger als eine Woche, trotz intensiver Nutzung. Das Teil hat nur einen Bruchteil des Gewichtes eines iPad und der meisten Bücher die ich sonst lese. Damit kann man bequem hunderte Bücher mit sich herumtragen und hat jetzt immer das Passende dabei. Das Gerät hat kein Touchscreen, sondern ganz altmodische Tasten. Ich finde das nicht schlecht. Das Display braucht dann nicht immer wieder gereinigt werden. Die Bedienung klappt intuitiv ohne großes Handbuchstudium.
Großartig finde ich auch die Whispersync Funktion. Egal auf welchem Gerät ich gelesen habe, nehme ich danach ein Anderes, lese ich dort weiter wo ich aufgehört habe. Das ist praktisch, wenn man mal kurz Zeit hat, um auf dem iPhone, dem Notebook der dem iPad weiterzulesen und den Kindle nicht dabei hat. Wenn mehr als 100 Leser eine Stelle in dem Buch markiert haben, sieht man das als Leser.
Nun zu den Ärgernissen:
Es gibt nur 2.500 deutschsprachige Bücher für Kindle. Darunter ist keins, welches mich interessiert. Der englischsprachige Markt ist hingegen hervorragend abgedeckt. Ich hoffe, dass die deutschen Verlage hier endlich bald nachziehen.
Das ist schon ärgerlich. Richtiger Mist ist das Digital Rights Management der Bücher und die Preispolitik. Gerade bei Bestsellern sind die eBooks oft teurer als die Papiervariante. Dafür kann ich es nicht kopieren oder verleihen, was mit der billigeren Papiervariante ohne weiteres geht.
Grundsätzlich wird zwar das Verleihen von der Kindle Software unterstützt. Die meisten Verlage haben diese Möglichkeit aber gesperrt. Das ist bei den Preisen eine Sauerei!
Trotzdem überwiegen die Vorteile und ich werde auch weiterhin eBooks grollend beziehen.
Der Untertitel trifft es ganz gut. In diesem Buch wird die tragischste Geschichte zum Afghanistan Krieg beschrieben, von der ich jemals gehört habe. Und ich habe schon eine ganze Menge Bücher zu dem Thema gelesen und hier beschrieben.
Krakauer ist mir zum ersten Mal als Auto durch den Film “Into the Wild” begegnet. Der Mann hat defintiv ein Faible für Tragödien.
Es geht um den Footballspieler Pat Tillman. Er hat jahrelang für einen gut dotierten Profivertrag in der NFL gekämpft. Kurz bevor er ein Angebot für mehr als 3 Mio USD bekommt, findet das Attentat am 11.9.2001 statt. Das bewegt Tillman so sehr, dass er den Vertrag ablehnt und sich freiwillig für 3 Jahre zur Armee verpflichtet. Er hätte Armee Offizier werden können, entschließt sich aber statt dessen für eine Mannschaftslaufbahn, weil er unbedingt selber in Afghanistan gegen den Terror kämpfen möchte. Um das Ganze zu krönen, geht er auch noch zu der Eliteeineinhet der Ranger.
Während seiner Ausbildung beginnen die USA den 2. Krieg im Irak. Hier zweifelt Tillman daran, dass dies wirklich für eine gute Sache geschieht. Sein erster Einsatz findet dann auch im Irak statt. Nachdem er unverletzt wider nach Hause kommt, hätte der aus der Armee vorzeitig ausscheiden und einen noch höher dotierten Vertrag in der NFL unterschreiben können. Auch das lehnt er ab und geht in seinen 2. Einsatz in Afghanistan. Dort wird er dann bei einem Gefecht durch seinen eigenen Leute getötet.
Er war natürlich vorher vom Verteidigungsministerium zu einem patriotischen Propandaheld hochstilisiert worden. Da passte die Tötung durch Eigenbeschuss natürlich überhaupt nicht in den Kommunikationsplan. Die Armee versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Wahrheit über den Tot von Tillman bekannt wird. Letztlich wussten aber einfach zu viele und die Wahrheit kommt raus.
Das Bild was hier von der amerikanischen Regierung und der Armee gezeichnet wird ist einfach erschreckend.
Besser als mit einem Zitat aus dem Buch von Chris Hedges kann man es kaum zusammen fassen:
Im Krieg geht es immer um Verrat, den Verrat der Alten an den Jungen, der Zyniker an den Idealisten und der Politiker an den Soldaten.
Ich bin durch einen Vortrag auf dem European Six Sigma Kongress auf dieses Buch aufmerksam geworden. Es enthält ein paar sehr interessante Gedanken zum Thema Führung im dynamischen Umfeld. Ich habe jetzt nichts gundsätzlich Neues in dem Buch entdeckt. Allerdings habe ich auch noch nie ein Buch gehabt, welches so klar und einfach neue Führungsmodelle erklärt hat.
Ich bin natürlich kein unbefangener Leser dieses Buches. Immerhin hat Media Markt 1998 versucht, uns in die Pleite zu klagen.
Der Autor ist ehemaliger Geschäftsführer und Gesellschafter eines Media Marktes und scheint das Unternehmen ohne Groll verlassen zu haben. Schmutzige Wäsche wird in diesem Buch jedenfalls nicht gewaschen. Cleve ist offensichtlich auch noch an nachvertragliche Geheimhaltungspflichten gebunden. Man findet in dem Buch nichts, was man nicht auch in anderen Quellen nachlesen könnte.
Trotzdem ist das Buch für jeden, der im Handel arbeitet lesenswert. Cleve beschreibt aus seiner Sicht die Erfolgsfaktoren von Media Markt und Saturn. Auch die Problemfelder, die sich durch die Zugehörigkeit zum Metro Konzern ergeben, sowie die Herausforderungen, welche das Internet an das Unternehmen stellt werden umrissen.
Es gibt wenige gute Bücher über Six Sigma. Bislang war meine einzige Empfehlung dazu Six Sigma für Dummies. Nun gibt es ein weiteres Buch, dass ich zu diesem Thema empfehlen kann.
“Lean Six Sigma erfolgreich implementieren” beschreibt einerseits leicht verständlich die Methoden Six Sigma und Lean Six Sigma und zeichnet gleich erfolgversprechende Wege zur Implementierung auf. Das Buch kann kein Belt-Training ersetzen (das kann meiner Meinung nach sowieso kein Buch leisten) aber es bietet genug Informationen für die Entscheidung, ob man diese Methoden einsetzen sollte und was einen dann erwartet.
Man merkt beiden Autoren die langjährige praktische Erfahrung deutlich an. Beide haben bereits Six Sigma erfolgreich in leitenden Positionen eingeführt und dies mit zum Teil herausragenden Erfolgen.
Das Buch ist mir förmlich von unserem Finanzvorstand Mark Schröder aufgenötigt worden. Ich wollte diese Art von Büchern eigentlich nicht mehr lesen. Allein der Titel hätte mich vom Kauf abgehalten. Der klingt einfach zu sehr nach: “Du kannst es!” oder “Siegen lernen heißt gewinnen lernen!” also Managementspackoliteratur für Anfänger und führungstechnische Dünnbrettbohrer.
Aber wenn ein Finanzer so ein Buch vorschlägt, dann stimmt da etwas nicht. Die sind ja eignentlich nicht für substanzlose Bücher zu begeistern.
Es geht um Zappos, ein Unternehmen was hier in Deutschland nicht so bekannt ist, weil es eine gute deutsche Kopie davon gibt: Zalando. Wir haben es also mit einer Geschichte aus dem Internetschuhhandel zu tun. Geschrieben hat es einer der Mitgründer und Chefs, Tony Hsieh.
Die ersten 50 Seiten waren dann auch dann tatsächlich Quälerei. Die Geschichten aus seiner Kindheit sind zäh und mir ein bischen zu sehr auf Passung für die weitere Geschichte getrimmt.
Aber dann geht es los. Hsieh gründet ein Unternehmen, welches sich mit Internetwerbung befasst. Sein Produkt verbreitet sich schnell, aber das Unternehmen verdient damit kein Geld. Er schlägt trotzdem ein Angebot über 1 Mio USD für das Unternehmen aus, obwohl er kaum weiß, wie er seine Miete bezahlen soll. Irgendwann taucht Microsoft auf und bietet im 40 Mio USD, wenn er mindestens ein Jahr nach dem Kauf im Unternehmen bleibt. Wenn er früher geht, gibt es nur 8 Mio. Der Vertrag wird unterzeichnet. Hsieh hält es keine 3 Monate aus und verlässt das Unternehmen. 32 Mio. sind weg.
Er macht sich auf die Suche nach Investitonsmöglichkeiten und stößt auf Zappos. Spätestens ab dieser Stelle wird das Buch schon fast magisch. Er beschreibt die wichtigsten Entscheidungen und Fehler und lässt den Leser beim Denken zusehen. Er schafft bei Zappos eine einzigartige Unternehmenskultur, die als Vorbild für viele anderen Unternehmen taugt. Zappos schafft in weniger als 10 Jahren den Sprung über die Milliardenumsatzgröße und wird dann für über eine Milliarde an amazon verkauft.
Nach The Longtail und Wikinomics hat mich kein anderes Buch mehr so beeinflusst, wie dieses.
Dieses Buch ist erstaunlich schnell auf den Markt gekommen. Das birgt die Gefahr, dass es sich um ein schnell runtergeschriebenes schlechtes Buch handelt, dass nur erschienen ist, um auf der hohen Aufmerksamkeitswelle um das Thema Wikileaks möglichst profitabel mitsurfen zu können.
Diese Gefahr hat sich nicht realisiert.
Zum einen wird die Geschichte von Wikileaks erzählt von der Gründung bis zum vorläufigen Höhepunkt der Veröffentlichung der internen Botschaftsdepeschen der USA. Und diese Geschichte ist spannend wie ein Krimi. Wikileaks ist so stark mit seinem Gründer verwoben, dass auch seine Geschichte von seiner Kindheit an kurz erzählt wird. Die Geschichte von Assange und Wikileaks bietet alle Elemente, die man einem spannenden Roman wünschen würde. Assange ist ein schwieriger Mensch. Er ist intelligent, hat Charisma, er ist verletzend, arrogant und sein Privatleben bringt ihn und Wikileaks in Schwierigkeiten. Es gibt mit Bradley Manning einen tragischen Helden. Er war derjenige, der die USA in die schwerste außenpolitische Krise ihrer Geschichte gebracht hat. Und er stolperte über seine eigene Geschwätzigkeit und muss nun mit üblen Haftbedingungen dafür büßen, eine so mächtige Nation herausgefordert und blamiert zu haben.
Zum anderen werfen die beiden Spiegel-Autoren die Fragen auf, ob das was Wikileaks macht wirklich richtig und was es für Demokratien und den Journalismus bedeutet. Auch dieser Teil des Buches ist gut gemacht und sehr lesenswert.
Assange verachtet den klassischen Journalismus zutiefst. Aber er musste auch das völlige Scheitern der Blogosphere in der Verbreitung und Aufarbeitung seiner Quellen feststellen. So richtig Wirkung bekam Wikileaks erst, als man sich zur intensiven Kooperation mit den klassischen Medien durchrang. Ohne Spiegel, Guardian und die NY Times wäre die Veröffentlichung der Kriegstagebücher und der Diplomatendepeschen wahrscheinlich genauso versickert, wie die vielen mindestens genauso skandaolösen Unterlagen, die Wikileaks schon vorher veröffentlicht hat.
Auch die Frage, ob es richtig ist ohne Rücksicht auf Gefährdung von vielen Menschen Unterlagen unredigiert ins Netz zu stellen wird diskutiert. Sie ist wirklich nicht leicht zu beantworten. Wikileaks fährt hier einen radikalen Kurs, der zumindest latent geeignet ist, Leben zu gefährden.
Die Geschichte von Wikileaks ist wahrscheinlich noch am Anfang. Zur Einsortierung dieses Phänomens ist dieses Buch zum richtigen Zeitpunkt erschienen.
Mein jetziges Design des Informationsstroms ist ein bisschen in die Jahre gekommen und ich hatte heute vor, größere Umbauten vorzunehmen.
So sieht der Infostrom aktuell aus:
Twitter war bislang mein zentrales Medium, auf dem meine per Hand generierten Stausmeldungen, sowie die automatisierten Meldungen (Flickr, youtube, foursquare usw.) eingegangen sind. Von dort aus wurden dann die Informationen als Sackgasse in Facebook und noch mal über Friendfeed abgemischt auf der Startseite meiner Homepage aggregiert. Meine Blogeinträge habe ich immer zusätzlich über Twitter angekündigt und verlinkt.
Mittlerweile ist meine Liebe zu Twitter erheblich abgekühlt und Facebook hat eine immer größere Bedeutung bekommen. Auf Facebook findet deutlich mehr Interaktion statt als bei Twitter und die Aggreagationen von youtube und foursquare sehen auf Facebook nicht nur besser aus als bei Twitter, sie haben auch deutlich mehr Funktionalität. Ausßerdem geht es mir immer mehr auf die Nerven, dass ich mittlerweile bei Twitter mehr Zeit mit dem Kürzen auf 140 Zeichen als mit dem Schreiben des Tweets beschäftigt bin. Ich habe auf diesen 140 Zeichen Limit Mist einfach keinen Bock mehr.
Deswegen wollte ich heute meinen Infostrom so gestalten:
Dabei bin ich auf unerwarte Schwierigkeiten gestoßen. Ich bekomme meine Facebook Statusmeldungen weder automatisch auf Twitter veröffentlicht, noch in Friendfeed importiert. Bei Twitter scheint der automatisierte Export nur bei Seiten und nicht bei Personen zu funktionieren. Bei Friendfeed ist die Funktion zwar vorgesehen,
aber ich bekomme die Fehlermeldung: It appears that Facebook does not provide a Status feed for your account
Ich habe in der Privatsphäre bei Facebook alle Daten auf “öffentlich” stehen.
Da habe ich durch Zufall ein Buch erwischt, welches wohl eine Standard-Lektüre für Mitglieder und Sympathisanten der Piratenpartei ist, oder noch werden dürfte.Doctorow ist ein kanadischer Blogger, der laut Forbes zu den 25 einflussreichsten Menschen im Internet zählt. Er ist außerdem Aktivist für die Liberalisierung des Urheberrechts, Datenschutz und gegen Digitale Rechteverwaltung.
Er hat meiner Meinung nach hiermit einen sehr bedeutenden und unglaublich lehrreichen Roman abgeliefert, welcher nicht nur Nachhilfe in technischen Fragen der Verschlüsselungs- und IT-Sicherheitstechnik liefert, sondern auch beeindruckend klar macht, was passieren kann, wenn der Staat im Kampf gegen den Terror glaubt, die Verfassung und die damit verbundenen Grund- und Menschenrechte außer Kraft setzen zu dürfen. Gnadenlos werden hier alle damit verbundenen Denkfehler der Sicherheitspolitiker im Rahmen einer äußerst fesselnden Erzählung aufgedeckt. Doctorow lässt so gut wie nichts aus der aktuellen Debatte aus. Foltermethoden, wie Waterboarding kommen genauso, wie Missbrauch von RFIDS oder sonstigen Missbräuchen privater Daten vor.
Nebenbei lernt man noch eine Menge darüber, wie man sich bereits heute vor zu intensiver Schnüffelei des Staates schützen kann. Ich hatte vorher noch nichts über TOR (The Onion Router) gehört und kaum habe ich in dem Buch davon gelesen, kam heute gleich mal was zu dem Thema bei netzpolitik.org. Man kann diese Technik bereits heute für mehr Anonymität beim Surfen im Internet nutzen.
Die Geschichte: Ein 17-jähriger Hacker gerät bei einem hybriden Online/Offline-Spiel in die Nähe eines Attentats in San Franzisko, das ähnliche Ausmaße wie 9/11 hat. Er wird zufällig festgenommen und auf eine Insel in der Bucht von San Franzisko mit Foltermethoden verhört. Als er endlich wieder freikommt, gründet er eine Widerstandsbewegung, welche sich hauptsächlich im Netz organisiert. Er wird damit zur meistgesuchten Person der USA. Wenn er erwischt wird, muss er damit rechnen, in ein geheimes Folter- und Internierungslager außerhalb der USA verschleppt zu werden.
Die Überhöhungen sind so minimal, dass einem beim Lesen immer wieder das Entsetzen packt, wie nah man in den USA aber auch in Deutschland bereits an den beschriebenen Zuständen ist.
Die Piratenparteil spielt in der Geschichte übrigens eine beachtliche Nebenrolle.
4 Jahre nach dem Knaller Freakonomics kommt nun der Nachfolger vom gleichen Autorenteam. Die Financial Times behauptet es wäre ganz ähnlich nur besser als sein Vorgänger geraten. Das kann ich so nicht bestätigen. Es ist ein würdiger Nachfolger und es ist genauso gut, wie sein Vorgänger und allein das ist eine beachtliche Leistung.
Es geht dieses Mal wieder überwigend um Mikroökonomie. Der Untertitel “Nichts ist so wie es scheint” zieht sich als Programm durch das ganze Buch. Bei der Untersuchung des Wirtschaftszweige Prostitition, Kindersitze und der Selbstmordattentäter kommen die beiden immer wieder zu sehr überraschenden Erkenntnissen.
Wie schon im ersten Buch wird auch hier wieder ein Klassiker der Literatur auseinandergenommen. Dieses Mal erwischt es den Klassiker des Mordes an Kitty Genovese, wo angeblich 38 Leute tatenlos zugesehen haben. Nicht nur, dass sie nicht eingeschritten sind, sie haben nicht einmal per Telefon die Polizei oder Rettungssanitäter gerufen. Dieser Fall erschütterte 1964 die gesamte Welt und fehlt seitdem in keinem Buch über Verhaltensforschung und Altruismus. Allein ich besitze 5 Bücher, in dem der Fall beschrieben wurde.
Der Fall wird hier neu aufgerollt und er stellt sich plötzlich völlig anders und auch leichter erklärbar dar. Ich verrate hier nicht die Auflösung, es ist zu spannend zu lesen.
Am meisten aufgewühlt hat mich das Kapitel über die “Klimakatastrophe”. Hier werden nicht nur alle Zweifel noch mal diskutiert, die man an der aktuellen Darstellung einer möglichen Klimaerwärmung haben kann. Was ich bislang nicht wusste, ist dass es schon seit längerem ein einfaches ungefährliches Mittel gibt, eine gefährlich werdende Klimaerwärmung wirksam zu verlangsamen, zu stoppen und sogar umzukehren. Nathan Myhrvold hat mit seinen bei Microsoft verdienten Milliarden ein Unternehmen geründet, welches ein Patent auf dieses Verfahren besitzt. Man weiß sicher, dass nach heftigen Vulkansausbrüchen Schwefeldioxid bis in die Stratosphäre geschleudert wird und dort zu einer signifikanten Abkühlung der Atmosphäre führt. Man braucht also nur gesteuert Schwefeldioxid in die Atmosphäre zu pumpen und die Erwärmung wäre beendet. Die Technologien dafür gibt es und das ganze Projekt würde weniger als 250 Mio USD kosten. Das sind ungefähr 50 Mio. USD weniger als Al Gore ausgibt, um die Menschheit in Angst und Schrecken wegen der “Klimakatastrophe” zu versetzen. Schwefeldioxid baut sich innerhalb weniger Monate wieder ab. Wir haben es also mit einem steuerbaren und reversiblen Effekt zu tun.
Ich hatte vor der Lektüre des Buches noch nie etwas davon gehört. Ich werde das Thema jedenfalls weiter verfolgen und recherchieren. Wenn das stimmt, was hier beschrieben wird, frage ich mich, warum man noch nicht häufiger davon gehört und gelesen hat.
Allein wegen dieses Kapitels bekommt das Buch von mir *****
Wenn es einen klaren Retro Trend dieses Jahr gibt, dann ist es der Punk. Musikalisch erfährt er in einer modernisierten Form eine grandiose Rückkehr, wie man dieses Jahr auch auf dem Hurricane Festival klar sehen und hören konnte. Es gibt eine neue Wirtschaftszeitung mit dem schönen Namen Business Punk. Und nun gibt es auch noch ein Buch mit dem Titel “Investment Punk”. Mir als echtem alten Punkrockveteran (der Beweis ist hier) geht diese Einvernahme natürlich deutlich zu weit- Widerstehen konnte ich dem Buchtitel dann aber doch nicht.
Der Bezug zum Punk ist schon sehr konstruiert und bemüht. Eigentlich geht es um etwas anderes: Ein erfolgreicher Investor verhöhnt die Mittelschicht und beschreibt genüßlich ihr baldiges Ende und ihre vermeintlich kranken Lebensentwürfe. Der Autor ist einem auf Anhieb unsympathisch mit seiner belehrenden Überheblichkeit.
Das ändert aber nichts daran, dass das meiste, was er dort in der Sache beschreibt richtig ist. Vielen Lesern dürfte das Buch erhebliches Unbehagen bereiten. Zu deutlich bekommen sie in vielen Dingen einen sehr unschönes Spiegelbild vorgehalten: Wie sie von ihren Arbeitgebern und ihren Banken abgezockt werden. Wie sehr Konsumzwänge Freiheit nehmen und einen in eine Falle nach der anderen tappen lässt.
Hier wird auf unangenehme aber für viele sicher sehr lehrreiche Weise erklärt, wie man richtig investiert, nach welchen Prinzipien sich Vermögen aufbauen lässt und vor allem, wie es todsicher nicht funktioniert.
So banal das Meiste ist, so fürchte ich, so neu dürfte es für viele sein.
Facebook ist eine der spektakulärsten Gründungen des ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhundert. Noch nie ist ein Unternehmenswert so schnell gewachsen wie bei Facebook. 12 Monate nach Gründung war das Unternehmen nach Ansicht von Investoren bereits über 100 Mio. Dollar wert, nach wenigen weiteren Monaten bereits über eine Milliarde bevor die Bewertung 2007 weniger als 4 Jahre nach Gründung auf den bisherigen Höhepunkt von 13 Mrd. Dollar gestiegen ist. Auch wenn die Bewertung mittlerweile wieder auf 4-7 Mrd Dollar gesunken ist, bleibt es einfach der Wahnsinn. In 2010 wird Facebook das erste Mal schwarze Zahlen schreiben und über 500 Mio. registrierte Nutzer.
In diesem Buch wird die Gründungsgeschichte beschrieben. 2 echte Hardcore Nerds, welche alle Vorurteile bestätigen gründen in einem Havard Studentenwohnheim Facebook, um endlich an Frauen heranzukommen. Der eigentlich Kopf war von Anfang an Mark Zuckerberg. Er schrieb die Software, hatte die wesentlichen Ideen, die Facebook aus dem schon damals existierenden Meer der Social Networks herausragen ließ.
Das Buch ist sehr unterhaltsam, der Untertitel: “Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft, und Betrug” beschreibt ganz gut, was einen erwartet. Es hebt sich damit sehr wohltuend von den anderen Bücher dieses Metiers heraus, die versuchen, Lehren aus der Geschichte von Facebook zu ziehen. Man lernt dort nicht, was man tun muss, um selber so etwas wie Facebook zu erfinden und erfolgreich werden zu lassen.
Es ist einfach hervorragend gemachte Wirtschaftsunterhaltung.
Musikalisch betrachtet fand ich das 2010er Hurricane deutlich besser als 2009 und das war schon nicht schlecht. Nach Veranstalterangaben waren dieses Jahr ca. 10.000 Besucher mehr da als 2009. Es fühlte sich allerdings an, als wären es mehr als doppelt so viele Besucher gewesen.
Das Festival war eindeutig überbesucht und das hat den Spaß stellenweise ganz schön geschmälert. Die Toiletten waren ab der Mitte des 2. Tages zur Hälfte nicht mehr zu gebrauchen. Während man 2009 ganz entspannt von einem Auftritt zum nächsten gehen konnte, war dies dieses Mal nicht möglich. Selbst wenn man teilweise eine halbe Stunde vor Beginn da war, konnte man nicht sicher sein, dass man beispielsweise noch ins Zelt kam. Das hat dann auch zu erheblichen Sicherheitsproblemen geführt. Bei Bonaparte war vor dem Zelt so viel Randale durch Besucher, die nicht mehr hereingekommen sind, das fast abgebrochen werden musste. Im weißen Zelt wurden nach dem Auftritt von Frittenbude alle weiteren Konzerte des Samstags gleich abgesagt, weil es zu gefährlich wurde. Auch bei den großen Bühnen im freien kam man ohne Gefahr bei einigen Bands nicht mehr wirklich in Hörweite.
Vom Wetter her gab es keine Hitzeprobleme. Es blieb bis auf 2-3 kurze Schauer die ganze Zeit trocken, es war aber bei starkem Wind mit 10-15 Grad ganz schön kalt.
Ich habe dieses Mal wieder ein paar Bands gesehen, die ich vorher noch nicht kannte und die eine echte Bereicherung meines Portfolios geworden sind.
Diese Konzerte habe ich gesehen:
Jennifer Rostock
Sie klang wie “Ideal” während der Neuen Deutschen Welle. Das war musikalisch gar nicht schlecht aber es fiel schwer sich bei ihr auf die Musik zu konzentrieren. Sie hatte an dem Tag den Preis für das furchtbarste Outfit sicher in der Tasche und man konnte trotzdem wie bei einem Verkehrsunfall nicht wegschauen. Man hörte Kommentare wie: Sieht aus wie eine englische Prostituierte und irgendwie war das eine treffende Beschreibung.
Paramore
Bewährt und gut. Starke Sängerin.
Kashmir
Eine Neuentdeckung für mich und der erste wirklich starke Auftritt des Tages.
The Temper Trap
Kannte ich auch noch nicht. Die Jungs aus Australien hatten dort 2009 ihr erstes starkes Jahr und man wird sicher auch in Deutschland noch eine Menge von ihnen hören.
Danko Jones
Grundsolides Handwerk aber wenig aufregend, gute Aufwärmübung für:
Beatsteaks
Die Meister der Livemusik. Keine andere Band hat an dem Tag das Publikum gleich von Anfang an so im Griff gehabt wie sie. Perfekter Sound, perfekte Show, die 90 Minuten vergingen wie im Fluge. Wenn man die mal live gesehen hat, ist man für die Alben verloren. Der Unterschied in der Energie ist einfach zu heftig. Der Auftritt war so gut, dass sich am nächsten Tag Billy Talent zu einer schon fast peinlichen Huldigung genötigt sah.
Florence& the Machine
Vertreterin einer relativ neuen Musikgattung aus England zu der auch Bat for Lashes gehört. elektroniklastig mit Anleihen aus den 80ern mit schönen Melodien.
Coheed & Cambria
Ich fand sie dieses Mal ein bisschen müde und farblos. Ganz im Gegensatz zu:
Deftones
Mannomann, haben die einen Druck gemacht. Die haben das Publikum so in Wallung gebracht, dass hier die erste Sicherheitsunterbrechung fällig wurde, um Tote und Verletzte zu vermeiden. Der Sänger war sichtlich geschockt von der Randale im Publikum. Trotzdem hat er nach der Unterbrechung nicht die Handbremse gezogen.
Skunk Anansie
Was für eine Stimme. Auch nach 15 Jahren immer noch in Topform. An dem Tag hat sie zwar das mit Abstand hässlichste Outfit geboten, das hat der Show aber dann doch nicht geschadet.
Porcupine Tree
Die beste Neuentdeckung für mich beim diesjährigen Hurricane. Die Musik ist schwer einzuordnen. Irgendwo zwischen Pink Floyd und Metallica. Der Sound hat überzeugt. Es waren sehr schöne melodische Lieder kombiniert mit Druck dabei. Ich habe mir sofort danach das aktuelle Album besorgt.
Bonaparte
Der Wahnsinn in Musik und Show gepackt. Bei Wikipedia wird das ganze als Visual Trash Punk bezeichnet. So ganz passt das nicht, aber mir fällt dazu auch nichts Passenderes ein. Von der ersten Sekunde an kochte das Zelt und hier wurde dann die zweite Sicherheitsunterbrechung fällig. Wer das noch nicht gesehen hat, kann sich nur schwer vorstellen, wie bizarr die Show ist. 4 Musiker und 6 Komparsen (oder Ausdruckstänzer) turnen in den absurdesten Verkleidungen auf der Bühne herum und hauen mit punkähnlicher Musik voll rein. Muss man einfach mal gesehen haben.
Billy Talent
Eine der wenigen Gruppen, deren Alben mir besser gefallen haben als dieser Liveauftritt. Das war alles ein bisschen zu bemüht und glatt. Vor allem die Schleimerei des Sängers ist mir gehörig auf den Keks gegangen. Technisch und vom Sound her perfekt. Mich hat diese Band hier als Fan verloren.
Massive Attack
Großes Kino, der beste Sound des Tages und alle Klassiker wurden gespielt. Einfach gut.
Dendemann
Nachdem Dendemann letztes Jahr hier den Auftritt richtig vergeigt hat, wollte er dieses Jahr zeigen, dass er es doch drauf hat. Erstaunlich fand ich, dass man ihn nach dieser Pleite in 2009 auf die große Bühne gelassen hat. Der Mann ist lernfähig. Er hat den längsten und gründlichsten Soundcheck des Tages hingelegt. Er kam mit einer vollständigen Band. Alle Bandmitglieder, Dendemann eingeschlossen, hatten schon ein sehr merkwürdiges Bühnenoutfit, wo man nicht so recht erkennen konnte, ob das ironisch gemeint war. Fakt ist, so schlimm sahen in den 80ern nicht mal Mofafahrer aus. Ich weiß nicht wo man heute solche Klamotten bekommen kann. Dazu passend die schlimmsten Verliererfrisuren, die man sich vorstellen kann. Mittelscheitel und Popelbremse!
Musikalisch war es dieses Mal erste Sahne und er hat das Publikum sofort voll im Griff gehabt. Dendemann ist zumindest musikalisch rehabilitiert. Optisch ist da nichts mehr zu retten. Ich schätze, die mussten schon sehr auf ihre Künstlerpässe hinweisen, um überhaupt auf die Bühne zu kommen.
Turbostaat
Mein persönlicher Höhepunkt des Festivals. Ich fand die Jungs schon vorher gut und vor allem die letzen Alben „Vormann Leiss“ und „Das Island Manöver“ laufen bei mir jede Woche mindestens einmal . Hier haben wir es mit einer sehr modernen Punkvariante zu tun, die musikalisch deutlich komplexer und präziser ist, als das was man sonst so aus dem Genre geboten bekommt. Der Sänger sieht aus wie Jogi Löw, benimmt sich glücklicherweise aber nicht so. Einer der Gitarristen steht so übel ab, dass man ihm lieber nicht alleine Nachts begegnen möchte und hat einen ganz klassischen Ramones Körperbau. Das sieht man auch nicht mehr oft.
Vollalarm ab der ersten Sekunde und das Publikum kannte erstaunlicherweise alle Texte und ging sofort mit. Die Jungs sind also definitiv ein nicht mehr so elitärer Geheimtipp, wie ich dachte. Auch der Sänger war sichtlich überrascht über die Textsicherheit der Zuschauer und wirkte immer wieder so, als wenn er es gar nicht fassen konnte, dass so viele Menschen sie so gut finden.
Was ich bemerkenswert fand, war mit welcher unglaublichen Geschwindigkeit das ganze Konzert über die Gitarren bearbeitet wurden. Ich hätte auch in meinen besten Tagen das Tempo keine zwei Lieder gehalten, dann wäre mit der rechte Arm abgefallen. Da wurde nicht nach Metallica Art mit Minimalhub aus dem Handgelenk gearbeitet, sondern die Anschläge kamen aus dem ganzen Unterarm mit großer Amplitude. Das war schon körperlich beeindruckend. Was noch erstaunlicher war: Das ganze erzeugte nicht den punktypischen Lärmbrei, sonder war so präzise auf den Punkt gespielt, dass alles schön klanglich ausdifferenziert blieb. Das war einfach großartig.
Deichkind
Die Jungs waren der Headliner am Sonntag und es war klar, dass hier die Steppe toben würde. Wir wurden nicht enttäuscht, alle Deichkinder waren in großer Form, obwohl sie ganz schön rundlich geworden sind. Selbst Ferris MC sah zwar fertig wie immer aus, zeigte aber keine Konditionsschwächen. Die Show und die Kostüme waren bizarr wie immer und sie haben kein Lied ausgelassen, das ich gerne gehört hätte. Es ging gleich mit „Arbeit nervt“ los. Gefreut hat mich, dass sie auch aus der vorbizarren Ära noch „Bon Voyage“ gespielt haben. Traditionell kam als letztes „Remmi Demmi“ und damit war die Stimmung auch treffend beschrieben.
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